Samstag, 13 August 2022

Vera Brühne – Eiskalte Mörderin oder Justizofper?

Vera Brühne und der Münchener Gynäkologe Otto Praun lernten sich im Jahr 1954 kennen. Praun wurde dann im April 1960 tot in seinem Haus aufgefunden. Alles deutete zunächst auf Selbstmord hin. Nachdem sich herausstellte, dass Vera Brühne in seinem Testament bedacht wurde, entwickelte sich alles in eine ganz andere Richtung, die mit einer zweifelhaften lebenslänglichen Freiheitsstrafe für Vera Brühne und Johann Ferbach endete…

 

Die Person Otto Praun

 

Otto Praun wurde am 28. April 1894 geboren. Seit dem Zweiten Weltkrieg gehörte seine Familie der Führung westdeutscher Geheimdienste an. Sein Vater war während der nationalsozialistischen Herrschaft ein General der Nachrichtentruppe. Otto Praun selbst wurde 1928 Mitarbeiter der Abwehr des Geheimdienstes. Er war Vertrauensarzt der Allianz und Mitglied der NSDAP. In der Zeit zwischen 1937 und 1944 stellte er aber auch Menschen Atteste aus, um sie vor dem Zugriff der NS-Diktatur zu schützen.

Otto PraunAuch ermittelte die Gestapo aufgrund eines Verstoßes gegen die Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen. 1944 wurde sogar ein Parteiordnungsverfahren gegen ihn angeregt. Grund dafür war sein wiederholtes Nicht-Tragen des Parteiabzeichens.

Erst im Jahr 2001 fanden Journalisten Hinweise darauf, dass er der Spionage von Hitler’s Wehrmacht als Offizier oder V-Mann gedient haben könnte. Auch soll er für den Bundesnachrichtendienst tätig und in Waffenschiebereien verwickelt gewesen sein.

Von diesen politischen Tätigkeit abgesehen arbeitete er als Gynäkologe mit eigener Praxis in München. Er lebte mit seiner Lebensgefährtin Elfriede Kloo in einer Villa in Pöcking am Starnberger See und besaß noch einen Landsitz in Spanien, in der Nähe von Lloret del Mar. Für dieses Grundstück hatte Otto Praun eine Verwalterin – Katja Hintze.

Eines abends im Jahr 1954 lernte er dann Vera Brühne kennen. Sie verstanden sich sehr gut, so dass er sie als Chauffeuse einstellte. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend sollte sie ihm diesbzgl. zur Verfügung stehen. Für diese Tätigkeit stellte er ihr einen gebrauchten VW Käfer zur Verfügung und zahlte ihr monatlich 200 DM. In mehreren Berichten heißt es auch, dass Vera Brühne seine Geliebte war. In einem Interview aus dem Jahr 2000 hat sie dies aber entschieden bestritten.

1958 wurde Katja Hintze von Otto Praun entlassen. Zur neuen Verwalterin des spanischen Grundstücks wurde Vera Brühne eingesetzt. Am 23. Mai 1959 änderte er sein Testament. So wurde nun Vera Brühne mit einem lebenslangen Wohnrecht auf dem Landsitz in Spanien eingetragen. Dieses Wohnrecht war zuvor Katja Hintze zugefallen, diese wurde aber nun aus seinem Testament gestrichen.

Wenn Otto Praun in der Öffentlichkeit unterwegs war, soll er meist eine Waffe bei sich getragen haben. An dieser Stelle darf man sich bereits zurecht die Frage stellen, wie sich ein Gynäkologe damals eine Villa am Starnberger See und dazu noch eine Finca in Spanien leisten konnte. Außerdem ist hier auch die Frage berechtigt, was Praun solche Angst machte, dass er stets eine Waffe bei sich trug…

 

Die Person Vera Brühne

 

Vera BrühneVera Brühne ist am 6. Februar 1910 geboren. Sie wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen in Essen auf und besuchte eine Haushaltsschule. Vera Brühne ließ Essen jedoch hinter sich und zog nach München. Sie heiratete Hans Cossy und bekam mit ihm Tochter Sylvia. Diese Ehe war jedoch nicht für ewig, so dass eine Scheidung folgte. Später heiratete sie erneut – Lothar Brühne. Auch hier war es aber nicht die Liebe fürs Leben und so wurde auch diese Ehe geschieden.

Sie war sehr stilbewusst und legte Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Dies in der Kombination damit, dass sie alleinstehend war, führte zu den Behauptungen, dass sie als eine Art Escort gearbeitet habe.

Ich persönlich bezweifele jedoch, dass sie tatsächlich eine Escort-Dame war. Diese genannten Umstände und die damalige Zeit, da war es für die Menschen einfach nur unverständlich, dass eine Frau einfach so ihr Leben in voller Freiheit für sich genießt. Vermutlich hat sie schlicht und einfach ein unkonventionelles Leben geführt.

 

Die Person Johann Ferbach

 

Johann Ferbach Johann Ferbach wurde am 9. August 1913 in Köln geboren. Er war gelernter Büchsenmacher und wurde in 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Im Jahr 1943 desertierte er von der Ostfront und arbeitete anschließend unter falschem Namen – Hans Spieß – in Köln als Bauarbeiter.

Seine Verbindung zu Vera Brühne hatte den Ursprung darin, dass er den Bau für eine Behelfsschutzanlage für Hans Cossy (Vera Brühne’s damaligen Ehemann) leitete. Das Haus der Familie Cossy wurde damals durch einen Luftangriff zerstört. In den Trümmern befanden sich noch Vera Brühne mit ihrer Tochter. Ferbach rettete sie aus den Trümmern und nahm sie anschließend vorübergehend bei sich auf. Auch der VW Käfer, den Vera Brühne von Otto Praun bekam, war von Ferbach organisiert.

Natürlich wurde Brühne auch mit Ferbach ein Verhältnis nachgesagt.

 

Der Tod von Otto Praun

 

In der Zeit vom 15. April 1960 bis zum 18. April 1960 verrichtete ein Arbeiter Arbeiten im Garten von Otto Praun in München. Er wundert sich, dass er weder von ihm selbst noch von seinem Hund in diesen Tag etwas sieht und hört. Und dies obwohl sein Auto vor dem Haus steht. Trotz seiner Verwunderung schenkt er dieser Tatsache aber keine weitere Beachtung.

Am 18. April 1960 ist Praun am Abend mit einem befreunden Ehepaar bei sich zu Hause verabredet. Wie verabredet erscheinen sie auch bei ihm. Wieder steht sein Auto vor dem Haus. Sie klingeln und warten. Geöffnet wird ihnen nicht, so dass sie wieder nach Hause fahren. Sie sind zwar etwas verärgert, nehmen es aber einfach so hin.

Nun sind die Ostertage wieder vorbei. Es ist der 19. April 1960 und Praun wird in seiner Praxis erwartet. Auch dort taucht er nicht auf. Seine Sprechstundenhilfe ruft mehrfach an diesem Tag bei ihm zu Hause an. Auch sie erreicht ihn nicht. Sie nimmt es aber nicht einfach hin. Am Abend gegen 22 Uhr fährt sie daher mit ihrem Mitbewohner zu Praun’s Villa. Wieder wird die Haustür nicht geöffnet. Der Mitbewohner geht um das Haus und stellt fest, dass die Terrassentür offen ist, durch die er dann das Haus betritt.

In der Diele stellen die beiden fest, dass dort Otto Praun auf dem Boden liegt. Tot. Erschossen. In seiner Hand hält er die Pistole. Sie haben selbstverständlich sofort die Polizei verständigt, die wenig später die Villa erreicht. Die Polizisten stellten fest, dass ca. 4 m entfernt auf einer Couch ein Blutfleck sowie ein Projektil liegen. Außerdem entdecken sie noch eine zweite Leiche – die Lebensgefährtin von Praun – Elfriede Kloo. Auch sie wurde erschossen, mit einem Genickschuss aus nächster Nähe.

Für die Polizei ist sofort klar; Praun hat zunächst Elfriede Kloo erschossen und anschließend sich selbst. Als Todesursache wird also ein erweiterter Suizid festgestellt. Eine Spurensicherung oder eine Obduktion der Leichen erfolgt nicht. Der Todeszeitpunkt wird auf den 15. April 1960 festgelegt.

Spanische Flagge In einem Abstellraum der Villa entdeckte der Kriminalobermeister Rodatus noch Praun’s Hund. Um sich die Zeit zu sparen, den Hund in ein Tierheim zu bringen, zieht Rodatus es vor, das arme Tier einfach zu erschießen.

Praun hinterließ abgesehen von seiner Münchener Villa und der spanischen Finca ein Vermögen von 1,6 Millionen DM. Dies entspricht heute ca. 3,9 Millionen Euro. Die Testamentseröffnung findet am 2. August 1960 statt. Mit der Testamentseröffnung wird dann auch bekannt, dass Vera Brühne mit dem lebenslangen Wohnrecht in Spanien bedacht wurde. Nun wird sein Sohn, Günther Praun, misstrauisch. Er lässt über seinen Rechtsanwalt Strafanzeige wegen zweifachen Mordes gegen Unbekannt erstatten. Außerdem beantragt er die Exhumierung und Sektion der Leiche seines Vaters. Am 27. Oktober 1960 wird diesem Antrag stattgegeben.

Bei der Obduktion stellte sich dann heraus, dass Praun mit zwei Kopfschüssen ermordet wurde. Ein Suizid konnte nun also ausgeschlossen werden. Für mich ist es hier sehr unverständlich, warum nicht direkt bemerkt wurde, dass er zwei Kopfschüsse hatte. Das musste den Polizisten vor Ort doch aufgefallen sein. Genauso wie sie, meiner Meinung nach, hätten misstrauisch werden müssen, als sie bemerkten, dass auf der Couch ein Blutfleck war. Hätte Praun sich selbst umgebracht, wäre es doch ganz schön unwahrscheinlich gewesen, dass er noch umherläuft. Insgesamt lief die Polizeiarbeit am Tatort also sehr nachlässig ab.

 

Der Verdacht gegen Vera Brühne

 

Da Brühne so großzügig im Testament bedacht wurde, geriet sie schnell ins Visier der Ermittler. Man unterstellte ihr, dass sie Johann Ferbach überredet hat, Praun für sie zu erschießen. Brühne hielt sich damals öfter in Bonn bei ihrer kranken Mutter auf. Am 14. April 1960 war sie jedoch in München, am 15. April fuhr sie zurück nach Bonn. Hier beginnen nun auch schon die Merkwürdigkeiten, denn Praun’s Tod wurde ja ursprünglich auf den 15. April festgelegt. Da eine Nachbarin, die ca. 350 m entfernt wohnte, aber aussagte, sie habe am Abend des 14. April gegen 19.45 Uhr zwei Schüsse gehört, wurde der Todeszeitpunkt vorverlegt.

Als Motiv für die Tat unterstellte man Brühne, dass sie sich das Erbe des Landsitzes sichern wollte. Praun wollte sein spanisches Grundstück vor seinem Tod verkaufen. Durch den Mord soll Brühne also versucht haben, diesen Verkauf zu verhindern.

Im Frühjahr 1962 begann dann der Prozess gegen Brühne und Ferbach. Zu dieser Zeit saßen beide bereits in Untersuchungshaft.

Außerdem reichte Günther Praun noch zwei entscheidende Beweismittel ein. Zum einen die Armbanduhr von Otto Praun, die am 14. April 1960 um 20.45 Uhr stehengeblieben ist. Und zum anderen einen auf blauem Papier mit Schreibmaschine geschriebenen Brief von Otto Praun an Elfriede Kloo. Eine polizeiliche Sichtung dieser Beweismittel gab es aber nicht.

In diesem Brief soll es um die Ankündigung eines Besuches von einem möglichen Käufer des Landsitzes gegangen sein. Man fand heraus, dass Brühne zuweilen einen Untermieter hatte, der eine Schreibmaschine besaß. Als er diese nicht mehr benötigte behielt Brühne dieses Gerät. Eine Prüfung ergab dann, dass der gefundene Brief auch tatsächlich auf Brühne’s Schreibmaschine geschrieben wurde. Man ging also davon aus, dass Brühne diesen Brief von Praun an Kloo gefälscht hatte. Es wurde ihr so ausgelegt, dass sie in Praun’s Namen einen möglichen Käufer ankündigte. Dieser „Käufer“ sollte dann aber schlicht Johann Ferbach sein, der sich somit Zutritt ins Haus verschafft habe, um den Mord begehen zu können.

Bestechung Darüber hinaus hatte Brühne für den 14. April kein Alibi. Sie soll sogar versucht haben, sich ein Alibi zu erkaufen. So hat Vera Brühne ihren Zahnarzt darum gebeten auszusagen, dass sie einen Termin bei ihm hatte und ihre Brille dort vergessen habe. Er sollte weiterhin aussagen, dass er ihr die Brille zu der fraglichen Zeit gebracht hatte. Ihr Zahnarzt tat ihr auch diesen Gefallen. Später gestand er aber die Wahrheit. Er sagte, er dachte, es ginge lediglich um einen Verkehrsdelikt, so dass er sich bei dieser Lüge keine allzu großen Gedanken gemacht hat.

Nicht nur ihr Zahnarzt sollte für sie lügen. Auch die Putzfrau ihrer Mutter sollte aussagen, dass sie in der Nacht vom 14. April auf den 15. April bereits gegen 2 Uhr zurück in Bonn gewesen wäre.

Es war aber Vera Brühne’s eigene Tochter, die sie am meisten belastete. Sylvia Cossy sagte zunächst einem Journalisten gegenüber, dass ihre Mutter ihr den Mord an Praun gestanden hat. Brühne sei mit schwarzem Hut und dunklem Schleier zusammen mit Ferbach zu Praun’s Haus gefahren. Sie hätten zusammen angeklopft, Brühne aber hätte noch etwas im Auto vergessen und sei noch einmal zurückgegangen. Währenddessen sei Ferbach ins Haus gelassen wurden. Dort erschoss er dann Elfriede Kloo und anschließend Otto Praun. Ferbach sei direkt danach zurück zum Auto gegangen und beide wären zurückgefahren.

Diese Aussage wurde von Sylvia Cossy später auch noch gegenüber einem Kriminalbeamten, einem Ermittlungsrichter sowie einem weiteren Reporter wiederholt. Zwar widerrief sie die Aussage als sie im Prozess vor Gericht aussagte, geglaubt hat man ihr diesen Widerruf dann aber nicht mehr.

Eine weitere für Brühne und Ferbach sehr nachteilige Aussage erfolgte durch einen von Ferbach’s Mithäftlingen. Dieser sagte aus, dass er in der JVA mit Ferbach Schach gespielt habe. Währenddessen habe Ferbach ihm den Doppelmord gestanden und den Tathergang detailliert beschrieben. Brühne habe Ferbach versprochen, dafür mit ihm nach Spanien zu ziehen.

In den Medien wurde Brühne bereits lange vor dem Urteil vorverurteilt. Für die Medien war schnell klar, dass Vera Brühne eine „Lebedame“ sei, die es nur auf Praun’s Vermögen abgesehen hatte.

Ähnlich urteilte schließlich auch das Gericht. Am 4. Juni 1962 wurden Brühne und Ferbach zu lebenslanger Haft wegen Doppelmord verurteilt. Während Vera Brühne im Jahr 1979 begnadigt und entlassen wurde, starb Johann Ferbach am 12. Juni 1970 in der JVA Straubing an Herzversagen. Brühne bestritt die Tat bis zu ihrem Tod im Jahr 2001. Nach ihrer Entlassung aus der Haft lebte sie wieder in ihrer alten Eigentumswohnung in München. Dies aber unter dem Namen Maria Adam. Mit dem Urteil verbunden war eine Erbunwürdigkeitserklärung, so dass Günther Praun direkt Erbe der Finca in Spanien wurde.

Brühne stellte in der Zeit ihrer Haft zwei und Ferbach sogar drei Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens. Sie alle wurden jedoch abgelehnt. Auch eine Revision gegen das Urteil wurde darin direkt ausgeschlossen.

 

Zweifel an der Verurteilung

 

Auch wenn für die Justiz ganz klar war, dass nur Brühne die Verantwortliche sein konnte, gab es dennoch einige Zweifel und auch andere Theorien.

Zunächst ist da natürlich die Tatsache, dass am Tatort überhaupt keine Beweisaufnahme stattfand. Und sogar noch schlimmer: Wie schon erwähnt, erschoss Kriminalobermeister Rodatus Praun’s Hund. Er tat dies mit der Waffe, die in Praun’s Hand lag und mit der er sowie Elfriede Kloo erschossen wurden. Man machte sie also nicht einmal die Mühe, wenigstens die Waffe nach Fingerabdrücken zu untersuchen.

Und auch Sylvia Cossy’s beschuldigende Aussage war doch eher zweifelhaft. Sie widerrief die Aussage mit der Begründung, dass sie die Belastung damals schlicht nicht mehr ertrug. Sie wurde ständig von Journalisten und Polizisten befragt und konnte irgendwann Phantasie und Realität nicht mehr auseinander halten. Hinzu kam außerdem, dass der Journalist, dem sie als erstes von dem angeblichen Geständnis erzählte, ihr Freund war. Sie soll ganz schön verliebt in diesen Mann gewesen sein. Durch Polizei etc. wurde ihr vermutlich auch eingeredet, dass ihre Mutter ohnehin verurteilt werden wird. Gut möglich also, dass sie mit diesem erfundenen Geständnis dann lediglich ihrem Freund zu einer steilen Karriere verhelfen wollte.

Schreibmaschine Hinsichtlich der Schreibmaschine erklärte Vera Brühne später in einem Interview, dass es gut möglich ist, dass der Brief tatsächlich bei ihr verfasst wurde. Praun’s Post ging an ihre Adresse. Gelegentlich, wenn er seine Post bei ihr abholte und etwas dringendes dabei war, antwortete er dann bei ihr auf diese Briefe. Auf ihrer Schreibmaschine.

So ziemlich das einzige, was am Tatort ausführlich dokumentiert wurde, war die Leichenstarre. So konnte Jahre später herausgefunden werden, dass anhand der Leichenstarre ausgeschlossen werden kann, dass der 14. April 1960 der Todeszeitpunkt war. Dieser muss später gewesen sein, zu einem Zeitpunkt, als Brühne definitiv bereits wieder in Bonn bei ihrer Mutter war.

Außerdem gab es Zeugen, die ursprünglich belastende Aussagen getätigt hatten. Manche von ihnen zogen diese wieder zurück oder hatten dies zumindest vor. Mehrere solcher Zeugen starben daraufhin plötzlich durch Gift, bei Verkehrsunfälle oder auf andere merkwürdige Arten.

Und auch der Mithäftling von Ferbach ist ein sehr fragwürdiger Zeuge. So soll dieser zum einen ein Polizeispitzel und zum anderen auch ein bekannter Lügner gewesen sein.

Alles, was hier also tatsächlich konkret gegen Brühne spricht, sind fragwürdige Zeugenaussagen, ein Motiv sowie die Versuche, sich Alibis zu erkaufen. Die Sache mit den Alibis mag auch tatsächlich verdächtigt klingen. Andererseits aber kann ich es auch irgendwo nachvollziehen. Sie hatte einen gewissen Ruf und hat vermutlich einfach versucht, dadurch ihre Unschuld beweisen zu können.

 

Praun und der Waffenhandel

 

Wenn nicht Brühne, wer dann? Diese Frage lässt sich klären, wenn man einen Blick auf die Behauptung wirft, dass Praun Verbindung zum illegalen Waffenhandel hatte.

Praun wurde mit der großen Korruptionsaffäre um die Beschaffung des Schützenpanzers HS-30 in Verbindung gebracht. So soll er hier den Auftrag für den Panzer vermittelt haben. Hauptperson dieser Affäre war Werner Repenning, der persönliche Referent von Franz-Josef Strauß.

Der Geheimagent Roger Hentges erzählte im Jahr 1967 gegenüber der Staatsanwaltschaft, dass Praun ihn am 14. April 1960 gegen 21 Uhr angerufen hat. Praun soll in diesem Telefonat mehr Geld für Waffengeschäfte verlangt haben. Hentges hat dies sofort im Anschluss telefonisch an Repenning weitergegeben. Der ist dann zusammen mit einem anderen Bundeswehroffizier zu Hentges gekommen und zu dritt sind sie dann nach München gefahren. Gegen 0 Uhr kamen sie dort am Bahnhof an, wo Hentges auf die beiden anderen warten sollte. Sie fuhren dann weiter zu Praun. Gegen 2 Uhr waren sie zurück am Bahnhof und äußerten gegenüber Hentges, dass es mit Praun Schwierigkeiten gegeben habe.

Bestätigt wurde das Telefonat mit Praun von Hentges‘ Ehefrau. Sie bestätigte auch, dass sie am selben Abend von Hentges noch losgeschickt wurde, um Bargeld zu holen.

Repenning konnte sich zu diesen Vorwürfen nicht mehr äußern, da er bereits verstorben war. Seine Witwe allerdings bestritt Hentges‘ Aussage und begründete dies damit, dass Repenning am Abend des 14. April 1960 noch seine Schwiegermutter in Rhöndorf besucht habe. Unter Eid wollte sie diese Aussage aber nicht bestätigen.

Eine der bereits erwähnten Personen, die plötzlich verstorben waren, war Hans Brandes. Er erwähnte gegenüber Journalisten, dass er beim BND ein Schriftstück mit dem Briefkopf des Bundesverteidigungsministeriums gefunden hatte. Der Betreff dieses Schriftstücks lautete „Reise mit Hentges am 14. April 1960 nach Pöcking“. Brandes wurde dann später vergiftet in seinem Fahrzeug gefunden.

 

 

Leider werden wir niemals erfahren, was damals tatsächlich geschah. Ich persönlich halte die Theorie des Waffenhandels aber für wahrscheinlicher als die Schuld von Vera Brühne. Es sind schon ziemlich konkrete Aussagen, die da getroffen wurden. Und ich bezweifle auch, dass ein einfacher Münchener Gynäkologe sich eine Villa in München und eine Finca in Spanien leisten kann.

Auch die Tatsache, dass er in der Öffentlichkeit häufig eine Waffe bei sich trug, deutet sehr deutlich darauf hin, dass komische Dinge in seinem Leben los waren.

Was denkt ihr zu diesem Fall? War Vera Brühne die eiskalte Mörderin, als die sie dargestellt wurde? Lasst mich gerne eure Meinung in den Kommentaren wissen.

 

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