Ursula Herrmann: Suche nach Gerechtigkeit

by Jessica

Der 15. September 1981 begann für die 10-jährige Ursula Herrmann wie jeder andere Schultag. Sie nahm am Turnunterricht teil und verbrachte den Abend bei ihrem Onkel und ihrer Tante. Was als ein gewöhnlicher Tag im Leben der jungen Ursula Herrmann begann, endete jedoch in einem der rätselhaftesten und tragischsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte. Auf ihrem Heimweg an diesem Abend verschwand Ursula Herrmann spurlos – ein Moment, der nicht nur das Leben ihrer Familie, sondern auch das einer ganzen Gemeinschaft für immer verändern sollte.

Ursula Herrmann: Der Tag ihres Verschwindens

Am Nachmittag des 15. September 1981 nahm Ursula Herrmann, ein junges Mädchen aus Eching am Ammersee, einen Weg, der sich als schicksalhaft erweisen sollte. Mit ihrem Fahrrad fuhr sie zum Turnunterricht ins nahegelegene Dorf Schondorf. Nach dem Unterricht, der gegen 18.30 Uhr endete, besuchte sie noch ihren Onkel und ihre Tante im gleichen Dorf, um dort zu Abend zu essen. Um 19.15 Uhr, nach einem Anruf ihrer Mutter, brach Ursula Herrmann auf, um nach Hause zurückzukehren – eine Rückkehr, die nie stattfand.

Als Ursula Herrmann nicht wie erwartet zu Hause ankam, wuchsen bei ihren Eltern schnell Besorgnis und Angst. Ihr Vater machte sich sofort auf die Suche nach ihr, doch jede Spur fehlte. In ihrer wachsenden Verzweiflung riefen Ursula Herrmanns Eltern um 20.35 Uhr die Polizei, um ihre Tochter als vermisst zu melden.

Ursula Herrmann

Ursula Herrmann

Die Entführung von Ursula Herrmann: Was geschah wirklich?

Die Suche nach Ursula Herrmann intensivierte sich, als Polizei und Feuerwehr sich in die nächtliche Suchaktion einbrachten. Um 23.14 Uhr machte ein Polizeihund eine entscheidende Entdeckung: Ursulas Fahrrad wurde, verlassen und 24 Meter vom Gehweg entfernt, aufgefunden. Doch von Ursula Herrmann selbst fehlte jede Spur – selbst der Spürhund konnte keine weiteren Hinweise auf ihren Verbleib finden.

Die Umstände deuten darauf hin, dass Ursula Herrmann gegen 19.30 Uhr auf dem Seeweg, der für Fahrzeuge gesperrt war, von einer oder mehreren unbekannten Personen entführt wurde. Die Entführer müssen sie betäubt, von ihrem Fahrrad gerissen und in ein nahegelegenes Waldstück, bekannt als Weingarten, verschleppt haben.

Ursula Herrmann: Suche und Entdeckung der Kiste

In diesem Waldstück entdeckten die Ermittler später eine sorgfältig vergrabene Kiste der Größe 72 x 60 x 139 cm. Diese Kiste, die wie ein provisorisches Versteck wirkte, war ausgestattet mit einer Sitzbank, Beleuchtung, die durch eine alte Autobatterie betrieben wurde, Lebensmitteln, einem Toiletteneimer, einem Radio, Comics sowie Liebes- und Westernromanen. In diese finstere Kammer wurde Ursula Herrmann eingesperrt.

Das tragische Ende von Ursula Herrmann in diesem improvisierten Gefängnis war das Resultat eines fehlgeschlagenen Belüftungssystems. Die Rohre, die für den Luftaustausch konzipiert waren, wurden teilweise von Laub verstopft, wodurch die Luftzirkulation behindert wurde. Dies führte dazu, dass Ursula Herrmann, falls sie nach der Betäubung durch die Entführer wieder zu Bewusstsein gekommen war, innerhalb von 30 Minuten bis maximal fünf Stunden erstickte.

Der Erpresserbrief: Eine düstere Wendung

Die tragische Entführung von Ursula Herrmann nahm am 17. September 1981 eine noch düstere Wendung, als ihre Eltern sieben mysteriöse Anrufe erhielten. Während dieser Anrufe sagte niemand ein Wort, doch im Hintergrund war deutlich ein Verkehrsnachrichtenjingle des Radiosenders Bayern 3 zu hören. Am folgenden Tag, dem 18. September, wiederholte sich dieses beunruhigende Szenario noch vier weitere Male.

Doch das war nicht alles, was die Familie Herrmann an jenem Tag erreichte. Sie erhielten einen Brief – eine Lösegeldforderung, die das Leben von Ursula Herrmann gegen die gewaltige Summe von zwei Millionen Deutschen Mark aufwog. Der Brief war unkonventionell und bedrohlich: Er war aus Zeitungsschnipseln gebastelt und enthielt die klare Botschaft: ‘Wir haben ihre Tochter entführt. Wenn Sie Ihre Tochter jemals lebend wiedersehen wollen, zahlen Sie zwei Millionen Mark Lösegeld.’

Die Forderungen des Erpresserbriefes waren detailliert und spezifisch. Das Geld sollte in einem gelben Fiat 600 und in gebrauchten 100-DM-Scheinen übergeben werden. Die immense Summe von zwei Millionen DM war für Ursula Herrmanns Familie, bestehend aus einem Lehrer und einer Hausfrau, beinahe unerreichbar. Doch durch die Unterstützung von Freunden und Bekannten gelang es ihrem Vater, den geforderten Betrag zusammenzutragen.

Vor der geplanten Geldübergabe bestanden die Herrmanns jedoch auf ein Lebenszeichen ihrer Tochter. Während des letzten Anrufs der Entführer forderte Ursulas Mutter, dass Ursula den Namen ihres Teddys nennen solle. Doch nach dieser Forderung brach jeglicher Kontakt ab. Es gab weder weitere Anrufe noch sonstige Versuche der Entführer, sich zu melden. Man vermutet, dass die Entführer nach diesem letzten Anruf zur vergrabenen Kiste gingen und dort die tragische Wahrheit entdeckten: Ursula Herrmann war bereits verstorben.

Fund der Kiste

Fund der Kiste

Tragisches Ende: Fund der Leiche von Ursula Herrmann

Die verzweifelte Suche nach Ursula Herrmann erreichte am 4. Oktober 1981 einen tragischen Höhepunkt. In den Tagen zuvor durchkämmten Hundertschaften den Wald, auf der Suche nach irgendeinem Hinweis auf ihren Verbleib. Dann, nach tagelanger intensiver Suche, lenkten Verfärbungen am Waldboden die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich. Eine genauere Untersuchung dieses Bereichs führte zu einer schrecklichen Entdeckung: Unter der Erde verborgen lag eine Kiste, die die Leiche von Ursula Herrmann beherbergte.

In dieser Kiste befanden sich neben Ursula Herrmann verschiedene Gegenstände wie Schokolade, Kekse, ein Radio und Bücher – Dinge, die darauf ausgerichtet waren, das Leben in diesem beengten Versteck erträglicher zu machen. Doch von all diesen Dingen hatte Ursula nichts angerührt. Der Zustand der Kiste und ihr Inhalt zeichneten ein Bild der Verzweiflung und des Leidens, das die junge Ursula in ihren letzten Momenten ertragen musste.

Der Anblick von Ursula Herrmanns letztem Gefängnis und ihrer sterblichen Überreste war so erschütternd, dass selbst die erfahrensten Ermittler von tiefer Trauer ergriffen wurden. Viele von ihnen, gehärtet durch Jahre der Arbeit in der Kriminalpolizei, konnten die Tränen nicht zurückhalten. Der Fund der Leiche von Ursula Herrmann markierte das Ende einer verzweifelten Suche und den Beginn eines langwierigen und komplexen Falls, der bis heute Fragen aufwirft und für Gerechtigkeit und Aufklärung kämpft.

Die Ermittlungen im Fall Ursula Herrmann

Die Ermittlungen im Fall von Ursula Herrmann konzentrierten sich nicht auf einen Mord, sondern auf erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge. Es wurde festgestellt, dass Ursula Herrmann an hypotoxischem Ersticken starb, einem Zustand, der mit dem Bergsteigen in großen Höhen vergleichbar ist. Bei dieser Art des Erstickens tritt keine Atemnot auf, sondern man verliert das Bewusstsein. Auffällige Abwehrverletzungen wies Ursula Herrmann nicht auf.

Die Ermittler entdeckten, dass entlang des Seewegs, an dem Ursula Herrmann entführt wurde, ein Beobachtungsposten eingerichtet war. Dort fanden sie ein Fernglas, was darauf hindeutet, dass die Entführer gezielt auf Ursula gewartet haben könnten.

Trotz intensiver Suche, bei der das Weingartengebiet insgesamt 15 Mal mit Hundertschaften, Lawinenhunden und Hubschraubern durchkämmt wurde und Taucher den angrenzenden See absuchten, wurde die Kiste mit Ursula Herrmann erst am 4. Oktober 1981 entdeckt.

Ein weiterer Punkt in den Ermittlungen war ein Telegramm, das am 23. September 1981 in Landshut von einer Frau aufgegeben wurde. Der Inhalt des Telegramms lautete: ‘Weitersuchen. Raffinierter Plan ermöglicht ihr durchzuhalten’. Dies führte zunächst zur Suche nach einer weiblichen Täterin.

Nach dem Fund der Kiste mit Ursula Herrmann am Tatort kam es zu einem regen Menschenauflauf, einschließlich einiger Journalisten. Obwohl der Tatort abgesperrt wurde, gelang es den Journalisten, sich der Kiste zu nähern und Fotos zu machen. Dies sowie das unprofessionelle Ausgraben der Kiste durch die Feuerwehr führten dazu, dass viele Spuren vernichtet oder kontaminiert wurden. Nur an einem Klebestreifen an den Belüftungsrohren konnte ein Fingerabdruck gesichert werden, der jedoch keine Übereinstimmung in der Datenbank fand.

Ein weiterer Hinweis war ein grüner Klingeldraht, der in der Nähe der Kiste gefunden wurde. Die Polizei vermutet, dass dieser Draht zur Kommunikation zwischen den Entführern diente, wurde jedoch später entfernt.

Im Jahr 1982 verteilten die Ermittler etwa 100.000 Fahndungsplakate und sammelten Fingerabdrücke von den Bewohnern Echings. Im Juli 2002 konnten acht Haare in der Kiste gesichert werden, aus denen im Oktober 2005 eine DNA-Spur gewonnen wurde.

Bis 2008 verfolgten die Ermittler über 20.000 Fingerabdrücke, 15.000 Personen, 11.000 Fahrzeuge und mehr als 40.000 Spuren. Es gab auch die Vermutung, dass Ursula Herrmann mit einem anderen Mädchen verwechselt worden sein könnte, das ihr ähnlich sah und dessen Eltern wohlhabender waren. Auch diese Spur wurde untersucht, führte jedoch zu keinem Ergebnis.

Abtransport der Leiche

Abtransport der Leiche

Verdächtige im Fall Ursula Herrmann

Während der intensiven Ermittlungen im Fall Ursula Herrmann gerieten verschiedene Personen in den Fokus der Ermittler.

Mann aus Taiwan

Unter den Verdächtigen befand sich auch ein Mann, der ursprünglich aus Bayern stammte und 2006 in Taiwan wegen Drogenhandels verhaftet wurde. Dieser Mann hatte bereits im Jahr 1981 Aufmerksamkeit erregt, als Zeugen ihn verdächtigten. Zu dieser Zeit lebte er gemeinsam mit seinem Lebenspartner in Deutschland und war bereits wegen Betrug und Scheckbetrug straffällig geworden. Zudem befand er sich in einer finanziell prekären Situation.

Interessant im Kontext des Falles Ursula Herrmann ist, dass dieser Mann und sein Lebenspartner damals ein Projekt zur Vermarktung einer Lichttherapie verfolgten. Sie planten, eine Therapieform anzubieten, bei der Menschen mit einer speziellen UV-Frequenz behandelt werden sollten. Auf der Suche nach einem Geldgeber für dieses Vorhaben kamen sie möglicherweise mit dem Vater eines Mädchens in Kontakt, das Ursula Herrmann hätte verwechselt werden können. Bei einem Treffen im Haus des Vaters sah dieser Mann aus Taiwan auch die Tochter des potenziellen Geldgebers.

In seinem Freundeskreis soll der Mann im Sommer 1981 darüber diskutiert haben, Entführungen als Mittel zur Geldbeschaffung zu nutzen. Nach der Entführung von Ursula Herrmann brach er den Kontakt zu seinem Partner und dessen Freundeskreis ab.

Als er in den 2000er Jahren erneut unter Verdacht geriet, bestritt er jegliche Beteiligung an der Entführung und dem Tod von Ursula Herrmann. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich bereits in Taiwan im Gefängnis. Er gab freiwillig eine DNA-Probe ab, doch eine Übereinstimmung mit den am Tatort gefundenen Spuren konnte nicht festgestellt werden.

Der Fall Charlotte Böhringer

Im Jahr 2007, Jahre nach dem tragischen Tod von Ursula Herrmann, ergab sich eine unerwartete Wendung in den Ermittlungen. An einer Schraube aus der Kiste, in der Ursula Herrmann gefunden wurde, konnte ein weiterer Fingerabdruck gesichert werden. Diese Entdeckung führte zu einer überraschenden Verbindung mit einem anderen hochkarätigen Kriminalfall: dem Mord an Charlotte Böhringer, der sich 25 Jahre nach der Entführung von Ursula ereignete.

Im Mai 2007 wurde enthüllt, dass die DNA-Spur von der Schraube aus Ursula Herrmanns Kiste mit einer DNA-Spur aus dem Mordfall Charlotte Böhringer übereinstimmte. Derselbe Fingerabdruck wurde sowohl an einem Glas in einer Geschirrspülmaschine als auch an einem Kommodengriff in der Wohnung von Charlotte Böhringer gefunden.

Die Ermittler führten daraufhin einen Abgleich der DNA-Spur mit 30 Verdächtigen durch. Trotz der augenscheinlichen Übereinstimmung der DNA-Spuren ergab dieser Abgleich keinen Treffer. Das Landgericht München I kam zu dem Schluss, dass es trotz der übereinstimmenden DNA-Spuren keinen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt.

Diese Entdeckung und die darauffolgenden Ermittlungen werfen weitere Fragen auf und verleihen dem Fall Ursula Herrmann eine zusätzliche Schicht an Komplexität. Die Verbindung zu einem anderen schweren Verbrechen, das erst Jahrzehnte später stattfand, illustriert die fortwährenden Herausforderungen und die oft verworrenen Pfade, die Kriminalfälle nehmen können.

Ex-Polizist

In den langwierigen Ermittlungen zum Fall Ursula Herrmann rückte ein ehemaliger Polizist als Hauptverdächtiger in den Vordergrund. Mehrere Indizien schienen gegen ihn zu sprechen und weckten den Verdacht der Ermittler. Auffällig war, dass sein Auto am Tag von Ursula Herrmanns Entführung in der Nähe des Tatorts gesehen wurde, ein Umstand, der Fragen aufwarf.

Eine weitere beunruhigende Beobachtung machten die anderen Ermittler während einer Begehung im Weingartengebiet, wo Ursula Herrmanns Kiste gefunden wurde. Sie bemerkten, dass der ehemalige Polizist auffällig zitterte, stark schwitzte und sich insgesamt ungewöhnlich verhielt – Verhaltensweisen, die in diesem Kontext als verdächtig interpretiert wurden.

Zusätzlich zu seinem verdächtigen Verhalten gab es Berichte von Zeugen, die aussagten, der Ex-Polizist lebe über seine Verhältnisse. Diese Aussagen, gepaart mit der Tatsache, dass er für den Zeitpunkt von Ursula Herrmanns Entführung kein Alibi vorweisen konnte, verstärkten den Verdacht gegen ihn.

Trotz dieser Indizien und Verdachtsmomente wurde das Verfahren gegen den ehemaligen Polizisten im Jahr 1989 eingestellt. Die Gründe für diese Entscheidung bleiben unklar. Im Jahr 1995 verstarb der ehemalige Polizist, ohne dass der Fall Ursula Herrmann während seiner Lebenszeit gelöst wurde. Sein Tod hinterlässt somit unbeantwortete Fragen in einem der rätselhaftesten Kriminalfälle Deutschlands.

Die Kiste

Die Kiste

Klaus P.

In den Ermittlungen zum Fall Ursula Herrmann geriet Klaus P. ins Visier der Ermittler. Mehrere Zeugen berichteten, ihn vor der Tat auf einem Mofa mit einem Spaten gesehen zu haben. Besonders verdächtig erschien, dass einer der Zeugen Klaus P. nur etwa 140 Meter von der Stelle entfernt beobachtete, an der später die Kiste mit Ursula Herrmann gefunden wurde. Selbst am Abend ihrer Entführung wurde Klaus P. gegen 20.30 Uhr noch mit dem Spaten am Mofa gesehen, ohne dass er seine Fahrten plausibel erklären konnte.

Ein weiteres belastendes Indiz war ein verschmutztes Bettlaken, das um die Belüftungsrohre der Kiste gewickelt war. Ein solches Bettlaken fehlte in einer Halle, in der Klaus P.s Fahrzeug untergebracht war. Interessanterweise hatte auch Werner M., ein weiterer Verdächtiger, Zugang zu dieser Halle.

In einer Vernehmung machte Klaus P. eine Aussage, die zunächst wie ein Durchbruch wirkte: Er behauptete, das Loch für die Kiste im Auftrag von Werner M. gegraben zu haben, wofür ihm ein Farbfernseher und 1.000 DM versprochen worden seien. Diese Aussage widerrief er jedoch später.

Weitere Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit ergaben sich, als Klaus P. in einer Vernehmung vom 3. März 1982 eine Skizze des Tatorts anfertigen sollte. Er zeichnete die Kiste 600 Meter entfernt vom eigentlichen Fundort – ein Fehler, der auch in einer Pressemitteilung der Ermittler gemacht wurde. Seine weiteren Aussagen erwiesen sich ebenfalls als unzuverlässig oder falsch.

Klaus P., der als Alkoholiker und hoch verschuldet beschrieben wurde, war bereits vorher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen wurde durch seinen Zustand während der Vernehmungen und die unzureichende Protokollierung weiter in Frage gestellt. Der leitende Oberstaatsanwalt Franz Ammer hielt Klaus P.s Aussagen für unglaubwürdig und vermutete, dass das Geständnis nur abgelegt wurde, um in einer anderen Strafsache ein milderes Urteil zu erlangen.

Nach seinem Tod im Jahr 1992 wurde Klaus P.s Leiche exhumiert, um DNA-Abgleiche durchzuführen, doch auch hier ergab sich keine Übereinstimmung mit den am Tatort gefundenen Spuren. Die Rolle von Klaus P. im Fall Ursula Herrmann bleibt somit unklar, und die Wahrheit hinter seinen Aussagen und Handlungen ist bis heute nicht vollständig aufgedeckt.

Werner M.

Ein weiterer Verdächtiger im Fall Ursula Herrmann war Werner M., ein Fernsehtechniker, dessen Frau zeitweise bei der Familie Herrmann als Putzfrau gearbeitet hatte. Schon kurz nach dem tragischen Vorfall geriet Werner M. ins Visier der Ermittler.

Zu seiner Verteidigung gab Werner M. an, zur Tatzeit in seiner Werkstatt in Utting gewesen zu sein. Zwischen 18 Uhr und 20.30 Uhr habe er angeblich an einem Mercedes auf dem Hof eines Bekannten gearbeitet. Er behauptete, gegen 19 Uhr von einem Freund besucht worden zu sein, und sagte aus, dass er ab 20.30 Uhr mit diesem Freund und seinem Bekannten das Brettspiel Risiko gespielt habe. Einem der beiden Zeugen, die unmittelbar nach der Tat befragt wurden, bestätigte Werner M.s Alibi. Der andere Zeuge wurde jedoch erst fünf Tage später befragt.

Die Ermittler hegten den Verdacht, dass Werner M. sich möglicherweise mit seinen Zeugen abgesprochen hatte. Einige Monate später wurden er und die Zeugen erneut vernommen. In dieser weiteren Vernehmung verstrickte sich Werner M. immer wieder in Widersprüche, hielt jedoch an seiner ursprünglichen Aussage fest. Einer der Zeugen konnte sich angeblich nicht mehr an den Tag erinnern, während der andere aussagte, das Treffen habe bereits vor 18 Uhr stattgefunden. Damit entfiel Werner M.s Alibi für den kritischen Zeitraum von 18 Uhr bis 20.30 Uhr. Merkwürdigerweise wurden Nachbarn des Hofes, auf dem Werner M. gearbeitet haben soll, anscheinend nicht befragt.

Letztendlich konnte Werner M. jedoch nichts nachgewiesen werden. Auch die Aussage von Klaus P., die Werner M. belastete, wurde von den Ermittlern als unglaubwürdig eingestuft. Infolgedessen wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Der Fall Ursula Herrmann bleibt somit weiterhin von Rätseln und unbeantworteten Fragen umgeben, und die Rolle von Werner M. in diesem mysteriösen Fall ist nach wie vor unklar.

Erneute Ermittlungen und neue Hinweise

Im Jahr 2007 nahm der Fall Ursula Herrmann eine neue Wendung, als eine Staatsanwältin die Ermittlungen wieder aufnahm. Angesichts der Tatsache, dass der Fall aufgrund von erpresserischem Menschenraub mit Todesfolge geführt wurde, stand die Verjährungsfrist von 30 Jahren kurz bevor. Ohne neue Erkenntnisse wäre der Fall Ursula Herrmann zum 1. Januar 2012 verjährt.

Mit der Wiederaufnahme der Ermittlungen geriet Werner M. erneut ins Zentrum der Verdächtigungen. Verdeckte Ermittler wurden eingesetzt, um ihn über einen Zeitraum von neun Monaten zu beobachten und abzuhören. In dieser Zeit wurden etwa 7.000 seiner Telefonverbindungen aufgezeichnet und analysiert. Einige dieser Gespräche erwiesen sich als tatrelevant. Werner M. sprach mehrfach über Verjährungsfristen und die mögliche Dauer einer Haftstrafe. Er thematisierte auch die Änderung der Anklage von Mord in erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge. Bemerkenswert war seine Bezeichnung des Todes von Ursula Herrmann als ‘Betriebsunfall’, wobei er äußerte: ‘Es wollte ja keiner, dass das Kind stirbt’.

Nach diesen neun Monaten der Überwachung galt Werner M. als überführt. Zu diesem Zeitpunkt lebte er in Kappeln und betrieb dort ein Geschäft für Bootszubehör. Im Mai 2008 wurde er in seinem Geschäft festgenommen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler ein Tonbandgerät der Marke Grundig TK 248. Ein Phonetik-Gutachten, das im April 2008 erstellt wurde, legte nahe, dass dieses Gerät für die Anrufe bei der Familie Herrmann verwendet worden sein könnte.

Die erneuten Ermittlungen und die Festnahme von Werner M. brachten neue Dynamik in den Fall Ursula Herrmann und eröffneten die Möglichkeit, dass der langjährige Verdacht gegen ihn begründet sein könnte. Doch trotz dieser Entwicklungen blieben viele Fragen offen, und der Fall Ursula Herrmann bleibt bis heute eines der größten Rätsel in der deutschen Kriminalgeschichte.

Erpresserbrief

Erpresserbrief

Der Prozess gegen Werner M.

Der Prozess im Fall Ursula Herrmann erreichte im Oktober 2008 einen entscheidenden Punkt, als Anklage sowohl gegen Werner M. als auch gegen seine Ehefrau erhoben wurde. Die Hauptverhandlung begann im Februar 2009 und erstreckte sich über 55 intensive Verhandlungstage. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine lebenslange Freiheitsstrafe für Werner M., und das Gericht folgte dieser Empfehlung am 25. März 2010 mit einem umfassenden, 310 Seiten starken Urteil.

Die Ehefrau von Werner M. erhielt einen Freispruch. Die Beweislage reichte nicht aus, um ihr eine Beteiligung an der Tat mit der notwendigen Sicherheit nachzuweisen.

Die Verurteilung von Werner M. gründete sich nicht auf konkrete Beweise, sondern auf eine Reihe von Indizien. Neben einem unzureichenden Alibi waren seine hohe Verschuldung und Vorstrafen wegen Betrug und Urkundenfälschung belastende Faktoren. Diese finanzielle Notlage könnte ein Motiv für die Entführung von Ursula Herrmann gewesen sein.

Ein besorgniserregendes Verhalten zeigte Werner M. bereits Jahre vor der Entführung. Im Jahr 1974 sperrte er aus Wut einen Hund der Familie in eine Tiefkühltruhe ein, woraufhin dieser erfror. Dieser Vorfall, über den er sich später sogar lustig machte, zeugte von einer potenziell gefährlichen Impulsivität.

Werner M. hatte sowohl die Ortskenntnis als auch die Mobilität, die für die Durchführung der Entführung und den Transport der Kiste erforderlich waren. Seine zeitliche Flexibilität und handwerkliche Fähigkeiten ermöglichten es ihm, den Bau der Kiste zu planen und durchzuführen. Darüber hinaus hatte er die Gelegenheit, Ursula Herrmann zu beobachten und ihre täglichen Routinen kennenzulernen.

Zusätzlich zu diesen Faktoren gab es Aussagen, die Werner M. belasteten. So sprach er beispielsweise von einem ‘Coup’, bei dem man zwei Millionen verdienen könnte – eine Summe, die exakt der Lösegeldforderung im Fall Ursula Herrmann entsprach. Auch Überlegungen zu einem Geldbotenüberfall wurden ihm zugeschrieben.

Während des Prozesses wurden weitere Indizien präsentiert, darunter ein Transistorradio mit einer angelöteten und verlängerten Wurfantenne, das in der Kiste gefunden wurde. Als Fernsehtechniker besaß Werner M. das nötige Wissen und die Fähigkeiten, ein solches Gerät zu modifizieren. Zudem wurde berichtet, dass er nach der Tat den Polizeifunk intensiv abgehört hatte, was sein Interesse an den Ermittlungen und möglicherweise ein Schuldbewusstsein anzeigt.

Trotz der starken Indizienkette fehlten direkte Beweise, die Werner M. zweifelsfrei mit dem Verbrechen in Verbindung brachten. So stimmten beispielsweise seine Fingerabdrücke nicht mit denen am Tatort überein. Ein Lügendetektortest, den er später im Gefängnis absolvierte, ergab zwar, dass er die Wahrheit sagte, als er seine Unschuld beteuerte, doch solche Tests sind in Deutschland vor Gericht nicht zulässig.

Die komplexe Beweislage und die Widersprüche im Fall Ursula Herrmann führten dazu, dass der Prozess gegen Werner M. bis heute Fragen aufwirft. Seine Verurteilung basierte auf einer Kette von Indizien, die zwar belastend waren, aber keinen unwiderlegbaren Beweis für seine Schuld darstellten. Der Fall bleibt somit ein Paradebeispiel für die Schwierigkeiten bei der Aufklärung komplexer Kriminalfälle und die Grenzen der forensischen Wissenschaft.

In den Ermittlungen gegen Werner M. im Fall Ursula Herrmann kamen mehrere belastende Aspekte ans Licht, die seine mögliche Beteiligung an der Tat in Frage stellten. Eines der auffälligsten Indizien war eine Äußerung von Werner M., in der er von einem ‘Coup’ sprach, durch den man zwei Millionen verdienen könnte – eine Summe, die exakt der Lösegeldforderung im Fall entsprach. Zeugenaussagen zufolge hatte er auch einen Geldbotenüberfall in Erwägung gezogen.

Ein weiteres belastendes Detail war das Fernglas, das Werner M. besaß und das dem ähnelte, welches in der Nähe des Tatorts gefunden wurde. Dies könnte auf seine Anwesenheit am Tatort oder seine Beteiligung an der Planung der Entführung hindeuten.

Das in der Kiste gefundene Transistorradio mit einer angelöteten und verlängerten Wurfantenne wies auf Werner M.s Fachkenntnisse als Radio- und Fernsehtechniker hin. Diese Fähigkeiten könnten ihm erlaubt haben, das Radio entsprechend zu manipulieren.

Nach der Entführung soll Werner M. ununterbrochen den Polizeifunk abgehört haben, was sein Interesse an den Ermittlungen und potenziell sein Schuldbewusstsein unterstreicht. Seine Rechtfertigung, dass dies damals üblich gewesen sei, wurde durch sein anfängliches Leugnen dieser Tatsache untergraben.

Die Erpresserbriefe, die mit ausgeschnittenen Buchstaben und Wörtern verfasst waren, stellten ein weiteres Indiz dar. Diese Buchstaben stammten unter anderem aus Zeitungen wie der Bild und der Bild am Sonntag, die Werner M. angeblich nie gelesen hatte – eine Behauptung, die von seiner Ehefrau widerlegt wurde.

Die Hauptbelastung gegen Werner M. stellte jedoch die Zeugenaussage von Klaus P. dar, obwohl sie ursprünglich von der Polizei als unglaubwürdig eingestuft wurde. Zusätzlich wurde das Tonbandgerät, das bei Werner M. gefunden wurde, als Indiz herangezogen. Dieses Gerät hatte einen Defekt, der laut der LKA-Gutachterin einen ähnlichen Effekt wie das Gerät hervorrief, das für die Anrufe bei der Familie Herrmann verwendet wurde. Zeugen berichteten, dass sie ein ähnliches Gerät zur Tatzeit bei Werner M. gesehen hatten.

Werner M.s Behauptung, das Tonbandgerät auf einem Flohmarkt erworben zu haben, wurde durch Zeugenaussagen widerlegt. Diese gaben an, dass es zu dieser Zeit keine Möglichkeit gab, das Gerät auf dem Flohmarkt zu testen, da es dort nur eine Person mit einem passenden Notstromaggregat gab, und diese Person bestritt, dass Werner M. das Aggregat benutzt hatte.

Trotz der zahlreichen Indizien stimmten Werner M.s Fingerabdrücke nicht mit den am Tatort gefundenen überein. Ein Lügendetektortest, den er 2015 im Gefängnis absolvierte, ergab, dass er die Wahrheit sagte, als er seine Unschuld beteuerte. Solche Tests sind jedoch in Deutschland nicht als Beweismittel vor Gericht zugelassen.

In einem späteren Interview versuchte Werner M., seine Unschuld weiterhin zu untermauern, indem er von einem Privatdetektiv berichtete, der einen Flohmarktverkäufer ausfindig gemacht haben soll. Diese Bemühungen wurden jedoch durch den plötzlichen Tod des Detektivs vereitelt.

Werner M. wurde auch auf seine frühere Aussage über den ‘Betriebsunfall’ angesprochen. Er erklärte, dass er den Tod von Ursula Herrmann als unglücklichen Zwischenfall sah, ähnlich einem Handwerker, der sich versehentlich verletzt. Er behauptete, dass der Erstickungstod nicht grausam sei, sondern euphorisch – eine Aussage, die viele als unpassend und gefühllos empfanden.

Zusammenfassend basierte die Verurteilung von Werner M. auf einer Kette von Indizien, die zwar belastend waren, aber keinen unwiderlegbaren Beweis für seine Schuld darstellten. Der Fall Ursula Herrmann und der Prozess gegen Werner M. bleiben somit ein Paradebeispiel für die Komplexität und Herausforderungen bei der Aufklärung schwerer Kriminalfälle.

Aushebung der Kiste

Aushebung der Kiste

Zivilprozess: Michael Herrmanns Suche nach Gerechtigkeit

Im Dezember 2013 initiierte Michael Herrmann, der ältere Bruder von Ursula Herrmann, einen bemerkenswerten Schritt: Er verklagte Werner M. auf 20.000 Euro Schmerzensgeld. Dieser Zivilprozess resultierte aus den erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die Michael Herrmann infolge des Strafprozesses erlitt, einschließlich eines Tinnitus. Jedoch verfolgte er mit dieser Klage nicht nur eine Entschädigung für seine Leiden, sondern vor allem ein größeres Ziel: Michael Herrmann hegte starke Zweifel an der Schuld von Werner M. und hoffte, durch den Zivilprozess neue Beweise ans Licht zu bringen und eine erneute Beweisaufnahme zu erzwingen.

Die Zeugenbefragung im Zivilprozess begann erst Jahre später, am 7. September 2017. In einer Entscheidung, die am 2. Juli 2018 gefällt wurde, sprach das Gericht Michael Herrmann 7.000 Euro Schmerzensgeld zu. Interessanterweise wurden die Prozesskosten disproportional aufgeteilt: 35 Prozent hatte Werner M. zu tragen, während die restlichen 65 Prozent von Michael Herrmann zu zahlen waren. Diese Kostenverteilung führte paradoxerweise dazu, dass Michael Herrmann letztendlich mehr für den Prozess zahlte, als ihm an Schmerzensgeld zugesprochen wurde.

Während des Verfahrens artikulierte Michael Herrmann seinen Unmut und seine Frustration in einem offenen Brief an das Gericht. Er kritisierte das Gericht dafür, das Verfahren bewusst in die Länge zu ziehen, und beklagte die unzureichende Untersuchung anderer möglicher Täterkreise abseits von Werner M.

Unzufrieden mit dem Urteil des Landgerichts, legte Michael Herrmann Berufung ein. Das Oberlandesgericht München revidierte jedoch das Urteil des Landgerichts und entschied, dass Michael Herrmann überhaupt keinen Anspruch auf Schmerzensgeld hat. Diese Entscheidung begründete das Oberlandesgericht mit dem langen Zeitraum zwischen der Tat und dem Strafverfahren, der eine Schmerzensgeldforderung in diesem Kontext ausschließe.

Der Zivilprozess im Fall Ursula Herrmann zeigt die komplizierten und oft emotional belastenden Facetten der juristischen Aufarbeitung solcher Fälle auf. Für Michael Herrmann bedeutete dieser Prozess nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine emotionale und psychologische Herausforderung, bei der er nicht nur um finanzielle Entschädigung, sondern auch um die Wahrheit im Fall seiner Schwester kämpfte.

Private Nachforschungen im Fall Ursula Herrmann

Angesichts seiner anhaltenden Zweifel an der Schuld von Werner M. unternahm Michael Herrmann, der Bruder von Ursula Herrmann, eigene Anstrengungen, um weitere Indizien im Fall seiner Schwester zu finden. Diese private Suche umfasste unter anderem die detaillierte Untersuchung des Erpresserbriefes, den die Familie Herrmann damals erhalten hatte. Eine Expertin analysierte den Brief und entdeckte Druckstellen, die bereits 1981 aufgefallen, aber damals nicht entschlüsselt worden waren. Die Expertin konnte diese Druckstellen als ein Baumdiagramm aus der Stochastik identifizieren, wie es im Oberstufenunterricht verwendet wird. Diese Entdeckung deutete darauf hin, dass die Täter möglicherweise noch zur Schule gingen und über entsprechende Kenntnisse verfügten.

In der Nähe des Tatorts befand sich ein Landerziehungsheim, das in die Ermittlungen einbezogen wurde. Interessanterweise spielt hier auch der bereits erwähnte Klingeldraht eine Rolle. Dieser war nach der Entdeckung der Kiste von den Ermittlern im Wald zurückgelassen worden, verschwand aber einige Tage später. Erst im Januar 1983 tauchte der Draht wieder auf, und zwar im Besitz von zwei Schülern aus dem Internat. Sie behaupteten, den Draht im Wald gefunden zu haben, während sie einer Eule gefolgt seien, und nahmen ihn mit in ihr Zimmer.

Jahre später, in einem Interview, erklärte einer der Schüler, der den Draht mitgenommen hatte, dass sie ihn aus dem Wald entfernten, um potenzielle Verletzungen von Tieren zu verhindern. Der Grund für das Aufbewahren des Drahtes blieb jedoch unklar.

Das Internat beherbergte damals viele Kinder von wohlhabenden und einflussreichen Eltern, die ihre Kinder dort unterbrachten, um selbst mehr Freizeit zu haben. Ein anderer ehemaliger Schüler des Internats äußerte die Vermutung, dass ein Mitschüler hinter der Tat stecken könnte. Er spekulierte, dass die Tat darauf abzielte, eine gesellschaftliche Botschaft zu vermitteln: Es sollte gezeigt werden, dass Eltern, die materiell alles haben, ihren Kindern emotional nichts bieten, während Eltern, die wenig haben, alles für ihre Kinder tun würden.

Diese privaten Ermittlungen von Michael Herrmann beleuchten nicht nur neue Aspekte im Fall Ursula Herrmann, sondern werfen auch Fragen über die Motivationen und Hintergründe potenzieller Täter auf. Sie zeigen die anhaltende Komplexität und Tragweite dieses Falles auf, der auch Jahrzehnte später noch Rätsel aufgibt und Betroffene sowie die Öffentlichkeit beschäftigt.

In den Nachforschungen von Michael Herrmann, dem Bruder von Ursula Herrmann, kam ein weiteres rätselhaftes Detail ans Licht: Im Herbst 1982 wurde zwischen dem Landerziehungsheim und dem Tatort eine Plastiktüte mit Sehschlitzen gefunden, die vermutlich seit der Entführung in einem Baumstumpf verborgen lag. Dieser Fund schien die Theorie zu stützen, dass die Täter möglicherweise aus dem Umfeld des Internats stammten.

Michael Herrmann betrachtete auch den Inhalt der Kiste, in der seine Schwester gefunden wurde, unter dem Aspekt, dass er möglicherweise Aufschluss über die Täter geben könnte. Die Anwesenheit von Comics und Süßigkeiten ließ ihn vermuten, dass die Täter eher jüngeren Alters gewesen sein könnten, da solche Gegenstände nicht typisch für das Denken eines Erwachsenen sind. Insbesondere fiel ihm auf, dass im Erpresserbrief die Geldübergabe in einem gelben Fiat 600 gefordert wurde – einem Auto, das auch im Comic ‘Clever & Smart’, der in der Kiste gefunden wurde, eine Rolle spielt.

Bezüglich des Tonbandgeräts Grundig TK 248, das bei Werner M. gefunden wurde und mutmaßlich für die Schweigeanrufe verwendet worden sein soll, äußerte Michael Herrmann als Musiker mit Studioerfahrung Zweifel. Er betonte, dass viele audioakustische Parameter nicht rückverfolgbar seien, was die Zuordnung des Geräts zum Fall in Frage stellte.

Mit diesen und weiteren gesammelten Indizien wandte sich Michael Herrmann im Mai 2019 an die Justizbehörden, in der Hoffnung, dass der Fall neu aufgerollt wird. Die Behörden informierten ihn jedoch im August 2019, dass es sich bei der Tat nicht um Mord handelt und die Tat somit bereits verjährt ist. Sie erklärten außerdem, dass die von ihm vorgebrachten Hinweise nicht ausreichten, um das Urteil gegen Werner M. anzuzweifeln.

Diese Entwicklungen verdeutlichen die anhaltenden Herausforderungen und die Komplexität des Falles Ursula Herrmann. Michael Herrmanns Bemühungen, neue Beweise zu finden und die Wahrheit hinter dem tragischen Schicksal seiner Schwester zu enthüllen, stoßen auf juristische Hindernisse und begrenzte Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Falles, trotz der sich mehrenden Hinweise und Ungereimtheiten.

Das Bekennerschreiben: Eine unerwartete Wendung

Im November 2020 erhielt der Fall Ursula Herrmann eine unerwartete und dramatische Wendung: Ein Bekennerschreiben tauchte auf, das verschiedene Unternehmen und Behörden erreichte. In diesem Schreiben wurde ein ehemaliger Schüler des Landerziehungsheims in der Nähe des Tatorts als Verfasser angegeben. Besonders brisant an dem Schreiben war, dass es Details enthielt, die zuvor nie öffentlich gemacht worden waren und daher als Insiderwissen galten. Zusätzlich zu diesen Enthüllungen enthielt das Schreiben die Ankündigung des angeblichen Verfassers, Suizid zu begehen.

Angesichts der Schwere und der potenziellen Bedeutung dieses Schreibens wurden sofort Ermittlungen eingeleitet. Der angebliche Verfasser wurde kontaktiert, um die Echtheit des Schreibens und seinen geistigen Zustand zu überprüfen. Zu seinem und aller Überraschung bestritt er jedoch vehement, den Brief verfasst zu haben, und wies auch die Behauptung, suizidgefährdet zu sein, zurück.

Die daraufhin eingeleiteten Prüfungsmaßnahmen führten zu dem Schluss, dass der Brief wahrscheinlich tatsächlich nicht von dem angeblichen Verfasser stammte. Diese Entwicklung fügte dem Fall Ursula Herrmann eine weitere rätselhafte Facette hinzu. Es stellte sich die Frage, wer ein solches Schreiben verfassen und warum jemand derart detaillierte Informationen preisgeben würde, wenn nicht der tatsächliche Täter.

Der Vorfall mit dem Bekennerschreiben zeigt, wie komplex und verwirrend der Fall Ursula Herrmann weiterhin ist. Es illustriert auch die emotionale Belastung und die fortwährende Aufmerksamkeit, die dieser Fall in der Öffentlichkeit und bei den Beteiligten hervorruft. Die Authentizität des Schreibens und die Motivationen dahinter bleiben unklar und fügen dem bereits verwickelten Fall eine zusätzliche Schicht an Geheimnis hinzu.”

Weiterführende Empfehlungen

Wer sich noch weiter mit diesem Fall beschäftigen möchte, dem ich kann den Podcast von Katja Paysen-Petersen für den BR empfehlen. In insgesamt 7 Folgen beschäftigt sie sich sehr ausführlich mit dem Fall und auch viele Prozessbeteiligte kommen dabei zu Wort.

Buch "Tief in der Erde"

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Christa von Bernuth hat die Geschichte von Ursula Herrmann in einem Kriminalroman “Tief in der Erde” verarbeitet. Christa von Bernuth war ebenfalls Schülerin des Internats.

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Das unergründliche Schicksal von Ursula Herrmann: Deine Einsichten sind gefragt

In meinem neuesten Blogbeitrag habe ich mich mit dem tragischen und rätselhaften Fall von Ursula Herrmann beschäftigt, einem Fall, der seit Jahrzehnten unbeantwortete Fragen aufwirft und tiefe Emotionen hervorruft. Trotz intensiver Ermittlungen und zahlreicher Hinweise bleibt das, was Ursula widerfahren ist, ein ungelöstes Mysterium. Ihr Schicksal berührt uns alle und erinnert uns daran, wie schnell ein gewöhnliches Leben in eine unerwartete Tragödie umschlagen kann.

Nun wende ich mich an dich, um deine Gedanken und Theorien zu diesem Fall zu hören. Was glaubst du, was in jenem Herbst 1981 geschehen ist? Siehst du Verbindungen oder Ähnlichkeiten zu anderen Kriminalfällen? Hast du eine eigene Hypothese, die zur Aufklärung beitragen könnte? Deine Meinung und Einsicht können wertvoll sein, um neue Perspektiven auf diesen komplexen Fall zu werfen. Bitte teile deine Überlegungen in den Kommentaren, denn jede neue Sichtweise kann helfen, das Puzzle um Ursula Herrmanns Schicksal zusammenzufügen. Deine Stimme zählt und könnte ein entscheidender Beitrag zur Lösung dieses langjährigen Rätsels sein.

Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Entf%C3%BChrung_von_Ursula_Herrmann
  • https://www.spiegel.de/panorama/justiz/entfuehrung-von-ursula-herrmann-1981-bruder-bezweifelt-werner-m-s-taeterschaft-a-e220eb8e-eb11-4cf0-bca2-f9bd4aef8eff
  • https://www.stern.de/panorama/stern-crime/fall-ursula-herrmann–das-grausige-schicksal-der-zehnjaehrigen-7845558.html
  • https://www.radonmaster.de/werner-mazurek/zum_strafurteil/Strafurteil-anonym.pdf
  • https://www.merkur.de/bayern/mm-ursula-herrmannprozess-gerichtsmediziner-berichtet-110090.html
  • https://www.news.bayern/nachrichten/die-chronik-des-kaltbluetigen-verbrechens-22031.html
  • https://www.merkur.de/lokales/regionen/spur-fuehrt-nach-taiwan-245921.html
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Herrmann-Prozess-Ursulas-Entfuehrung-War-alles-eine-tragische-Verwechslung-id5495801.html
  • https://www.sueddeutsche.de/muenchen/mordfaelle-ursula-herrmann-und-charlotte-boehringer-das-geheimnis-von-spur-j73-03-3-1.199639-0#seite-2
  • https://www.allmystery.de/dateien/kwpmcj3jdakj_Anfrage_zur_DNA-Spur_17_0012767.pdf
  • https://www.sueddeutsche.de/bayern/mordfall-herrmann-prozessbeginn-spuren-einer-fast-vergessenen-tat-1.473130
  • https://www.sueddeutsche.de/bayern/ursula-herrmann-prozess-ein-letzter-zweifel-bleibt-1.6228
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Werner-M-vor-Gericht-Herrmann-Prozess-Der-Angeklagte-beharrt-auf-seiner-Unschuld-id7491196.html
  • https://www.welt.de/vermischtes/article6927610/Im-Fall-Ursula-Herrmann-bleiben-Zweifel-am-Urteil.html
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Bundesgerichtshof-Urteil-gegen-Entfuehrer-von-Ursula-Herrmann-rechtskraeftig-id9520091.html
  • https://www.radonmaster.de/werner-mazurek/offener-brief_herrmann/offener-brief_zum_fall_ursula-herrmann.pdf
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Fall-Ursula-Herrmann-Bruder-von-Ursula-Herrmann-verklagt-den-Verurteilten-id33130527.html
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Augsburg-Fall-wird-neu-aufgerollt-Wer-entfuehrte-Ursula-Herrmann-id40565076.html
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Verbrechen-Neue-Fragen-im-Fall-Ursula-Herrmann-id42605731.html
  • https://www.sueddeutsche.de/bayern/ursula-herrmann-werner-mazurek-landgericht-augsburg-michael-herrmann-prozess-1.4078839
  • https://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-ursula-herrmann-gericht-lehnt-schmerzensgeld-fuer-bruder-ab-a-40384d4a-51c2-455d-8ece-a6d124eb338b
  • https://www.abendzeitung-muenchen.de/bayern/fall-ursula-herrmann-raetsel-um-ein-gruenes-kabel-art-453507
  • https://www.abendzeitung-muenchen.de/bayern/fall-ursula-herrmann-welche-rolle-spielt-der-strauss-spezl-art-466073
  • https://www.sueddeutsche.de/bayern/fall-ursula-herrmann-spuren-1.4373879
  • https://www.sterntv.de/nach-fast-40-jahren-wurde-fuer-den-tod-von-ursula-herrmann-der-falsche-verurteilt
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Kreis-Landsberg-Staatsanwaltschaft-Keine-neuen-Ermittlungen-im-Fall-Ursula-Herrmann-id55224391.html
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Kriminalitaet-Die-Akte-Ursula-Herrmann-bleibt-wohl-fuer-immer-geschlossen-id55226351.html
  • https://www.br.de/nachrichten/bayern/mit-flehenden-augen-40-jahre-kriminalfall-ursula-herrmann,Sj0Ow8I
  • https://www.spiegel.de/thema/entfuehrung_von_ursula_herrmann/
  • https://www.rnd.de/panorama/nach-40-jahren-ermittlungen-im-fall-ursula-herrmann-dauern-an-E33OJGVAOCPGVM66P73WEKRACQ.html
  • https://www.sueddeutsche.de/thema/Ursula_Herrmann
  • https://www.stern.de/panorama/stern-crime/themen/ursula-herrmann-4170542.html
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/schlagworte/fall-ursula-herrmann
  • https://www.stimme.de/ueberregional/deutschland-welt/politik/dw/fall-ursula-herrmann-jaehrt-sich-zum-40-mal-art-4532363
  • https://www.abendzeitung-muenchen.de/bayern/entfuehrung-von-ursula-herrmann-vor-40-jahren-ein-stiller-tag-art-756508
  • https://www.polizei.bayern.de/wir-ueber-uns/geschichte/003411/index.html
  • https://www.rtl.de/cms/raetselraten-um-bekennerschreiben-im-fall-ursula-herrmann-das-sagt-der-anwalt-ihres-bruders-4697128.html
  • https://www.ovb-online.de/weltspiegel/bayern/tief-in-der-erde-roman-ursula-herrmann-ammersee-eching-entfuehrung-kriminalfall-90242669.html
  • https://www.zeit.de/news/2021-02/03/raetselraten-um-bekennerschreiben-im-fall-ursula-herrmann
  • https://www.fr.de/thema/ursula-herrmann-per42513/
  • https://www.staz.de/thema/ursula-herrmann

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2 comments

Peter Klement 28. September 2022 - 10:26

Wer ließ am 15.9. 1981 zwischen 18 Uhr und 20.30 Uhr in der Werkstatt des Werner M. in Utting seinen Mercedes schleifen? Sollte man nicht dieser Spur nachgehen?

Reply
Jessica 29. September 2022 - 11:51

Leider ist nicht bekannt, welchen Spuren konkret nachgegangen wurde.

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