Vera Brühne

Die Geschichte von Vera Brühne, die in den 1960er Jahren für Schlagzeilen sorgte, bleibt eine der kontroversesten und faszinierendsten Kriminalfälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Im Zentrum dieses dramatischen Falls stand die Beziehung zwischen Vera Brühne und dem renommierten Münchener Gynäkologen Otto Praun, die sie im Jahr 1954 begannen.

Als Praun im April 1960 unter mysteriösen Umständen tot in seinem Haus aufgefunden wurde, schien zunächst alles auf einen Selbstmord hinzudeuten. Die Ereignisse nahmen jedoch eine dramatische Wende, als bekannt wurde, dass Vera Brühne in seinem Testament bedacht worden war. Diese Entdeckung führte zu einer intensiven und umstrittenen Ermittlung, die schließlich in einer lebenslangen Haftstrafe für Vera Brühne und ihren Mitangeklagten Johann Ferbach gipfelte.

Dieser Beitrag beleuchtet die Hintergründe, Wendungen und die anhaltenden Diskussionen um einen Fall, der bis heute Fragen aufwirft und Gegenstand zahlreicher Debatten ist. Was wirklich hinter dem Tod von Otto Praun steckt und inwieweit Vera Brühne darin verwickelt war, bleibt ein Rätsel, das die Gemüter bewegt und die Justiz herausfordert.

Die Person Otto Praun

Otto PraunOtto Praun, geboren am 28. April 1894, war eine komplexe und schillernde Persönlichkeit mit einer vielschichtigen Vergangenheit. Seine Familie spielte eine bedeutende Rolle in den westdeutschen Geheimdiensten seit dem Zweiten Weltkrieg. Prauns Vater diente während des NS-Regimes als General in der Nachrichtentruppe. Otto Praun selbst begann seine Laufbahn 1928 in der Abwehr des Geheimdienstes, wurde Vertrauensarzt der Allianz und war Mitglied der NSDAP. Sein Wirken während dieser Zeit war von Widersprüchen geprägt – während er offiziell das Regime unterstützte, stellte er gleichzeitig Atteste aus, um Menschen vor dem Zugriff der NS-Diktatur zu schützen. Dieses Handeln brachte ihn mehrfach in Konflikt mit den NS-Behörden, so wurde er wegen Verstößen gegen Rundfunkverordnungen von der Gestapo ermittelt und 1944 sogar ein Parteiordnungsverfahren gegen ihn angestrengt, hauptsächlich wegen seines wiederholten Nicht-Tragens des Parteiabzeichens.

Interessanterweise kamen erst im Jahr 2001 Hinweise auf, die Prauns Rolle während des Zweiten Weltkriegs in einem neuen Licht erscheinen ließen. Es gab Vermutungen, dass er möglicherweise als Offizier oder V-Mann in die Spionageaktivitäten von Hitlers Wehrmacht involviert gewesen sein könnte. Darüber hinaus gab es Anzeichen dafür, dass er nach dem Krieg für den Bundesnachrichtendienst tätig und in Waffengeschäfte verwickelt war.

Abseits dieser politischen und geheimdienstlichen Tätigkeiten führte Praun eine erfolgreiche Karriere als Gynäkologe in München. Er lebte in einer Villa in Pöcking am Starnberger See mit seiner Lebensgefährtin Elfriede Kloo und besaß außerdem einen Landsitz in Spanien, nahe Lloret del Mar. Dieses spanische Anwesen wurde zunächst von Katja Hintze verwaltet, bis sie 1958 entlassen wurde und Vera Brühne ihre Nachfolgerin als Verwalterin wurde.

Die Begegnung mit Vera Brühne im Jahr 1954 markierte einen Wendepunkt in Prauns Leben. Sie begannen eine Geschäftsbeziehung, in der Brühne als seine Chauffeuse arbeitete, und er stellte ihr einen VW Käfer zur Verfügung sowie ein Gehalt von 200 DM monatlich. Obwohl es Spekulationen über eine Liebesbeziehung zwischen ihnen gab, hat Vera Brühne dies in einem Interview im Jahr 2000 entschieden bestritten.

1959 änderte Praun sein Testament zu Gunsten von Vera Brühne, indem er ihr ein lebenslanges Wohnrecht auf dem spanischen Landsitz einräumte – ein Recht, das zuvor Katja Hintze innehatte. Diese Änderung im Testament führte später zu Spekulationen über die Natur ihrer Beziehung.

Prauns Lebensstil, geprägt von sichtbarem Wohlstand, wie eine Villa am Starnberger See und eine Finca in Spanien, wirft Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf seine Einkommensquellen. Zudem ist es bemerkenswert, dass er häufig bewaffnet in der Öffentlichkeit auftrat, was auf mögliche Ängste oder Bedrohungen hindeuten könnte. Diese Aspekte seines Lebens bieten Stoff für Spekulationen und lassen Fragen offen, die bis heute nicht vollständig geklärt sind.

Die Person Vera Brühne

Vera BrühneVera Brühne, geboren am 6. Februar 1910, wuchs in einer gutbürgerlichen Familie in Essen auf und besuchte dort eine Haushaltsschule. Ihre Jugendjahre waren geprägt von den traditionellen Normen und Werten ihrer Zeit. Doch Vera Brühne entschied sich für einen anderen Lebensweg und zog nach München, eine Entscheidung, die den Beginn eines außergewöhnlichen und kontrovers diskutierten Lebens markierte.

In München heiratete sie Hans Cossy, mit dem sie eine Tochter, Sylvia, bekam. Die Ehe hielt jedoch nicht, und es folgte eine Scheidung. Vera Brühnes Suche nach Liebe und Beständigkeit führte sie in eine zweite Ehe mit Lothar Brühne, die jedoch ebenfalls in einer Scheidung endete. Ihr Leben als zweifach geschiedene Frau in einer Zeit, in der dies gesellschaftlich noch nicht vollständig akzeptiert war, unterstreicht ihren Mut, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu leben.

Vera Brühne war bekannt für ihren Stil und ihr gepflegtes Äußeres, eine Eigenschaft, die in der damaligen Gesellschaft für Aufsehen und Spekulationen sorgte. Es gab Gerüchte, sie hätte als Escort-Dame gearbeitet, doch diese Vermutungen sind kritisch zu betrachten. Vielmehr scheint es, dass Vera Brühne einfach ein unkonventionelles Leben führte, in dem sie ihre Freiheit voll auslebte. In einer Zeit, in der die Unabhängigkeit einer Frau oft mit Vorurteilen und Missverständnissen behaftet war, könnte es sein, dass Vera Brühne schlichtweg ein Leben führte, das für viele unverständlich war.

Vera Brühne war eine Frau, die sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen leiten ließ, sondern ihren eigenen Weg ging. Ihr Weg führte sie zu Otto Praun und in einen Fall, der zu den umstrittensten und meistdiskutierten Kriminalfällen Deutschlands gehören sollte.

Die Person Johann Ferbach

Johann FerbachJohann Ferbach, geboren am 9. August 1913 in Köln, war eine Figur mit einer bemerkenswert wechselvollen Vergangenheit. Als gelernter Büchsenmacher fand sein Leben eine dramatische Wendung, als er 1939 in die Wehrmacht eingezogen wurde. Sein Dienst an der Ostfront endete jedoch abrupt, als er 1943 desertierte. Unter dem Decknamen Hans Spieß kehrte er nach Köln zurück und fand dort eine neue Identität als Bauarbeiter. Diese Zeit seines Lebens war geprägt von Geheimhaltung und dem ständigen Risiko, entdeckt zu werden.

Die Wege von Johann Ferbach und Vera Brühne kreuzten sich unter tragischen Umständen. Ferbach war verantwortlich für den Bau einer Behelfsschutzanlage für Hans Cossy, den damaligen Ehemann von Vera Brühne. Als deren Haus während eines Luftangriffs zerstört wurde, befanden sich Vera Brühne und ihre Tochter in den Trümmern. Ferbach spielte eine entscheidende Rolle bei ihrer Rettung und bot ihnen in der Folge Unterschlupf an. Diese Handlung bildete den Grundstein für ihre spätere Beziehung.

Interessanterweise war es auch Ferbach, der den VW Käfer organisierte, den Vera Brühne später von Otto Praun erhielt. Diese Tatsache legt nahe, dass Ferbach eine wichtige Rolle in Brühnes Leben spielte, und verstärkt die Spekulationen über die Natur ihrer Beziehung. Obwohl ihnen ein Verhältnis nachgesagt wurde, bleibt der wahre Charakter ihrer Verbindung unklar und ist Gegenstand vieler Diskussionen.

Johann Ferbachs Leben war ein Spiegelbild der turbulenten Zeit, in der er lebte. Seine Verbindung zu Vera Brühne und die darauf folgenden Ereignisse waren Teil eines komplexen Netzwerks aus Beziehungen und Ereignissen, die letztendlich zu einem der umstrittensten Gerichtsverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte führten.

Der Tod von Otto Praun

Der mysteriöse Tod von Otto Praun im April 1960 bleibt bis heute ein dunkles Kapitel in der deutschen Kriminalgeschichte. Vom 15. bis zum 18. April arbeitete ein Gärtner in Prauns Garten in München und bemerkte dabei, dass weder Praun noch sein Hund zu sehen oder zu hören waren, obwohl Prauns Auto vor dem Haus stand. Dieses ungewöhnliche Schweigen löste zwar Verwunderung aus, führte jedoch zu keiner weiteren Nachforschung.

Am 18. April erwartete Praun ein befreundetes Ehepaar zu Hause. Als sie ankamen und das Auto vor dem Haus sahen, aber keine Antwort auf ihr Klingeln erhielten, verließen sie den Ort enttäuscht und ohne Verdacht.

Der folgende Tag, der 19. April, brachte eine dramatische Wendung. Praun erschien nicht in seiner Praxis, was seine Sprechstundenhilfe dazu veranlasste, mehrmals erfolglos anzurufen. Ihre Sorge führte sie schließlich am Abend zusammen mit einem Mitbewohner zu Prauns Villa. Dort entdeckten sie in der Diele die Leiche von Praun, der offensichtlich erschossen worden war, eine Pistole in der Hand haltend. Kurz darauf fanden sie auch die Leiche von Prauns Lebensgefährtin Elfriede Kloo, ebenfalls erschossen.

Die Polizei ging schnell von einem erweiterten Suizid aus – Praun hätte zuerst Kloo und dann sich selbst erschossen. Doch es gab keine Spurensicherung oder Obduktion der Leichen, und der Todeszeitpunkt wurde vorschnell auf den 15. April festgelegt.

Spanische FlaggeIn einem weiteren tragischen Akt fand ein Kriminalobermeister den Hund von Praun in einem Abstellraum der Villa. Anstatt den Hund in ein Tierheim zu bringen, entschied er sich, das Tier zu erschießen, was ein weiteres dunkles Element in dieser Geschichte darstellt.

Praun hinterließ ein beträchtliches Vermögen, darunter seine Villa in München und seine Finca in Spanien, was heute etwa 3,9 Millionen Euro entsprechen würde. Die Testamentseröffnung im August 1960 offenbarte, dass Vera Brühne ein lebenslanges Wohnrecht in Spanien erhalten hatte, was bei Prauns Sohn Günther Misstrauen weckte. Er beantragte die Exhumierung und Obduktion seines Vaters, was im Oktober 1960 genehmigt wurde.

Die Obduktion offenbarte schockierende Erkenntnisse: Praun wurde mit zwei Kopfschüssen ermordet, was einen Suizid ausschloss. Diese neuen Informationen warfen ernsthafte Fragen auf, warum diese wichtigen Details nicht sofort am Tatort erkannt wurden. Der Blutfleck auf der Couch und die Tatsache, dass Praun zwei Kopfschüsse erlitten hatte, hätten die Ermittler misstrauisch machen müssen. Diese Nachlässigkeit in der Polizeiarbeit am Tatort bleibt bis heute ein umstrittener Aspekt in diesem rätselhaften Fall.“

Der Verdacht gegen Vera Brühne

Der mysteriöse Tod von Otto Praun lenkte schnell den Verdacht auf Vera Brühne, besonders nachdem bekannt wurde, dass sie in seinem Testament großzügig bedacht worden war. Die Ermittler spekulierten, dass Brühne möglicherweise Johann Ferbach, einen gelernten Büchsenmacher, dazu überredet haben könnte, Praun in ihrem Namen zu erschießen.

Brühne befand sich um den Zeitpunkt von Prauns Tod häufig in Bonn, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Obwohl sie am 14. April 1960 in München war, kehrte sie am 15. April nach Bonn zurück. Die Ermittlungen wurden jedoch durch widersprüchliche Zeugenaussagen erschwert. So berichtete eine Nachbarin, die etwa 350 Meter entfernt wohnte, dass sie am Abend des 14. April gegen 19:45 Uhr zwei Schüsse gehört habe, was darauf hindeutete, dass der Todeszeitpunkt möglicherweise vorverlegt werden musste.

BestechungDas vermutete Motiv für die Tat lag laut Ermittlern in Brühnes Wunsch, das Erbe des spanischen Landsitzes zu sichern. Praun hatte geplant, sein Grundstück in Spanien zu verkaufen, und durch den Mord sollte dieser Verkauf verhindert werden – so die Theorie.

Der Prozess gegen Brühne und Ferbach begann im Frühjahr 1962, zu diesem Zeitpunkt befanden sich beide bereits in Untersuchungshaft. Günther Praun, Otto Prauns Sohn, brachte zwei entscheidende Beweismittel vor: die Armbanduhr seines Vaters, die am 14. April 1960 um 20:45 Uhr stehen geblieben war, und einen Brief, der angeblich von Otto Praun an Elfriede Kloo geschrieben worden war. Dieser Brief, verfasst auf blauem Papier mit einer Schreibmaschine, wurde jedoch nie polizeilich gesichtet.

In dem Brief soll Praun einen Besuch eines potenziellen Käufers des Landsitzes angekündigt haben. Die Ermittler fanden heraus, dass Brühne zeitweise einen Untermieter hatte, der eine Schreibmaschine besaß. Als dieser sie nicht mehr benötigte, behielt Brühne das Gerät. Eine Überprüfung ergab, dass der gefundene Brief tatsächlich auf Brühnes Schreibmaschine geschrieben worden war. Dies führte zu der Annahme, dass Brühne den Brief gefälscht hatte, um in Prauns Namen einen Käufer anzukündigen – der vermeintliche „Käufer“ sollte dann Johann Ferbach sein, der sich somit Zutritt zum Haus verschaffen und den Mord begehen konnte.

Diese Hypothesen und Indizien bildeten die Grundlage für den Verdacht gegen Vera Brühne, der jedoch von Anfang an von Unklarheiten und Widersprüchen geprägt war. Die Ermittlungen und der Prozess gegen Brühne und Ferbach wurden zu einem der umstrittensten Fälle in der deutschen Justizgeschichte.

Die Umstände um den 14. April 1960 verdichteten den Verdacht gegen Vera Brühne weiter, da sie für diesen Tag kein stichfestes Alibi vorweisen konnte. In einem Versuch, sich ein Alibi zu verschaffen, bat Brühne ihren Zahnarzt, zu behaupten, sie hätte an jenem Tag einen Termin bei ihm gehabt und ihre Brille dort vergessen. Er sollte zudem aussagen, dass er ihr die Brille zu der fraglichen Zeit gebracht hatte. Der Zahnarzt kam ihrer Bitte zunächst nach, gab jedoch später zu, dass er die Wahrheit verschwiegen hatte. Er rechtfertigte sein Handeln damit, dass er angenommen hatte, es ginge lediglich um ein Verkehrsdelikt.

Brühne versuchte offenbar auch, die Putzfrau ihrer Mutter in ihre Alibikonstruktion einzubeziehen. Sie sollte bestätigen, dass Brühne bereits in der Nacht vom 14. auf den 15. April um 2 Uhr in Bonn gewesen sei.

Die schwerwiegendsten Anschuldigungen gegen Brühne kamen jedoch aus ihrer eigenen Familie. Ihre Tochter, Sylvia Cossy, behauptete zunächst in einem Gespräch mit einem Journalisten und später auch gegenüber einem Kriminalbeamten, einem Ermittlungsrichter sowie einem weiteren Reporter, dass ihre Mutter ihr den Mord an Praun gestanden habe. Laut Sylvia sei Brühne in einem schwarzen Hut und dunklem Schleier zusammen mit Ferbach zu Prauns Haus gefahren. Während Brühne angeblich zurück zum Auto ging, um etwas zu holen, sei Ferbach ins Haus eingelassen worden und habe dort Kloo und anschließend Praun erschossen.

Obwohl Sylvia Cossy diese Aussage vor Gericht widerrief, blieben Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihres Widerrufs bestehen. Die dramatischen und detaillierten Schilderungen hatten bereits tiefe Spuren in der öffentlichen Wahrnehmung des Falles hinterlassen.

Die Konstruktion von Alibis, die widersprüchlichen Aussagen von Brühnes Tochter und das Fehlen eines glaubhaften Alibis für den Tattag führten zu einer Atmosphäre des Misstrauens und der Spekulation. Dies bildete den Hintergrund für einen der kontroversesten und rätselhaftesten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegszeit.

Die juristische Saga um Vera Brühne und Johann Ferbach wurde durch eine belastende Aussage eines Mithäftlings Ferbachs in der Justizvollzugsanstalt weiter kompliziert. Dieser Mithäftling behauptete, Ferbach habe ihm während einer Schachpartie den Doppelmord gestanden und den Tathergang detailliert geschildert. Laut dieser Aussage soll Brühne Ferbach das Versprechen gegeben haben, als Gegenleistung für den Mord mit ihm nach Spanien zu ziehen.

Diese Aussage fügte sich in das Bild, das die Medien bereits von Brühne entworfen hatten. Längst vor dem Gerichtsurteil wurde sie in der Presse als „Lebedame“ dargestellt, die angeblich nur auf das Vermögen von Praun aus war. Diese öffentliche Vorverurteilung prägte maßgeblich die Wahrnehmung des Falles in der Gesellschaft.

Das Gericht folgte letztendlich dieser Interpretation der Ereignisse. Am 4. Juni 1962 wurden Brühne und Ferbach wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Während Vera Brühne 1979 begnadigt und aus der Haft entlassen wurde, verstarb Johann Ferbach 1970 in der JVA Straubing an Herzversagen. Brühne, die bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 die Tat stets bestritt, lebte nach ihrer Entlassung unter dem Namen Maria Adam wieder in ihrer Eigentumswohnung in München. Durch das Urteil wurde sie jedoch für erbunwürdig erklärt, wodurch Günther Praun automatisch das Erbe der Finca in Spanien antrat.

Sowohl Brühne als auch Ferbach versuchten während ihrer Haftzeit durch mehrere Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens, ihre Unschuld zu beweisen. Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos; alle Anträge wurden abgelehnt. Auch eine Revision gegen das Urteil wurde ausgeschlossen, was weitere rechtliche Schritte verhinderte.

Die Tragödie um Vera Brühne und Johann Ferbach bleibt ein umstrittener und dunkler Fleck in der Geschichte der deutschen Strafjustiz, geprägt von medialer Vorverurteilung, zweifelhaften Zeugenaussagen und einem Urteil, das bis heute Fragen aufwirft.

Zweifel an der Verurteilung

Die Verurteilung von Vera Brühne und Johann Ferbach warf zahlreiche Fragen auf, die bis heute für Zweifel und Spekulationen sorgen. Ein wesentliches Problem war die mangelhafte Beweisaufnahme am Tatort. Bemerkenswert ist hier insbesondere das Vorgehen des Kriminalobermeisters Rodatus, der den Hund von Otto Praun erschoss, und zwar mit der Waffe, die am Tatort gefunden wurde und mit der Praun und Elfriede Kloo erschossen worden sein sollen. Diese Waffe wurde nicht einmal auf Fingerabdrücke untersucht, was eine grundlegende Nachlässigkeit in der Spurensicherung offenbart.

Ein weiterer kritischer Punkt war die Aussage von Sylvia Cossy, der Tochter von Vera Brühne. Ihre belastende Aussage, die sie später widerrief, wurde unter fragwürdigen Umständen getätigt. Sylvia Cossy gab an, sie habe unter enormem Druck von Journalisten und Polizisten gestanden und konnte schließlich Phantasie und Realität nicht mehr auseinanderhalten. Der Umstand, dass der Journalist, dem sie das angebliche Geständnis ihrer Mutter anvertraut hatte, ihr Freund war, führte zu weiteren Spekulationen. Es besteht die Möglichkeit, dass sie die Geschichte erfunden haben könnte, um ihrem Freund zu einer aufsehenerregenden Story zu verhelfen, besonders da sie vermutlich davon ausging, dass ihre Mutter ohnehin verurteilt werden würde.

Diese Faktoren, zusammen mit dem Fehlen von stichhaltigen Beweisen am Tatort und den widersprüchlichen Aussagen, führten dazu, dass viele Beobachter des Falls die Gerechtigkeit des Urteils in Frage stellten. Die Verfahrensfehler und die fragwürdigen Umstände, unter denen die Beweise gesammelt und präsentiert wurden, werfen bis heute Schatten auf diesen Fall und lassen Raum für alternative Theorien und Interpretationen.

Insgesamt bleibt der Fall Vera Brühne ein Paradebeispiel für justizielle Fehlentscheidungen, bei denen Vorurteile, schlechte Ermittlungsarbeit und die öffentliche Meinung möglicherweise zu einem ungerechten Urteil geführt haben.

Vera Brühnes Aussagen in Bezug auf die Schreibmaschine, die in dem Mordfall eine Rolle spielte, ergänzten das Bild des Falles mit weiteren Nuancen. In einem späteren Interview räumte sie ein, dass es durchaus möglich sei, dass der Brief an Elfriede Kloo auf ihrer Schreibmaschine verfasst wurde. Sie erklärte, dass Otto Prauns Post oft an ihre Adresse geliefert wurde und Praun gelegentlich seine Korrespondenz bei ihr erledigte, einschließlich des Verfassens von Briefen auf ihrer Schreibmaschine.

SchreibmaschineEin weiterer entscheidender Aspekt, der Jahre nach dem Verbrechen hervorgehoben wurde, war die Leichenstarre. Eine nachträgliche Untersuchung ergab, dass der Todeszeitpunkt, der zunächst auf den 14. April 1960 festgelegt wurde, tatsächlich später gewesen sein musste. Zu diesem späteren Zeitpunkt befand sich Brühne nachweislich in Bonn bei ihrer Mutter, was ihre Anwesenheit am Tatort ausschließt.

Die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen, die ursprünglich gegen Brühne und Ferbach sprachen, wurde ebenfalls infrage gestellt. Einige der Zeugen, die belastende Aussagen machten, zogen diese später zurück oder hatten zumindest die Absicht, dies zu tun. Mysteriöserweise verstarben mehrere dieser Zeugen unter ungewöhnlichen Umständen, darunter durch Gift, Verkehrsunfälle oder andere merkwürdige Ereignisse.

Der Mithäftling Ferbachs, der behauptete, Ferbach habe ihm den Mord gestanden, war selbst eine umstrittene Figur. Berichte deuten darauf hin, dass er sowohl als Polizeispitzel tätig war als auch als notorischer Lügner bekannt stand.

Die Beweislage gegen Brühne bestand somit vornehmlich aus fragwürdigen Zeugenaussagen, einem mutmaßlichen Motiv und ihren Versuchen, sich Alibis zu erkaufen. Während die Alibi-Manöver durchaus verdächtig wirken mögen, könnten sie auch als verzweifelter Versuch interpretiert werden, sich vor dem Hintergrund ihres Rufes und der öffentlichen Vorverurteilung zu schützen. Brühnes Handlungen könnten demnach auch als Reaktion auf die erdrückende Beweislast und den Druck der Umstände gesehen werden, unter denen sie zu Unrecht verurteilt zu werden drohte.

Praun und der Waffenhandel

Wenn Vera Brühne nicht die Täterin war, wer könnte dann hinter dem Mord an Otto Praun stecken? Eine mögliche Antwort findet sich in den Gerüchten über Prauns Verwicklung in den illegalen Waffenhandel, insbesondere in Verbindung mit der Korruptionsaffäre um den Schützenpanzer HS-30. Praun wurde verdächtigt, bei der Vermittlung des Auftrags für den Panzer eine Rolle gespielt zu haben, eine Affäre, die eng mit Werner Repenning, dem persönlichen Referenten von Franz-Josef Strauß, verbunden war.

Eine Schlüsselfigur in dieser alternativen Theorie ist der Geheimagent Roger Hentges. Er behauptete, dass Praun ihn am Abend des 14. April 1960, gegen 21 Uhr, angerufen habe. In diesem Gespräch soll Praun mehr Geld für Waffengeschäfte gefordert haben. Hentges informierte umgehend Werner Repenning über dieses Telefonat. Repenning und ein weiterer Bundeswehroffizier trafen sich dann mit Hentges und fuhren gemeinsam nach München. Nach ihrer Rückkehr in den frühen Morgenstunden des 15. Aprils deuteten sie gegenüber Hentges an, dass es mit Praun zu Schwierigkeiten gekommen sei.

Dieser Bericht wird durch die Aussage von Hentges‘ Ehefrau gestützt. Sie bestätigte, dass ihr Mann sie am Abend des 14. Aprils gebeten hatte, Bargeld zu beschaffen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Auseinandersetzung um Waffengeschäfte und finanzielle Forderungen in irgendeiner Weise mit dem Mord an Praun zusammenhängen könnte.

Die Verbindung zwischen Praun und der Korruptionsaffäre im Zusammenhang mit dem Schützenpanzer HS-30, zusammen mit den Aussagen von Roger Hentges und seiner Frau, werfen ein neues Licht auf den Fall. Sie legen nahe, dass Prauns Tod möglicherweise mit seinen Aktivitäten im Waffenhandel und den damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Interessen in Verbindung stehen könnte. Dies deutet auf eine viel komplexere und möglicherweise gefährlichere Hintergrundgeschichte hin, die weit über die individuellen Beziehungen zwischen Praun, Brühne und Ferbach hinausgeht.

Die Verwicklung Werner Repennings in den Mordfall Otto Praun bleibt rätselhaft, insbesondere da er zum Zeitpunkt der Enthüllungen bereits verstorben war und somit keine eigenen Aussagen mehr machen konnte. Seine Witwe wies die Behauptungen von Roger Hentges, die eine Beteiligung ihres Mannes an Prauns Tod nahelegten, zurück. Sie behauptete, dass Repenning am Abend des 14. April 1960 seine Schwiegermutter in Rhöndorf besucht habe. Diese Aussage unterstrich sie allerdings nicht mit einer eidesstattlichen Erklärung, was Fragen nach ihrer Glaubwürdigkeit aufwirft.

Ein weiteres mysteriöses Element in diesem komplexen Fall war der plötzliche Tod von Hans Brandes. Brandes, der gegenüber Journalisten über ein brisantes Schriftstück berichtet hatte, das er beim Bundesnachrichtendienst (BND) entdeckt hatte, kam unter verdächtigen Umständen ums Leben. Das Dokument, das er erwähnte, trug den Briefkopf des Bundesverteidigungsministeriums und befasste sich mit einer Reise am 14. April 1960 nach Pöcking, die er zusammen mit Hentges unternommen haben soll. Sein plötzlicher Tod durch Vergiftung in seinem Fahrzeug wirft weitere Fragen auf und deutet auf mögliche Vertuschungsversuche im Zusammenhang mit dem Fall Praun hin.

Diese Umstände verstärken die Spekulationen, dass der Mord an Otto Praun Teil eines größeren, undurchsichtigen Netzwerks von politischen Intrigen und Geheimdienstaktivitäten gewesen sein könnte. Repennings angeblicher Besuch in Rhöndorf, das ominöse Schriftstück und Brandes‘ mysteriöser Tod zeichnen das Bild einer Verschwörung, die weit über die persönlichen Beziehungen zwischen Praun, Brühne und Ferbach hinausreicht und auf höhere politische Ebenen verweist.

Das Rätsel um Vera Brühne: Ein ungelöster Kriminalfall?

Der Fall Vera Brühne und Otto Praun bleibt auch Jahre nach dem Urteil ein Mysterium, das Fragen aufwirft und zu Diskussionen anregt. Die Verurteilung von Vera Brühne und Johann Ferbach basierte auf fragwürdigen Zeugenaussagen und Indizien, die im Laufe der Jahre Zweifel an ihrer Schuld aufkommen ließen. Gleichzeitig deuten die Verbindungen von Praun zum illegalen Waffenhandel und die rätselhaften Todesfälle von Schlüsselzeugen auf eine viel komplexere Geschichte hin, die möglicherweise politische Verstrickungen und dunkle Geheimnisse birgt.

Die unzureichenden Ermittlungen am Tatort, die undurchsichtige Rolle von Werner Repenning und die mysteriösen Todesfälle verleihen diesem Fall eine Dimension, die weit über einen gewöhnlichen Mord hinausgeht. Die vielen Ungereimtheiten und offenen Fragen hinterlassen ein Gefühl der Unsicherheit darüber, was in jener schicksalhaften Nacht wirklich geschah und wer die wahren Täter waren.

Was glaubt ihr, liegt hinter diesem mysteriösen Fall? Gibt es Aspekte des Falles Vera Brühne, die eurer Meinung nach noch genauer untersucht werden sollten? Teilt eure Gedanken und Theorien mit uns in den Kommentaren und lasst uns gemeinsam versuchen, Licht in eines der rätselhaftesten Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte zu bringen.

Quellen

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  • https://podcasts.apple.com/de/podcast/vera-br%C3%BChne-m%C3%B6rderin-oder-justizopfer-2-2/id1502522090?i=1000557924240
  • https://play.acast.com/s/horspielpoolbayern2/michael-farin-nr-989-aichach-vera-bruhne-mitschnitte-teil-i-vera
  • https://www.ardaudiothek.de/episode/hoerspiel-pool/vernehmungen-im-fall-vera-bruehne-tonbandprotokolle-18-21-johann-ferbach/bayern-2/78746420/
  • https://chartable.com/podcasts/der-gerichtsreporter/episodes/113008423-vera-bruehne-moerderin-oder-justizopfer-22

Jessica

Jeden Tag werden in Deutschland und der Welt Menschen schreckliche Dinge angetan. Meist denkt man, solche Dinge passieren "nur den anderen", dabei passiert es oft genau nebenan.

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