Freitag, 30 September 2022

Das seltsame Verschwinden des Nick Stolz

Nick Stolz verschwand am 28. September 2019. Das Mysteriöse an seinem Verschwinden: Er verschenkte sein Auto, einige Wertgegenstände sowie 10.000 € in bar an ein Mädchen, das er offiziell kaum kannte. Bis heute ist nicht bekannt, was anschließend mit Nick passiert ist…

 

Wer war Nick Stolz?

 

Nick StolzNick Peter Stolz ist am 1. Juli 1997 geboren. Er lebte im Jahr 2019 noch bei seinen Eltern in deren Haus in Voerde. Voerde liegt am Niederrhein, ca. 25 km nördlich von Duisburg. Nick hat außerdem noch zwei Schwestern – Ilona und Jessica. Zwar gab es ab und zu mal Streit zwischen Nick und seinen Eltern, dies dürfte für einen 22-jährigen jungen Mann, der noch zu Hause lebt, aber nichts Ungewöhnliches sein.

Er hatte eine abgeschlossene Ausbildung als Industriemechaniker bei Thyssen Krupp. Derzeit arbeitete er auch weiterhin dort und machte dazu ein duales Studium zum Ingenieur.

Bis zum Jahr 2017 war Nick ein begeisterter Trampolinspringer. Er nahm sogar an Wettbewerben teil. 2017 erlitt er jedoch einen Bandscheibenvorfall, der es ihm unmöglich machte, diesem Hobby weiterhin nachzugehen. Schweren Herzens musste er diesen Sport dann also aufgeben. Danach war er gegenüber seinen Eltern verschlossener als zuvor.

Allgemein wird Nick als eher ruhig und zurückhaltend beschrieben. Gleichzeitig soll er aber auch sehr hilfsbereit und zuverlässig gewesen sein.

 

Was ist passiert?

 

Es war Samstag, der 28. September 2019, als Nick um 9.45 Uhr das elterliche Haus verließ. Bei einem kurzen Gespräch mit seiner Schwester zuvor, erzählte er ihr noch, dass er nun zur Uni fahren würde. Die Überwachungskamera, die am Haus angebracht war, filmte noch, wie Nick zur genannten Uhrzeit das Haus verließ. Außerdem wurde noch aufgenommen, wie er nach 20 Minuten noch einmal zurückkam, eilig ins Haus ging, währenddessen auf seinem Handy tippte und nach etwa einer Minute wieder ins Auto stieg und erneut davon fuhr.

Entgegen seiner Behauptung, zur Uni zu fahren, fuhr Nick stattdessen nach Burtscheid (einem Stadtteil von Aachen), was ca. 140 km von Voerde entfernt ist. Dort angekommen parkte er gegen 12 Uhr sein Auto in einer Straße, legte ein Paket vor eine Haustür, klingelte dort und ging zu Fuß davon. In dem Paket befanden sich 10.000 € in bar, die Papiere sowie der Schlüssel seines Auto – ein Golf GTI -, sein Laptop, eine Spielekonsole und ein Brief. Der Brief enthielt den folgenden Inhalt:

„Hey, ich weiß es ist ein bisschen früh, aber siehs als Geburtstagsgeschenk. Wenn du willst kannst du den Gti behalten, aber am besten verkaufst du ihn. […] Die originalen Felgen habe ich Pulverbeschichten lassen, sind aber noch nicht fertig. Die werden dir iwann geliefert. […] Du bist ein wundervolles Mädchen und ich wünsche dir alles gute.“

In dem Haus lebte eine junge Studentin mit ihrer Mutter. Nachdem die Mutter das Paket fand und den Brief las, verständigte sie die Polizei und meldete Nick als vermisst.

Laut Aussage des Mädchens kannten Nick und sie sich durch Trampolinwettbewerbe. Das letzte Mal, dass sie sich aber gesehen hatten, lag laut ihrer Aussage bereits 2 Jahre zurück. Danach sollen sie keinen weiteren Kontakt gehabt haben. Nick soll zwei Jahre zuvor, gemeinsam mit noch einer Freundin des Mädchens, bei ihr für eine Pyjamaparty übernachtet haben.

Nick Jessica StolzUm 14 Uhr klingelte es dann in Voerde an der Haustür von Nick’s Eltern. Als seine Schwester zur Tür ging, sah sie Polizisten vor der Haustür stehen. Verwirrt und verunsichert öffnete sie die Tür. Die Polizisten fragten sie, ob ihr bekannt sei, wo Nick sich gerade aufhalten würde. Ihre Antwort war – selbstverständlich – er sei in der Uni. Daraufhin wurde sie darüber aufgeklärt, dass Nick keine zwei Stunden zuvor in Aachen als vermisst gemeldet wurde.

Nick’s Schwester Jessica wusste bis zu diesem Moment nicht, dass Nick überhaupt irgendeine Verbindung nach Aachen hatte. Auch von dem mysteriösen Mädchen hatte sie noch nie etwas gehört. Nick’s Mutter hingegen wusste zumindest, dass Nick vor ca. zwei Jahren einmal bei einem Geburtstag in Aachen war.

Nick war zur Zeit seines Verschwindens 22 Jahre alt. Er war 1,70 m groß, hatte dunkelblonde Haare, trug eine Brille und war schlank. Als er das elterliche Haus verließ hatte er eine auffällige rot-orange Jacke sowie Jeans an.

 

Nick’s Vorbereitung

 

Es stellte sich heraus, dass Nick sein Verschwinden ziemlich genau geplant hatte. Er hatte bereits zum 31. August 2019 seinen Job gekündigt und auch die Uni abgebrochen. Seiner Familie spielte er einen Monat lang vor, dass er täglich weiterhin zur Arbeit ging. Selbst zu seinen angeblichen Nachtschichten verließ er das Haus und kam erst zurück, als er offiziell Feierabend gehabt hätte.

Seine Familie vermutete, nachdem sie all dies erfahren hatten, dass Nick Stolz sich während seiner vorgeblichen Arbeitszeiten in Aachen bei seiner Bekannten aufhielt.

Bevor Nick verschwand hat er noch drei seiner Konten leergeräumt. Er hat weiterhin seine Bauspar- und Handyverträge gekündigt. Bei sich hatte er außerdem noch zwei Handys. Diese allerdings beide ohne SIM-Karten.

 

Die Suche nach Nick

 

Nick’s Familie fuhr täglich nach Aachen und suchte dort nach ihm. Sie erstellten und verteilten Flyer und Plakate. Sie haben Anlaufstellen für Obdachlose abgesucht und möglichst viele Busfahrer befragt, ob sie Nick gesehen hatten. Teilweise wurde mit bis zu 25 Personen nach Nick in Aachen gesucht.

Bereits einen Tag nach seinem Verschwinden, also am Sonntag, kontaktierte Jessica eine ehrenamtliche Rettungshundestaffel aus Köln. Diese suchte insgesamt ebenfalls drei Mal in Aachen nach Nick.

Die Hunde wurden unter anderem zu Nick’s Auto geführt, an dem sie jedoch keine Spur aufnehmen konnten. Dafür witterten sie aber Nick’s Spur im Ferberpark, im Kurpark, am Heißbergfriedhof sowie beim Marinenhospital. Der Ferberpark liegt quasi direkt dort, wo Nick verschwand. Also in unmittelbarer Nähe des beschenkten Mädchens.

Frauen, die täglich dort im Park mit ihren Hunden spazieren gingen, konnten Nick dazu auch noch ziemlich genau beschreiben, als sie nach ihm gefragt wurden. Des Weiteren sagte eine Frau, ihn dort auch noch mit einem Mädchen gesehen zu haben. Auch das Mädchen konnte sehr gut von ihr beschrieben werden. Die Vermutung liegt also nahe, dass das Mädchen, in dessen Gesellschaft er (vermutlich) gesehen wurde, auch das Mädchen war, dem er all seine Sachen schenkte. Warum aber behauptete die Beschenkte dann, ihn zuletzt zwei Jahre zuvor gesehen zu haben?

Am zweiten Tag der Suche durch die Rettungshundestaffel wurde das angrenzende Parkhaus des Marinenhospitals abgesucht. Dort stießen die Suchenden auf einen Mann, der sehr genau auf Nick’s Beschreibung passte. Aber nicht nur das; er trug dazu auch noch eine sehr ähnliche Jacke wie Nick Stolz. Jemand rief daraufhin natürlich sofort seinen Namen. Der junge Mann reagierte sehr auffällig; er lief weg und sprang über eine Mauer davon. Danach konnte man ihn leider nicht noch einmal finden. Es war sehr offensichtlich, dass dies Nick – oder zumindest jemand, der etwas über Nick wusste – gewesen sein musste. Warum sonst sollte jemand plötzlich die Flucht ergreifen?

 

Ominöse Flugtickets von Nick Stolz

 

Drei Wochen nachdem Nick verschwunden war, loggte seine Schwester sich in seinen E-Mail Account ein. Zuvor bat sie bereits mehrfach die Polizei darum, die dies jedoch aufgrund des Datenschutzes ablehnte. Zwar war Jessica sein Passwort unbekannt, durch die richtige Beantwortung seiner Sicherheitsabfrage kam sie aber schließlich zum Ziel.

FlugticketIn Nick’s E-Mail Postfach entdeckte Jessica dann Erstaunliches: Dort befand sich ein Bahnticket von Aachen zum Düsseldorfer Flughafen. Weiterhin stieß sie auf ein Flugticket von Düsseldorf nach Barcelona sowie auf ein Flugticket von Barcelona nach Lissabon.

Durch einen Anruf bei der Airline erfuhr Jessica schließlich, dass der Flug tatsächlich angetreten wurde. Die Person, die den Flug antrat soll dazu auch noch 25 kg Übergepäck bei sich gehabt haben. Das Datum des Fluges war der Tag von Nick’s Verschwinden. Wie konnte es sein, dass Nick den Flug angetreten haben soll, aber gleichzeitig (wahrscheinlich) noch Tage nach seinem Verschwinden in Aachen gesichtet wurde?

Jessica konnte sich nicht vorstellen, dass Nick tatsächlich irgendwo hingeflogen sei. Er litt unter Flugangst. Zwar hatte er einmal mit Jessica’s Freund über das Thema Auswandern gesprochen, jedoch war nie die Rede von Barcelona oder Lissabon. Und wie konnte es sein, dass Nick 25 kg Übergepäck bei sich hatte, wenn auf der Überwachungskamera des elterlichen Hauses zu sehen war, dass Nick nicht mehr als einen Rucksack bei sich hatte?

 

Freiwilliges Verschwinden oder Gewaltverbrechen?

 

Jessica wunderte sich weiterhin sehr über den Brief, der in dem Paket an das Mädchen enthalten war. Der Brief war nicht handschriftlich, sondern per Computer verfasst. Es gab auch keine handschriftliche Unterschrift darin. In einem Interview sagte Jessica, dass auch die Ausdrucksweise in dem Brief überhaupt nicht zu Nick Stolz passte. Zum einen war er großer Auto-Fan, insbesondere vom Golf GTI. Das Wort „GTI“ im Brief war jedoch falsch geschrieben – „Gti“. Nick soll, wenn er sah, dass jemand dieses Wort falsch schrieb, immer darauf hingewiesen haben, wie man es richtig schreibt. In dieser Hinsicht soll er sehr pingelig gewesen sein. Auch wurde im Brief die Abkürzung „iwann“ statt „irgendwann“ verwendet. Solche Abkürzungen soll Nick gehasst haben.

Als Jessica das Bahn- sowie die Flugtickets fand, informierte sie selbstverständlich die Polizei über diesen Fund. Diese sah dies jedoch als eindeutiges Zeichen dafür, dass Nick freiwillig untergetaucht war.

Für Nick’s Familie war der Fall aber natürlich alles andere als klar. Verständlich, denn immerhin gab es noch einige widersprüchliche Details. Hätte Nick Deutschland freiwillig verlassen, um in einem anderen Land neu anzufangen – warum hätte er 10.000 € verschenken sollen? Die würde er doch brauchen. Ebenso sein Auto – das hätte er in einem solchen Fall doch eher selbst verkauft und das Geld aus dem Verkauf ebenfalls mit in sein neues Leben genommen!?

 

Unterstützung eines Detektivs

 

DetektivSchließlich engagierte Familie Stolz einen Detektiv, der die Suche nach Nick übernehmen sollte. Dieser war jedoch in seiner Arbeit stark beschränkt. Grund dafür war, dass die Polizei die beantragte Akteneinsicht verweigerte. Die Begründung lag darin, dass es sich laut der Polizei um einen reinen Vermisstenfall handelte und es keinen Hinweis auf strafbare Handlungen gegeben hätte. Dadurch wäre es zu einem Verstoß gegen die DSGVO gekommen, wenn die Polizei die Akte ausgehändigt hätte. Somit konnte auch der Detektiv keinen Ermittlungserfolg erbringen. Wichtige Informationen, die sich wahrscheinlich in der Akte befinden, fehlten ihm schlicht.

Da immer weniger Post von Nick ankam, entstand mit der Zeit die Hoffnung, dass er sich womöglich an seiner alten Wohnadresse ab- und an einer neuen Adresse angemeldet hätte. Eine Anfrage beim zuständigen Bürgerbüro ergab hingegen lediglich, dass dort sein Verschwinden bekannt war und deshalb entsprechende Maßnahmen getroffen wurden.

Mittlerweise glaubt Jessica nicht mehr, dass Nick noch am Leben ist. Sie kann sich nicht vorstellen, dass er die Familie einfach mit all diesen Sorgen und der quälenden Ungewissheit zurücklassen würden. Die Hoffnung, dass dies aber doch der Fall ist, ist natürlich trotzdem noch da.

 

Psychologische Einschätzung

 

Ein Psychologe, der Nick Stolz’s Verschwinden analysierte, sagte, Nick könnte die Sachen an seine Bekannte verschenkt haben, um den Eindruck zu erwecken, er wolle Selbstmord begehen. Sozusagen als falsche Fährte, um im Ausland neu anzufangen.

Genauso gut könnte er aber auch die Bahn- und Flugtickets gebucht haben, um den Eindruck zu erwecken, er würde im Ausland neu anfangen und sich tatsächlich aber das Leben genommen haben.

Ob eine von beiden Varianten – und falls ja, welche – der Wahrheit entspricht, das ist fraglich.

 

Mangelnde polizeiliche Ermittlungen?

 

Laut Aussage der Polizei verfügte diese über gesicherte Erkenntnisse, dass Nick tatsächlich Deutschland verlassen hat. Eine genauere Erklärung dieser Erkenntnisse erfolgte aber nicht.

Jessica erzählte in einem Interview, dass der Flughafen noch um die Aufzeichnungen der Überwachungskameras gebeten wurde. Da die Flugtickets aber erst drei Wochen nachdem Nick verschwunden war, gefunden wurden, waren die Aufzeichnungen des Abflugtages bereits nicht mehr vorhanden. Somit konnte also nicht festgestellt werden, wer nun tatsächlich den gebuchten Flug antrat.

Die einzig wirklich gesicherten Erkenntnisse, dass Nick Deutschland verlassen hat, würden sich meiner Meinung nach nur aus solchen Aufnahmen des Flughafens ergeben. Hier kommt es dann aber wieder zu einem Widerspruch. Wenn die Aufnahmen drei Wochen später schon nicht mehr vorhanden waren, hätte auch die Polizei diese nicht sichten können. Es sei denn, die Ermittler hätten bereits vor der Familie Kenntnis über diesen möglichen Flug gehabt. Die Kenntnis haben sie aber erst durch Jessica bekommen. Irgendetwas passt also an dieser Stelle einfach nicht.

 

Aktueller Stand

 

Der gekündigte Job sowie das abgebrochene Studium sprechen aus Jessica’s Sicht dafür, dass Nick sich möglicherweise tatsächlich das Leben genommen hat. Die Flugtickets könnten aus ihrer Sicht also wirklich einfach eine falsche Fährte gewesen sein.

Auch ein Verbrechen ist für sie aber nicht ausgeschlossen. Die ungewöhnliche Ausdrucksweise in dem computergeschriebenen Brief spricht für sie dafür. Außerdem waren die Felgen von Nick’s GTI, wie er ja selbst geschrieben hat, beim Pulverbeschichten. Einen Tag vor seinem Verschwinden wurde die Adresse, an die die Felgen nach Fertigstellung geschickt werden sollten, geändert. Und zwar in die Adresse seiner Bekannten. Nick’s Familie schließt nicht aus, dass dahinter ein Plan steckte.

Die Polizei wird in diesem Fall erst dann weiter ermitteln, wenn es neue Hinweise geben sollte. Man sagte der Familie Stolz aber zu, dass – sollte Nick’s Aufenthaltsort herausgefunden werden – sie in jedem Fall, ob mit oder ohne seinem Einverständnis, die Familie zumindest die Information bekommen wird, dass Nick am leben ist.

Bis heute wurde keine Leiche von Nick gefunden. Soweit es aus meinen Recherchen hervorgeht, wurde aber auch nicht mit der notwendig Intensität nach einer Leiche gesucht.

 

Nick Stolz’s Verschwinden ist auf jeden Fall äußerst mysteriös.

Was glaubt ihr, könnte passiert sein? Hat er sich wirklich abgesetzt? Hat er sich das Leben genommen? Oder wurde er Opfer eines Verbrechens? Und was hat es mit diesem mysteriösen Mädchen auf sich? Warum sollte er ihr all diese Dinge schenken, wenn sie doch seit 2 Jahren gar keinen Kontakt mehr hatten?

 

Keine Lust zu lesen? Hier das Video!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.