Freitag, 30 September 2022

Was geschah mit Anita Richter?

Die damals 14-jährige Anita Richter verabredete sich am 11. Juni 1999 mit einem Freund. Zu dieser Verabredung kam es jedoch nicht. Was mit ihr geschah, ist bis heute unklar…

 

Wer war Anita Richter?

 

Anita Richter ist am 14. Juni 1984 geboren. Sie lebte mit ihren Eltern in Raben Steinfeld. Dies ist ca. 10 km von Schwerin entfernt. Sie ging damals zur Schule und war laut ihren Eltern auch eine gute Schülerin. Zu ihren Eltern hatte sie laut diesen ein gutes Verhältnis. Sie zeichnete und malte sehr gerne und ihre Bilder hatten auch bereits eine gewisse Qualität.

Anita RichterIhre Freunde beschrieben sie als verschlossenen und nachdenklichen Mensch. So sagten sie auch, dass ihre Bilder traurig wirkten und den Eindruck erweckten, dass Anita etwas bedrücken würde. Ein paar dieser Bilder waren in der Sendung „Aktenzeichen XY“ vom 21. Mai 2014 zu sehen. Sie haben auch auf mich einen sehr traurigen Eindruck gemacht. Sie waren sehr düster und wirkten alles andere als glücklich.

Auch beschrieb eine ihrer Freundinnen sie als eher untypisches Mädchen. Anita soll immer „irgendwie anders“ gewesen sein. Sie hatte offenbar eine Seite an sich, die sie vor ihren Eltern geheim hielt. So hat sie des Öfteren auch an Bushaltestellen ihre Kleidung gewechselt – von „normaler“ Kleidung, wie sie 14-jährige eben tragen, zu schwarzer Kleidung.

Seit gut 6 Monaten hatte Anita auch einen Freund, sein Name war Markus. Er ging auf dieselbe Schule wie sie und spielte in einer Band. Es hatte aber den Anschein, als würde er sehr viel Zeit mit seiner Band und den Proben verbringen und nicht besonders viel Zeit für Anita haben. Anita soll wohl nicht mehr so ganz glücklich mit dieser Beziehung gewesen sein. Aussagen zufolge suchte sie bei Liebeskummer gelegentlich auch Trost bei älteren Jungen.

So soll sie auch in der Zeit vor ihrem Verschwinden einen neuen Freundeskreis gehabt haben, der aus älteren Freunden bestand. Diese sollen teilweise sogar schon Autos besessen haben. Ihren Eltern gegenüber hielt sie diese Freunde mehr oder weniger geheim. Ihre Eltern wussten zwar, dass es da noch Freunde gibt, erzählt hat sie aber nicht viel über diese.

Anita hielt sich auch gerne in verlassenen Gebäuden auf. In der Nähe von ihrem zu Hause gab es ein solches Gebäude. Dort traf sie manchmal ihre Freunde, war dort aber ab und zu auch alleine.

 

Was ist Anita passiert?

 

Es war der 11. Juni 1999, ein Freitag und nur drei Tage vor Anita’s 15. Geburtstag und der Hochzeitstag ihrer Eltern.

Anita wollte sich an diesem Tag eigentlich mit ihrem Freund treffen. Markus war aber mit seiner Bandprobe beschäftigt und konnte sich erst für den nächsten Tag mit Anita verabreden. Da Markus also keine Zeit für sie hatte, verabredete sie sich mit einem anderen Freund. Sie wollten sich gegen Abend in Schwerin treffen. Kurz nach 17 Uhr verließ Anita ihr zu Hause. Mitgenommen hatte sie nur ihren Haustürschlüssel. Mit ihrer Mutter vereinbarte sie noch, dass sie bis 21 Uhr wieder zu Hause sein wird. Sie wollte um 17.12 Uhr mit dem Bus nach Schwerin fahren. Die Bushaltestelle war nur gute 100 m vom Haus entfernt.

Da ihre Eltern Hochzeitstag hatten, wollten sie am Abend – eigentlich gemeinsam mit Anita – Essen gehen. Da Anita aber Liebeskummer hatte – ich nehme an, die Ursache dafür war die wenige Zeit, die ihr Freund für sie hatte – wollte Anita nicht mit ihren Eltern gehen. Es war zwar das erste Mal, dass sie so einen Wunsch äußerte, was ihre Eltern zwar komisch fanden, womit sie aber schließlich einverstanden waren. Sie gingen dann um 19 Uhr allein ins Restaurant.

Gegen 21.30 Uhr kamen ihre Eltern wieder zurück nach Hause. Von Anita gab es jedoch keine Spur. Es war ungewöhnlich, denn normalerweise hat Anita sich an solche Absprachen mit ihren Eltern gehalten. Diese haben sich zunächst noch keine Sorgen gemacht und vermutet, dass sie einfach ihren Bus verpasst hat. Auch nachdem der nächste Bus aber durch war, tauchte Anita nicht auf. Nun begannen ihre Eltern doch, sich Sorgen zu machen. Ihre Mutter fuhr die Busstrecke ab, konnte Anita aber nicht finden. Anschließend riefen ihre Eltern noch im Krankenhaus an und fragten dort nach, ob sie womöglich eingeliefert wurde, aber auch dort war Anita nicht zugegen.

Am nächsten Morgen rief ihre Mutter noch bei Anita’s bester Freundin an, die aber auch nicht wusste, wo sie sein könnte. Schließlich fuhren ihre Eltern also zur Polizei und gaben eine Vermisstenanzeige auf. Ich muss sagen, dass ich es persönlich schon ein bisschen komisch finde, dass ihre Eltern so lange gewartet haben. Wenn sie normalerweise sehr zuverlässig war und ja auch erst 14 Jahre alt war, wären dies zwei Schritte gewesen, die ich am gleichen Abend noch erledigt hätte. Wie seht ihr das?

 

Die Zeugenaussagen

 

Besonders viel über die Ermittlungsarbeit konnte ich bei meiner Recherche leider nicht herausfinden.

Der Freund, mit dem Anita Richter sich am Tag ihres Verschwindens in Schwerin treffen wollte, sagte aus, dass er an der Bushaltestelle Platz der Jugend auf sie gewartet habe. Angekommen sei sie dort aber nicht.

Und auch der Busfahrer, der zur entsprechenden Zeit Dienst hatte sowie die anderen Insassen, die sich im Bus befanden, konnten sich nicht daran erinnern, sie im Bus gesehen zu haben. Laut ihrer Anita Richter verlassenes GebäudeFreundin fuhren sie bereits seit 8 Jahren mit dieser Buslinie, so dass sie den Busfahrern durchaus bekannt waren. Wäre sie also im Bus gewesen, kann man davon ausgehen, dass der Busfahrer sie auch erkannt hätte. Ihre Freundin sagte aber auch, dass es schon durchaus mal vorkam, dass Anita trampte. Ihre Eltern wussten zwar nichts davon, aber welches 14-jährige Mädchen würde so etwas auch schon ihren Eltern erzählen… Auch sonst habe Anita laut ihrer Freundin vor nichts Angst gehabt und habe auch den Nervenkitzel gesucht.

Ein Zeuge meldete sich bei der Polizei und gab an, er habe Anita am 11. Juni 1999 gegen 18 Uhr an der Endhaltestelle in der Von-Stauffenberg-Straße in Schwerin gesehen. Er sagte weiterhin, sie sei zur Straßenbahnhaltestelle gegangen und wahrscheinlich Richtung Innenstadt gefahren. Ob es sich dabei aber tatsächlich um Anita handelte, konnte nicht bestätigt werden.

Andere Zeugen wollen sie in der Hamburger Drogenszene gesehen haben. Die Polizei ist dieser Meldung natürlich ebenfalls nachgegangen, aber auch diese Aussage konnte nicht bestätigt werden.

Eine Freundin von Anita sagte, dass sie in den Tagen vor ihrem Verschwinden sehr zurückhaltend war. Etwas hat sie bedrückt und man merkte ihr an, dass sie ein Problem hat. Kurz bevor Anita verschwand, sprach sie mit dieser Freundin. Sie erzählte ihr, dass sie ein ziemlich großes Problem hat und wollte sich später mit ihrer Freundin treffen, um darüber zu sprechen. Die beiden verabredeten sich für den Abend, aber da war Anita dann bereits verschwunden. Ihre Freundin vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Problem und ihrem Verschwinden gibt.

Ansonsten hat die Polizei in und um Raben Steinfeld, im Stadtteil Mueß, auf den Inseln Kaninchen- und Ziegelwerder sowie in etwa 100 Abrissgebäuden nach Anita gefahndet. Eine Hundestaffel sowie Polizeiboote kamen zum Einsatz, gefunden wurde Anita Richter aber nicht. Eine Belohnung von 2.500 € wurde ebenfalls von der Polizei ausgesetzt.

Ihre Eltern haben noch jahrelang, wenn sie außer Haus waren, einen Zettel mit ihren Telefonnummern zu Hause auf dem Tisch liegen lassen. Falls Anita in dieser Zeit heimgekommen wäre, hätte sie direkt eine Telefonnummer vorgefunden, die sie hätte anrufen können, um ihren Eltern die so lang ersehnte Nachricht ihrer Rückkehr mitzuteilen. Dieser Anruf ist aber leider nie erfolgt.

 

Keine Lust zu lesen? Hier das Video!

 

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