Tanja Mühlinghaus, ein 15-jähriges Mädchen aus Deutschland, trat am 21. Oktober 1998 eine Reise ins Ungewisse an, die bis heute nicht aufgeklärt ist. Ihre Eltern erhielten zwei mysteriöse Briefe, in denen Tanja versicherte, sie sei wohlauf und würde bald zurückkehren. Diese Worte gaben zunächst Hoffnung, doch mehr als zwei Jahrzehnte später bleibt Tanjas Schicksal weiterhin im Dunkeln, ein ungelöstes Rätsel, das nicht nur ihre Familie, sondern auch die Öffentlichkeit in Atem hält.

Wer war Tanja Mühlinghaus?

Tanja Mühlinghaus, geboren am 11. März 1983, wuchs in Wuppertal auf und besuchte das Carl-Duisberg-Gymnasium in Oberbarmen. Sie galt als talentierte und ehrgeizige Schülerin mit einer Leidenschaft für die darstellenden Künste, insbesondere träumte sie davon, eines Tages als Musical-Darstellerin auf der Bühne zu stehen. Um sich ihr Taschengeld aufzubessern, übernahm Tanja regelmäßig Babysitting-Jobs, was ihre Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein unterstreicht.

Tanja Mühlinghaus

Tanja Mühlinghaus

Tanja genoss es, ihre Freizeit in Tanzkursen zu verbringen, und hatte gerade die Aufregung ihrer ersten romantischen Beziehung erlebt, da sie seit einigen Wochen einen festen Freund hatte.

Als Einzelkind lebte sie bei ihren Eltern, aber ihr Familienleben war nicht frei von Spannungen. Häufige Auseinandersetzungen, verursacht durch das Gefühl, von ihren Eltern übermäßig kontrolliert zu werden, belasteten das Verhältnis. Tanjas Wunsch nach mehr Unabhängigkeit führte sie sogar zu dem Entschluss, ausziehen und in eine betreute Wohngruppe für Jugendliche ziehen zu wollen. Sie sah dies als einen Ausweg aus der häuslichen Situation, in der sie sich eingeengt fühlte. Jedoch wurde ihr Antrag vom Jugendamt abgelehnt, was Tanjas Gefühl der Hilflosigkeit und des Eingesperrtseins in ihrer aktuellen Lebenssituation verstärkte.

Was ist passiert?

Am Morgen des 21. Oktober 1998 begann für die 15-jährige Tanja Mühlinghaus ein scheinbar normaler Schultag in Wuppertal. Allerdings fielen die ersten Stunden aus, weshalb sie später zur Schule gehen konnte. Noch zu Hause, rief Tanja ihre Mutter an, die bereits im Büro war, und bat sie um Abholung von der Schule am Mittag. Danach machte sich Tanja, wie vermutet, auf den Weg zur Bushaltestelle.

Nach Schulschluss wartete Tanjas Mutter vergeblich vor der Schule auf ihre Tochter. Ohne Besorgnis fuhr sie zurück nach Hause, da es zu dieser Zeit, als Handys noch nicht allgegenwärtig waren, durchaus üblich war, dass sich Jugendliche spontan zu Aktivitäten verabredeten.

Tanjas Mutter Elisabeth ging ihrer Tagesroutine nach, bis sie gegen 16.30 Uhr von einer Schulfreundin ihrer Tochter erfuhr, dass Tanja gar nicht in der Schule erschienen war. Diese Nachricht löste Besorgnis und Unruhe aus, insbesondere da Tanja weder Geld noch Ausweisdokumente bei sich trug. Trotz anfänglicher Hoffnung auf Tanjas baldige Rückkehr wuchs die Sorge in der Familie. Elisabeth stand vor einem Bild ihrer Tochter und äußerte die beklemmende Vorahnung: „Tanja, es wird lange dauern, bis ich dich wiedersehe, 20 bis 30 Jahre, wenn überhaupt“. Um 21.15 Uhr gaben die Eltern schließlich eine Vermisstenanzeige auf, als Tanja auch am Abend nicht nach Hause zurückkehrte.

Die Polizei neigte in Fällen wie dem Verschwinden von Tanja Mühlinghaus dazu, zunächst von einer jugendlichen Rebellion und einem möglichen Ausreißen auszugehen. Dieses Szenario schien umso plausibler angesichts des oft angespannten Verhältnisses zwischen Tanja und ihren Eltern, das durch regelmäßige Konflikte geprägt war.

Die Theorie einer jugendlichen Flucht erhielt zusätzliche Nahrung, als bereits am Tag nach Tanjas Verschwinden, am 22. Oktober 1998, ein Brief bei ihren Eltern einging, der von Tanja verfasst worden sein sollte. In diesem Schreiben stand:

“Liebe Mama, lieber Papa! Macht euch keine zu großen Sorgen. Ich bin gesund und werde in 2-3 Wochen wieder zu Hause sein. Deshalb braucht ihr mich nicht zu suchen. Kümmert euch bitte um die Hasen und um das Babysitten. Behaltet bitte die Sachen, die ich bestellt habe. Lasst euch für die Zeit was für die Schule einfallen. Ich brauche ein bisschen Abstand und werde mich nächste Woche noch einmal melden. Eure Tanja!”

Brief von Tanja

Brief von Tanja

Die Erleichterung ihrer Eltern über Tanjas erste Nachricht war groß, obwohl sie noch immer im Dunkeln darüber waren, wo sich Tanja aufhielt und was genau geschehen war. Die Botschaft, dass Tanja am Leben und wohlauf war, gab ihnen jedoch Hoffnung.

Diese Zuversicht wurde weiter genährt, als nur wenige Tage später, am 26. Oktober, ein weiterer Brief von Tanja eintraf. Dieser enthielt die Nachricht:

„Liebe Mama, lieber Papa, ihr braucht euch noch immer keine Sorgen zu machen. Mir geht es gut und ich werde nun doch schon am nächsten Wochenende nach Hause kommen. Deshalb braucht ihr mich nicht zu suchen. Ich hoffe, ihr habt oder werdet die Sachen erledigen, um die ich euch im letzten Brief gebeten habe. Eure Tanja.“

Voller Hoffnung und Erwartung bereiteten sich Tanjas Eltern auf ihre baldige Rückkehr am angekündigten Wochenende vor. Sie warteten gespannt und sehnsüchtig auf ihre Ankunft. Doch als das Wochenende kam und verging, blieb Tanja verschwunden. Ihre Eltern warteten vergeblich, und die Enttäuschung und Sorge wuchsen mit jeder vergehenden Stunde, in der Tanja nicht nach Hause zurückkehrte.

Die Ermittlungen

Als die ersten Briefe von Tanja bei ihren Eltern eingingen, wurde das Ausmaß der polizeilichen Ermittlungen zunächst reduziert. Doch als Tanja entgegen ihrer Ankündigung nicht nach Hause zurückkehrte, intensivierten die Ermittler ihre Bemühungen.

Das Landeskriminalamt übernahm die Untersuchung der Handschrift in den Briefen. Durch den Abgleich mit Schriftproben aus Tanjas persönlichen Unterlagen konnte bestätigt werden, dass die Briefe tatsächlich von ihr stammten. Tanjas Mutter äußerte jedoch Zweifel am Schreibstil der Briefe. Sie bemerkte, dass Tanjas gewöhnliche Art zu schreiben, die durch blumigere Formulierungen und verschachtelte Sätze gekennzeichnet war, sich von dem Stil in den Briefen unterschied.

Suchplakat

Suchplakat

Darüber hinaus wurden die Briefe auf DNA-Spuren untersucht. Die Analyse bestätigte, dass Tanja die Briefe berührt hatte – ein Abgleich mit DNA von ihrer Zahnbürste ergab eine Übereinstimmung. Diese Untersuchung wies jedoch auch darauf hin, dass Tanja nicht allein war, als sie die Briefe verfasste. Die Vermutung lag nahe, dass sie möglicherweise unter Zwang gehandelt hatte.

In der Zwischenzeit hängten Tanjas Eltern überall Suchplakate auf und die Polizei führte Gespräche mit allen Personen aus Tanjas Umfeld, einschließlich Ermittlungen im Rotlichtmilieu.

Am 2. November 2011 wurde Tanjas Fall in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ vorgestellt. Obwohl daraufhin einige Anrufe bei der Polizei eingingen, führten diese leider nicht zu konkreten neuen Spuren oder Erkenntnissen im Fall. Tanjas Schicksal blieb weiterhin ein Rätsel, und die Ermittlungen gingen unvermindert weiter, um Antworten auf die vielen offenen Fragen zu finden.

Die Zeugen

Die Unsicherheit und das Rätsel um Tanjas Verschwinden führten dazu, dass die Polizei ihre Ermittlungen erneut intensivierte, nachdem Tanja nicht wie in ihren Briefen angekündigt nach Hause zurückkehrte. Die Handschriftenanalyse des Landeskriminalamtes, die Schriftproben aus Tanjas persönlichen Dokumenten mit den Briefen verglich, bestätigte, dass Tanja die Briefe selbst geschrieben hatte. Tanjas Mutter äußerte jedoch Bedenken über den Schreibstil in den Briefen, der sich von Tanjas typischer Ausdrucksweise unterschied.

Die Untersuchung der Briefe auf DNA-Spuren ergab, dass Tanja sie tatsächlich berührt hatte, was durch den Vergleich mit DNA von ihrer Zahnbürste bestätigt wurde. Interessanterweise zeigte die Untersuchung auch, dass Tanja beim Schreiben der Briefe nicht allein war, was die Vermutung weckte, dass sie möglicherweise unter Zwang handelte.

Währenddessen verteilten Tanjas Eltern Suchplakate und die Polizei befragte Personen aus Tanjas Umfeld, einschließlich Nachforschungen im Rotlichtmilieu. Die Ausstrahlung von Tanjas Fall in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ am 2. November 2011 führte zu einigen Anrufen bei der Polizei, jedoch ohne konkrete neue Spuren.

Das anhaltende Rätsel um Tanjas Verschwinden und das Fehlen entscheidender Hinweise stellten sowohl für ihre Familie als auch für die Ermittler eine anhaltende Herausforderung dar. Trotz intensiver Bemühungen blieben viele Fragen unbeantwortet, und Tanjas Schicksal blieb ungewiss. Die Ermittlungen wurden fortgesetzt in der Hoffnung, irgendwann Antworten zu finden und das Geheimnis um Tanjas Verschwinden zu lüften.

Tanja Mühlinghaus

Tanja Mühlinghaus

Das Leben von Tanja’s Eltern nach ihrem Verschwinden

Das tragische Verschwinden von Tanja Mühlinghaus hatte tiefe und langanhaltende Auswirkungen auf ihre Familie. Während Tanjas Mutter psychologische Unterstützung suchte, um mit dem Verlust ihrer Tochter umzugehen, äußerte Tanjas Vater große Unzufriedenheit mit den Ermittlungen. Er war der Ansicht, dass die Polizei nicht genug unternommen hatte, um Tanja zu finden, und diese Meinung mag angesichts der Verzögerungen im Ermittlungsprozess berechtigt gewesen sein. Trotz der Hinweise aus den Briefen blieb die Tatsache bestehen, dass Tanja erst 15 Jahre alt war und ihr Aufenthaltsort unbekannt blieb, was das Risiko einer möglichen Gefährdung ihres Wohlergehens erhöhte.

In den ersten drei Jahren nach Tanjas Verschwinden blieb ihr Zimmer unverändert, als würde die Zeit stillstehen. Doch nach der Trennung von Tanjas Eltern wurde ihr Zimmer aufgelöst, und ihre Mutter, Elisabeth, richtete in ihrem neuen Wohnzimmer eine spezielle Ecke für Tanja ein. Dieser Bereich, ausgestattet mit einigen von Tanjas alten Möbeln und Dekorationen, diente als ein Ort der Erinnerung und Reflexion.

Trotz des schmerzhaften Verlusts und der vielen unbeantworteten Fragen hielt Tanjas Mutter immer noch an der Hoffnung fest, dass ihre Tochter am Leben ist. Sie lernte, mit dem ungewissen Schicksal ihrer Tochter zu leben. Auf einer Website, die Tanjas Fall gewidmet war, richtete Elisabeth persönliche Worte an ihre vermisste Tochter, ein Zeichen ihrer unerschütterlichen Liebe und Hoffnung. In diesen schwierigen Zeiten war es für die Familie ein fortwährender Kampf, Antworten zu finden und mit der Realität von Tanjas mysteriösem Verschwinden umzugehen.

“Das ist mein einziger und sehnlichster Wunsch: Von dir alles zu hören, was du durchgemacht hast, was dich bewogen hat, wegzugehen, was du mir vorwirfst und ob du mir verzeihen kannst. (…) Ich bin nicht mehr mit Papa verheiratet. (…) Wenn du den Weg nur zu mir finden möchtest, dem steht nichts im Wege. Eines möchte ich dir noch sagen: Du brauchst dich für nichts zu schämen und vor nichts mehr Angst haben. Wenn einer sich schämen muss, dann bin ich es. Weil ich nicht merkte, wie es dir ging.”

Mittlerweile ist Tanja’s Vater verstorben.

Die Wendung durch Patrick O.

Die unerwartete Kontaktaufnahme von Patrick im Jahr 2014 eröffnete ein neues Kapitel im Fall Tanja Mühlinghaus. Seine Behauptung, Tanja im Jahr 1999 in einer Frankfurter Drückerkolonne kennengelernt zu haben, weckte neues Interesse an dem seit langem ungelösten Fall. Drückerkolonnen sind berüchtigt für ihre oft kriminellen und fragwürdigen Verkaufsmethoden an der Haustür, wobei ihre Mitarbeiter häufig unter extremen und manipulativen Bedingungen arbeiten, die sich bis hin zu psychischem Druck und Gewalt erstrecken können.

Die umfangreiche Aussage von Patrick, die insgesamt 74 Seiten umfasste, enthielt bemerkenswerte Details, die nicht aus den Medien stammen konnten. Diese Informationen, die Patrick angeblich nur durch eine persönliche Bekanntschaft mit Tanja haben konnte, beinhalteten unter anderem Einblicke in die familiäre Situation der Mühlinghaus’. Er beschrieb eine Fassade der heilen Familie, die sich jedoch hinter den Kulissen ganz anders darstellte.

Diese überraschenden und spezifischen Details weckten in Tanjas Familie neue Hoffnung. Nach 16 Jahren der Ungewissheit und des Schmerzes bot Patricks Aussage die Möglichkeit, vielleicht doch noch Antworten zu finden und möglicherweise sogar wieder in Kontakt mit Tanja zu treten. Für die Familie und Ermittler war dies ein potenziell bedeutender Durchbruch, der Licht in das Dunkel von Tanjas mysteriösem Verschwinden bringen könnte.

Die Geschichte, die Patrick Tanjas Familie erzählte, nahm eine dramatische Wendung. Er behauptete, Tanja habe in der Drückerkolonne nicht nur gearbeitet, sondern sei auch zur Prostitution gezwungen worden. Ein schockierendes Detail, das er weiterhin preisgab, war ein Vorfall, bei dem Tanja angeblich von dem Chef der Drückerkolonne in einem Waldstück bei Königswinter angeschossen worden sei. Um diese Behauptung zu untermauern, führte Patrick die Polizei und Spürhunde zu dem vermeintlichen Ort des Geschehens. Allerdings blieb die Suche ergebnislos; es gab keine Hinweise oder Anzeichen dafür, dass Tanja tatsächlich an diesem Ort gewesen war.

Nach dieser Enttäuschung verschwand Patrick plötzlich und tauchte erst drei Jahre später, 2017, wieder auf. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel, inhaftiert wegen Betrugs und schwerer Körperverletzung. Seine neuen Behauptungen waren noch unglaublicher: Tanja habe die Schüsse überlebt, und er sei weiterhin in Kontakt mit ihr, ja, sie hätten sogar eine gemeinsame Tochter.

Trotz aller Zweifel und Enttäuschungen, die Tanjas Familie bereits durchgemacht hatte, flammte die Hoffnung erneut auf. Tanjas Mutter, Elisabeth, begleitete von ihrer Nichte und einem Kamerateam, machte sich auf den Weg zur JVA Wolfenbüttel, um Patrick persönlich zu treffen. Trotz der Ungewissheit und der zwielichtigen Natur von Patricks Geschichten, klammerte sich Elisabeth an die Möglichkeit, über ihn vielleicht doch wieder Kontakt zu Tanja herzustellen. Sie gab sogar an, dankbar für die neu geweckte Hoffnung zu sein, unabhängig davon, wie fragwürdig Patricks Charakter sein mochte. Diese emotionale Fahrt nach Wolfenbüttel symbolisierte die unerschütterliche Hoffnung und das unermüdliche Streben der Familie, Antworten auf das Schicksal ihrer geliebten Tochter zu finden.

Tanja Mühlinghaus

Tanja Mühlinghaus

Der Besuch in der JVA

Bei ihrem Besuch in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel stellten Tanjas Mutter und ihre Cousine Patrick Fragen, um mehr über Tanjas neues Leben und ihre Identität zu erfahren. Patrick behauptete, Tanja lebe jetzt unter dem Namen Melanie in Frankfurt und habe einen gefälschten Ausweis, der sie als 20 Jahre alt ausweise. Er betonte, dass in den Kreisen, in denen sich Tanja aufhielt, das Beschaffen von gefälschten Dokumenten und das Führen eines neuen Lebens keine Seltenheit sei.

Während des Gesprächs erklärte Patrick, dass Tanja von dem Treffen wisse und besorgt sei, es könne zu Vorwürfen von ihrer Mutter kommen. Er versprach, Tanja über den positiven Verlauf des Treffens zu informieren und die Möglichkeit eines direkten Kontakts zwischen ihr und ihrer Familie zu erörtern.

Obwohl Tanjas Mutter und ihre Nichte nach dem Gespräch Patrick gegenüber positiv gestimmt waren und seine Geschichte für glaubhaft hielten, blieben sie skeptisch und baten wiederholt um konkrete Beweise, die bestätigen würden, dass Patrick tatsächlich mit Tanja in Kontakt stand. Trotz ihrer wiederholten Bitten konnte Patrick jedoch keine stichhaltigen Beweise für seine Behauptungen vorlegen, was die Situation weiterhin im Ungewissen ließ. Die Familie blieb in einer quälenden Schwebe, zwischen Hoffnung auf ein Wiedersehen und der Befürchtung, erneut enttäuscht zu werden.

Treffen mit Tanja

Nach dem vielversprechenden Treffen in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel vergingen neun Monate, in denen Elisabeth, Tanjas Mutter, keine weiteren Nachrichten von Patrick erhielt. Doch dann meldete sich Patrick erneut und teilte mit, dass er inzwischen wieder auf freiem Fuß sei und in der Nähe von Tanja und ihrer angeblichen gemeinsamen Tochter lebe. Patrick weckte neue Hoffnungen, indem er vorschlug, mit Tanja nach Wuppertal zu kommen, damit Elisabeth ihre Tochter endlich wiedersehen könne. In der Zwischenzeit schickte er auch Fotos von dem Mädchen, das angeblich Tanjas und seine Tochter sein sollte, was die Hoffnung weiter nährte.

Die Planungen für das ersehnte Wiedersehen wurden konkreter, und schließlich wurde ein fester Termin für das Treffen vereinbart. Mit der Annäherung dieses Termins stieg auch die Aufregung und Spannung bei Elisabeth und ihrer Familie. Sie begannen sich zu fragen, ob Elisabeths dunkle Vorahnung am Tag von Tanjas Verschwinden, dass es sehr lange dauern könnte, bis sie ihre Tochter wiedersehen würde, nun nach fast 20 Jahren Wirklichkeit werden könnte. Die Möglichkeit eines Wiedersehens nach so vielen Jahren der Ungewissheit und des Schmerzes brachte eine Mischung aus Hoffnung, Freude und Angst mit sich.

Am Vorabend des lang ersehnten Treffens erhielt Elisabeths Nichte eine beunruhigende Nachricht von Patrick. Er schrieb: „Bitte sage das, was ich jetzt schreibe, noch nicht deiner Tante. Ich habe gestern Nacht lange mit Tanja geschrieben… sie hat Angst vor dem morgigen Tag und ist sich nicht sicher, ob sie das durchstehen kann… Ich werde heute Nachmittag bei ihr und Jani (der Tochter) sein. Vielleicht könnt ihr beide dann mal telefonieren, falls es für sie in Ordnung ist… Jani hat mir um 23:40 Uhr geschrieben, dass ihre Mama weint, dann haben wir gechattet… Ich melde mich dann. Grüße, Pat.“

Doch die Situation verschlechterte sich weiter, als später eine Nachricht eintraf, die angeblich von Tanja selbst stammte: „Hallo, ich weiß, dass es jetzt ziemlich hart klingt, aber ich kann morgen nicht nach Wuppertal kommen. Ich schaffe das einfach nicht. Es tut mir wirklich leid, aber sobald ich euch persönlich gegenüberstehe, ist mein jetziges Leben vorbei und ich wäre wieder Tanja. Es ist meine Entscheidung, und ich muss auch an mein Kind denken. In den nächsten Tagen werde ich telefonisch Kontakt aufnehmen, aber alles Weitere braucht seine Zeit. Bis bald, Melli.“

Nach dieser Nachricht brach jeglicher Kontakt ab. Es gab keine weiteren Anrufe, persönlichen Treffen oder Nachrichten. Die Hoffnungen und Erwartungen, die sich um das geplante Treffen aufgebaut hatten, wurden schmerzhaft enttäuscht. Die Familie blieb zurück mit einer Mischung aus Verwirrung, Trauer und ungeklärten Fragen. Die Ungewissheit über Tanjas Schicksal und die Gründe für das plötzliche Abbrechen des Kontakts blieben bestehen, was die Situation für Elisabeth und ihre Familie noch schwieriger machte.

Tanja’s Mutter fühlte sich anschließend – wie sicher jeder sehr gut nachvollziehen kann – sehr benutzt von Patrick. Man fragt sich zu Recht, was sollte das? Warum tut man das einem Menschen an? Hat er sie all die Jahre belogen? Oder hat er doch die Wahrheit gesagt und Tanja will mit ihrem alten Leben einfach nichts mehr zu tun haben?

Hätten die Beamten, als Patrick von in der JVA war, es nicht wissen müssen, wenn er tatsächlich Kontakt zu Tanja Mühlinghaus hatte, bzw. natürlich auch, wenn genau das nicht der Fall gewesen wäre? Und woher sollte er die Infos über Tanja’s Leben gehabt haben, die nirgendwo bekannt gegeben wurden, wenn nicht von Tanja selbst?

So viele Fragen bleiben bei diesem Fall offen. Ich wünsche Tanja’s Familie sehr, dass sie irgendwann noch erfahren, was mit ihr tatsächlich passiert ist. Und im besten Fall natürlich auch das langersehnte Wiedersehen.

Ungeklärtes Schicksal – Der Fall Tanja Mühlinghaus

Die Geschichte von Tanja Mühlinghaus bleibt bis heute ein Mysterium, umhüllt von Fragen und Spekulationen. Über zwei Jahrzehnte nach ihrem Verschwinden ist Tanjas Schicksal weiterhin ungewiss. Dieser Fall verdeutlicht die unermüdliche Suche einer Familie nach Antworten und die schmerzhafte Realität des Nichtwissens. Trotz der vielen Bemühungen und Wendungen in den Ermittlungen bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Was geschah wirklich mit Tanja Mühlinghaus?

Haben Sie ähnliche Fälle erlebt oder kennen Sie Geschichten von Vermissten, die nach vielen Jahren wiedergefunden wurden? Teilen Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren und diskutieren Sie mit uns über die Möglichkeiten und Herausforderungen in solch rätselhaften Fällen. Ihre Perspektiven und Einsichten können helfen, das Bewusstsein für diese tragischen Situationen zu schärfen und die Hoffnung auf Antworten lebendig zu halten.

Quellen

  • https://www.vvk-deutschland.de/Tanja-Muehlinghaus.htm
  • https://www.bild.de/news/inland/news-inland/fall-tanja-im-podcast-ein-vermisstenfall-zwei-mysterioese-briefe-79825552.bild.html
  • https://www.solinger-tageblatt.de/solingen/vermisste-tanja-polizeisprecher-kresta-ermittler-3967098.html
  • https://wuppertal-total.de/stadtleben/fall-tanja-muehlinghhaus-in/
  • https://www.wuppertaler-rundschau.de/lokales/wo-ist-tanja_aid-37201285
  • https://www.wz.de/nrw/wuppertal/tanja-muehlinghaus-seit-zehn-jahren-gibt-es-kein-lebenszeichen-von-ihr_aid-30593925
  • https://www.welt.de/vermischtes/article141449529/Die-Qual-nicht-zu-wissen-was-mit-dem-Kind-ist.html
  • https://www.rga.de/rhein-wupper/keine-spur-tanja-muehlinghaus-4042787.html
  • https://www.presseportal.de/pm/7840/2133742
  • https://www.express.de/news/debbie-8-tanja-15-in-nrw-gibt-es-13-seit-jahren-vermisste-kinder-52109?cb=1658244782717
  • https://www.bz-berlin.de/archiv-artikel/ardennen-killer-spur-nach-deutschland
  • https://www.wunschliste.de/tvnews/m/wo-ist-mein-kind-neues-xy-special-am-2-november
  • https://www.rundschau-online.de/vermisste-personen–die-ungewissheit-zehrt-taeglich-11265510?cb=1658244799937&
  • https://www.wuppertaler-rundschau.de/lokales/wo-ist-tanja_aid-37201285
  • https://www.fernsehserien.de/menschen-hautnah/folgen/25-wo-ist-mein-kind-verzweifelte-eltern-und-das-spiel-mit-der-hoffnung-1124044
  • https://wuppertal-total.de/stadtleben/fall-tanja-muehlinghhaus-in/
  • https://liascrimetime.podigee.io/34-neue-episode
  • https://open.spotify.com/episode/5JyUIchedfmdkPsi3OolrJ
  • https://www.bild.de/video/clip/bild-tv/achtung-fahndung-tanja-muehlinghaus-seit-23-jahren-vermisst-77746006.bild.html
  • https://www.youtube.com/watch?v=rnhuWT_U2Qc
  • https://www.youtube.com/watch?v=3D2JEEWLwOs
  • https://www.youtube.com/watch?v=o7cik6aeN8c
  • https://www.youtube.com/watch?v=R-XoRupajbU
  • https://www.youtube.com/watch?v=gWyrNEptVqo
  • https://www.youtube.com/watch?v=WVkgOegchRc
  • https://www.youtube.com/watch?v=JdOy3vJfGvo
  • https://www.youtube.com/watch?v=Q6BGuc3PNec

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1 comment

Mr. Stoo 17. September 2023 - 17:56

Ach was, Patrick O. ist einfach ein Lügner und Betrüger. Ein Pseudologe, der eine perfekte Mischung aus Cold- und Hot-Reading beherrscht. Er wusste genau, dass die Mutter verzweifelt ist und wollte sich auf diese Weise ins Gespräch bringen und sich wichtig machen. Er hatte einfach Bock da drauf, da muss es nicht um Geld gehen.

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