Freitag, 30 September 2022

Wer tötete Yasmin Stieler?

Yasmin Stieler wollte am Abend des 5. Oktober 1996 die Disco Atlantis in Braunschweig besuchen. Ob sie tatsächlich dort ankam ist unbekannt. Einige Tage nach ihrem geplanten Discobesuch, am 14. Oktober 1996, wurde ihr Torso, eingewickelt in einen Plastiksack, in Vechelde gefunden. Der Täter ist bis heute auf freiem Fuß.

 

Über Yasmin Stieler

 

Yasmin ist am 18. Juli 1978 geboren. Sie ist als Einzelkind bei ihren Eltern in Uelzen aufgewachsen. Diese ließen sich aber im Jahr 1996 scheiden.

Yasmin war also im Jahr 1996 bereits 18 Jahre alt. Trotz ihres noch relativ jungen Alters lebte sie bereits in einer eigenen Wohnung. Sie hatte einen Freund und besuchte das Lessing Gymnasium in Uelzen. Sie wird als sehr offen und kontaktfreudig beschrieben, sie soll aber auch introvertiert gewesen sein.

 

Was ist passiert?

 

Yasmin Stieler traf sich am 4. Oktober 1996 mit ihrer Mutter. Während dieses Treffens erzählte sie ihrer Mutter, dass sie am nächsten Tag zum Oktoberfest nach München fahren wollte. Ihre Mutter war von dieser Idee nicht begeistert und hat es ihr ausgeredet. Stattdessen fasste Yasmin dann den Plan, mit einer Freundin nach Braunschweig in die Disco Atlantis zu fahren. Ihre Freundin sagte jedoch kurzfristig ab. Das änderte aber nichts an Yasmin’s Plan und so entschloss sie sich, alleine nach Braunschweig zu fahren.

Yasmin Stieler DiscooutfitYasmin machte sich also am Abend des 5. Oktober fertig und zog für ihren Discobesuch u. a. ein auffälliges T-Shirt in Kuhfelloptik an. Gegen 19 Uhr verließ sie dann ihre Wohnung und ging zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin traf sie noch eine Freundin, mit der sie sich kurz unterhielt und ihr von ihren Plänen erzählte. Diese Begegnung war die letzte gesicherte Sichtung von Yasmin Stieler.Yasmin Stieler Discoroute

Sie ging anschließend vermutlich weiter zum Bahnhof und es ist davon auszugehen, dass sie entweder um 19.28 Uhr oder um 19.55 Uhr mit dem Zug nach Hannover fuhr. Eine direkte Zugverbindung nach Braunschweig gab es damals noch nicht, weshalb sie in Hannover umsteigen musste. Man geht davon aus, dass Yasmin zwischen 20 Uhr und 22 Uhr in Hannover war. Die genaue Route, die sie an diesem Abend genommen hat, ist aber leider unbekannt.

Am Sonntagnachmittag versuchte Yasmin’s Mutter, sie telefonisch (vergeblich) zu erreichen. Als sie ihr frische Wäsche bringen wollte, musste sie feststellen, dass Yasmin nicht zu Hause war. Ihre Mutter begann nun natürlich, sich Sorgen zu machen. Sie ging also zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Die Polizei tat die Sorge um Yasmin zunächst damit ab, dass sie wahrscheinlich einfach weggefahren sei. Die Tatsache, dass zu dieser Zeit gerade Herbstferien waren, unterstützte die These der Polizei.

 

Der Fund von Yasmin Stieler’s Leiche

Teich

 

Ein Anwohner in der Nähe eines Bahndamms in Vechelde ging am 7. Oktober 1996 an diesem Bahndamm entlang. Er entdeckte dort eine Stelle, an der kürzlich gegraben wurde. Er fand dies merkwürdig, schenkte dem Ganzen aber zunächst keine weitere Beachtung.

Einige Tage später, um genau zu sein am 14. Oktober 1996, packte ihn dann doch die Neugier. Er ging also erneut zu dieser Stelle und fing an zu graben. Was er dann entdeckte, hat er sicher nie wieder vergessen können: Er stieß auf einen Plastiksack, in dem ein Torso eingewickelt war. Der Kopf, die Beine sowie die Hände fehlten.

Selbstverständlich verständigte er sofort die Polizei. Diese konnte die Leiche dann als Yasmin Stieler identifizieren.

Ca. 2 Wochen nach dem Fund des Torsos hat ein Spaziergänger-Paar Yasmin’s Beine im Ricklinger Kiesteich in Hannover gefunden. Ungefähr 9 weitere Monate später wurde auch ihr Kopf durch einen Jungen im Hämeler Wald, der sich zwischen Hannover und Braunschweig befindet, gefunden.

Die Ermittlungen

 

Nachdem die Polizei Yasmin’s Leiche geborgen hat, begann sie mit der Suche nach dem Täter. Hierfür wurden für die damalige Zeit ungewohnte Methoden angewandt. Beispielsweise kleidete sich eine Beamtin wie Yasmin am Abend ihres Verschwindens. So gingen die Polizisten dann in die Disco Atlantis und befragten dort die Besucher. Mit dabei hatten sie außerdem Fotos, auf denen Yasmin zu sehen war.

Außerdem wurden im September 1998 insgesamt 87 Plakate in der Region Hannover, Peine und Braunschweig verteilt. Diese Plakate sollten an die Schuldgefühle des Täters appellieren. Auf ihnen war ein Foto von Yasmin sowie ein weiteres Foto ihrer Hand zu sehen. Dabei stand: „Der Torso in Vechelde, der Kopf im Hämeler Wald, die Beine in Hannover, die Hände…? Können Sie damit leben?“

Des Weiteren wurde ein Massen-Speicheltest organisiert, an dem 1.300 Männer teilnahmen. Leider führte dieser Test jedoch zu keinem Ergebnis.

An dem Plastiksack, in dem sich Yasmin’s Torso befand, konnten damals zwei Haare sichergestellt werden. Die genommenen Speichelproben wurden mit den gefundenen Haaren abgeglichen. Nach einigen Jahren konnte aber durch verfeinerte Methoden herausgefunden werden, dass die gefundenen Haare wahrscheinlich von Yasmin stammten.

Die Zeugenaussagen

 

Auch wenn das Gespräch zwischen Yasmin und ihrer Freundin, auf Yasmin’s Weg zum Bahnhof, die letzte gesicherte Sichtung von ihr ist, gibt es dennoch ein paar weitere Zeugenaussagen. So soll sie noch in der Bahn in Vechelde gesehen worden sein.

Auch in Braunschweig am Bahnhof wollen Zeugen sie gesehen haben. Yasmin soll diese dort nach dem Weg zur Disco gefragt haben. Der damalige Discoinhaber hat ausgesagt, dass er Yasmin Stieler auch in der Disco noch gesehen habe. Andere Zeugen sagten, sie haben sie nachts um 2 Uhr noch in Braunschweig gesehen. Außerdem sagte ein Pärchen aus, dass es in der Nacht auf den 6. Oktober 1996 im Wald bei Peine Todesschreie einer Frau gehört hätte.

Dann gab es erhebliche Zeit später, im Jahr 2008, noch eine weitere Zeugenaussage. Damals meldete sich eine Frau telefonisch bei der Polizei in Braunschweig. Sie behauptete, sie hätte Yasmin am 5. Oktober 1996 in Braunschweig gesehen. Bei ihr soll ein Mann gewesen sein, der ein dunkler, kräftiger Typ und kleiner als Yasmin war.

All diese Zeugenaussagen konnten aber nicht mit Sicherheit bestätigt werden.

 

Die Ermittlungsergebnisse

 

Leider ließen die Ermittlungsergebnisse zu wünschen übrig und haben die Polizei nicht zu einem Täter geführt.

Der Todeszeitpunkt von Yasmin Stieler ließ sich nie genau bestimmen. Man konnte lediglich herausfinden, dass sie zunächst erwürgt oder erdrosselt wurde. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass ihr Kopf mit einem elektrischen Messer abgetrennt wurde. Ihre Hände und ihre Beine wurden mit einer Säge abgetrennt.

 

Die Verdächtigen

 

Trotz dieser doch sehr dürftigen Ermittlungsergebnisse gab es mit der Zeit dennoch Verdächtige.

Zunächst war da Olaf W., ein 39-jähriger Schlachter aus Celle. Er rückte in den Kreis der Verdächtigen, da er an dem Mord einer Frau, Ruth Buchelt, verurteilt wurde. Ruth Buchelt wurde auf ähnliche Weise wie Yasmin getötet – auch ihre Leiche wurde zerstückelt und im Elbe-Seitenkanal dann schließlich gefunden. Olaf W. gestand die Tat an Ruth Buchelt, bestritt aber die Tat an Yasmin Stieler. Laut Staatsanwalt Christian Wolters kam er aber schließlich auch nicht als Täter in Betracht.

 

Der Hauptverdächtige

Dann gab es da noch Heiko v. K im Jahr 2008. Dieser wurde bereits im Jahr 2000 schon einmal verdächtigt und vernommen. Zum Tatzeitpunkt war Heiko v. K. Single und laut Aussagen anderer auch Discogänger. Mittlerweile, im Jahr 2008, war er verheiratet und hatte zwei Kinder.

Erneut verdächtigt wurde er, da sein damaliger Arbeitgeber ihn bei der Polizei gemeldet hat. Heiko v. K. war damals als LKW-Fahrer tätig. Er sollte für einen Auftrag von Braunschweig nach Duisburg fahren. In Duisburg kam er jedoch drei Stunden zu spät und zusätzlich noch völlig verschmutzt an. Außerdem konnte man feststellen, dass er einen Umweg von 40 km gefahren ist. Den genauen Umweg konnte man aber nicht feststellen, da der Fahrtenschreiber seines Fahrzeugs offenbar von ihm manipuliert wurde.

Route TäterDie einfache Strecke von Braunschweig nach Duisburg beträgt 330 km. Eine Fahrt von Braunschweig über Vechelde, den Hämeler Wald und die Ricklinger Kiesteiche bis nach Duisburg beträgt 349 km. Somit bliebe noch ein Umweg von 21 km, für das Versteck der Hände.

Die Firma, bei der Heiko v. K. damals arbeitete hat ihren Sitz ganz in der Nähe des Bahndamms, an dem Yasmin Stieler’s Torso gefunden wurde. Außerdem konnte in einer Scheune bei der Firma ein Spaten sichergestellt werden, an dem Erde haftete. Nach Proben und Prüfungen konnte festgestellt werden, dass diese Erdanhaftungen identisch mit der Erde des Fundorts waren. Dazu wurde dann am Fundort noch ein Lacksplitter gefunden, der zu diesem Spaten passte.

Auch ähnliche Plastiksäcke wie der, in dem sich Yasmin’s Torso befand, konnten in der Firma des Arbeitgebers von Heiko v. K. gefunden werden. Des Weiteren sagten Zeugen aus, dass sie nach der Tat ein auffälliges Verhalten bei ihm festgestellt hätten.

Er wurde dann im Jahr 2008 für 6 Monate in U-Haft genommen, bestritt aber die Tat. Er sagte gegenüber der Polizei „Wenn Sie mir die Tat beweisen können, dann gebe ich sie auch zu“. Laut den Ermittlern ist dies eine Aussage, die niemand tätigen würde, der unschuldig ist.

Selbstverständlich wollte die Staatsanwaltschaft aufgrund der vorgenannten Umstände ein Verfahren gegen ihn eröffnen. Das Landgericht Braunschweig weigerte sich aber, ein Verfahren zu eröffnen. Die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenkläger haben daher sofortige Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt. Jedoch bestätigte das Oberlandesgericht Braunschweig die Entscheidung des Landgerichtes und ließ auch keine weiteren Rechtsmittel zu.

Gericht

Das Oberlandesgericht begründete seine Entscheidung damit, dass eine Verurteilung nicht wahrscheinlicher als ein Freispruch war. Es gab keine hinreichende Verdächtigung des Beschuldigten. Es war nicht klar, ob und wie es zu einem möglichen Kontakt zwischen Heiko v. K. und Yasmin Stieler gekommen sei. Auch ein Motiv wurde bei ihm nicht erkannt. Weiterhin war auch der Ablauf der Tat nicht klar.

Man konnte nicht nachweisen, wo und durch wen Yasmin Stieler zerstückelt und verteilt wurde. Es war nicht auszuschließen, dass es ein anderer Täter war. Allein dadurch, dass der Spaten bei Heiko v. K.’s damaligen Arbeitgeber gefunden wurde, war auch nicht zu belegen, dass der Spaten tatsächlich zur Tatzeit durch den Beschuldigten benutzt wurde. Er hätte auch zu einem anderen Zeitpunkt durch eine andere Person am Fundort benutzt worden sein können, da mehrere Personen Zugriff darauf hatten.

Zwar waren einige seiner Aussagen widersprüchlich und auch widerlegbar, das war aber nicht ausreichend für einen sicheren Schluss auf seine Täterschaft.

Hinzu kam noch der Umstand, dass wäre es zu einem Verfahren gekommen und Heiko v. K. wäre freigesprochen worden, so hätte er nach damaligen Stand nicht noch einmal für diese Tat angeklagt werden können. Es bestand ja noch die Möglichkeit, dass sich irgendwann Beweise auftun, die seine Täterschaft zweifelsohne bestätigen würden.

 

Der heutige Stand zu Yasmin Stieler

 

Zwischen 2008 und heute haben sich aber leider keine Beweise gefunden. Ein Verfahren wegen Totschlag wäre nun auch verjährt. Die Verjährungsfrist für Totschlag beträgt 20 Jahre. Man könnte lediglich noch wegen Mord ermitteln, da Mord nicht verjährt. Hierfür müsste jedoch der genaue Ablauf der Tat bekannt sein.

Nach heutigem Stand sind Yasmin’s Hände immer noch verschwunden. Auch ihre Kleidung, ihre Schlüssel, ihr Schmuck sowie ihr Rucksack tauchten niemals auf.
Yasmin’s Mutter, Rosemarie Schäfer, sucht noch immer nach dem Täter. Natürlich denkt sie auch heute noch an ihre viel zu früh verstorbene Tochter.

 

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