Freitag, 30 September 2022

Die Taten des Mittagsmörder

Der Mittagsmörder war ein Serienmörder, der zwischen 1960 und 1965 aus Habgier mehrere Menschen in und um Nürnberg ermordete. 1965 wurde er zu 50 Jahren Zuchthaus verurteilt. Seit dem Jahr 2015 befindet er sich wieder in Freiheit.

 

Wer war der Mittagsmörder?

 

Der bürgerliche Name des Mittagsmörders lautete Klaus G. Klaus wurde 1940 in Frankfurt an der Oder geboren. Sein Vater war Berufsoffizier und galt seit 1945 als vermisst. Klaus hatte auch noch einen Bruder.

Bis zum Jahr 1945 lebte Klaus in Meseritz in Ostbrandenburg. Ab 1949 lebte er dann in Hersbruck, eine Stadt in der Nähe von Nürnberg. Dort ging er schließlich 5 Jahre zur Volksschule und wechselte ab dem Jahr 1951 zur Oberrealschule. Dort musste Klaus G. eine Klasse wiederholen und fiel schließlich durch die Reifeprüfung. Er wechselte dann zur Oberschule in Ingolstadt, wo er im Juli 1962 sein Abitur machte.

Ab Herbst 1962 studierte er an der Höheren Wirtschaftsfachschule in Nürnberg Volkswirtschaft. Dieses Studium brach er dann aber ab.

Im Sommer 1964 bewarb er sich als Offizier und rückte im Oktober ein. Er strebte schnell seine Entlassung an, die ihm aber verwehrt blieb. Er desertierte daraufhin im April 1965 und lebte anschließend unter falschem Namen in Nürnberg.

 

Die Morde

 

Sämtliche Morde, die Klaus G. begangen hat, fanden in der Mittagszeit, wenn die Kirchenglocken läuteten, statt. Deshalb wurde ihm die Bezeichnung „Der Mittagsmörder“ verliehen.

Da Klaus kein eigenes Einkommen hatte und monatlich nur ein Taschengeld von 40 bis 50 Mark von seiner Mutter bekam, konnte schnell Habgier als sein Motiv festgehalten werden.

 

Mord 1

 

Seinen ersten Mord beging der Mittagsmörder am 22. April 1960. Er überfiel eine ältere Frau in ihrer Wohnung in der Nürnberger Tuchergartenstraße. Als die Frau um Hilfe schrie, eilten ihre Untermieterin, die bereits Mutter war, sowie deren Verlobter schnell herbei, um zu sehen, was los war. Beide wurden von Klaus G. erschossen. Klaus verschwand, ohne Beute. Die ältere Frau blieb am Leben.

Natürlich verständigte sie sofort die Polizei. Nachdem diese eintraf, konnte der Täter durch die ältere Frau auch sehr gut beschrieben werden. Sämtliche Polizeidienststellen in Nürnberg und Umgebung wurden anschließend alarmiert. Gefasst werden konnte Klaus aber nicht.

In der Folgezeit gingen Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung ein. Zusammen mit der Überlebenden sichtete die Polizei 2.000 Fotos aus der Verbrecherkartei. Es wurden Fingerabdrücke verglichen und Verbindungen zu ähnlichen Fällen untersucht. 17.000 Mark Belohnung wurden auf Klaus ausgesetzt. Außerdem fanden auch viele Gegenüberstellungen statt. Als Tatwaffe konnte eine belgische Selbstladepistole Fabrique Nationale Herstal Kaliber 7,65 mm identifiziert werden.

Trotz sämtlicher Maßnahmen kam es aber auch ein Jahr nach der Tat noch immer zu keinem Erfolg durch die Ermittler. Damit begann dann eine der größten Fahndungsaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sämtliche Männer der Jahrgänge 1939 und 1940, die zur Tatzeit in Nürnberg lebten, wurden überprüft. Dies entsprach der unvorstellbaren Anzahl von 50.366 Personen. Dazu wurden auch noch 1.174 Männer aus einer Partnervermittlung überprüft. Grund hierfür war, dass die ältere Frau in einer Partnervermittlung arbeitete.

 

Mord 2

 

Am 10. September 1962 kam es schließlich zum zweiten Mord durch den Mittagsmörder. An diesem Tag überfiel er eine Sparkasse in Ochenbruck. Ochenbruck gehört zur Gemeinde Schwarzenbruck und ist ca. 25 km von Nürnberg entfernt.

Er erschoss dabei den Filialleiter Erich Hallbauer. Erich Hallbauer war 50 Jahre alt und hatte eine 14-jährige Tochter.

Klaus G. erbeutete bei diesem Überfall 3.000 Mark und kaufte sich von diesem Geld ein neues Auto.

Von Zeugen konnte sein Fluchtweg noch bis zum Bahnhof verfolgt werden, dann verlor sich seine Spur. Als Tatwaffe konnte eine Walther PPK identifiziert werden.

 

Mord 3

 

Lagen zwischen den ersten beiden Überfällen noch knapp 2,5 Jahre, erfolgte der nächste Überfall bereits ca. zwei Monate später – am 30. November 1962. Wieder suchte sich der Mittagsmörder eine Sparkasse als Tatort aus. Dieses Mal war es die Sparkassenzweigstelle Neuhaus an der Pegnitz, eine Gemeinde im Landkreis Nürnberg und ca. 55 km von Nürnberg entfernt.

Nachdem Klaus G. die Sparkasse betrat, betrag auch ein Mann, Oskar Seidel, die Sparkasse. Oskar Seidel war 51 Jahre alt. Seit dem Krieg war er schwerhörig, weswegen er nicht mitbekam, dass in der Filiale gerade ein Überfall stattfand. Er hob die Hand und wollte in seine Brusttasche greifen, um seine Brille herauszuholen und ein Überweisungsformular auszufüllen. Nachdem der Mittagsmörder sah, wie Oskar sich in die Tasche greifen wollte, erschoss er auch ihn.

Kurz nach Oskar Seidel betrag noch eine Frau, Gretel Lang mit ihrem kleinen Kind, die Zweigstelle, die mit ansehen musste, wie vor ihnen ein Mann erschossen wurde.

Auch bei diesem Überfall erbeutete Klaus mehrere tausend Mark. Für 4.000 Mark kaufte er sich wieder ein neues Auto, den Rest gab er für diverse anderen Anschaffungen aus.

Als Tatwaffe dieses Überfalls konnte eine Walther P38 identifiziert werden.

 

Mord 4

 

Der nächste Überfall fand im Nürnberger Waffengeschäft Hannwacker statt. Dort wollte er wieder Geld und außerdem auch Waffen stehlen. Als Klaus das  Geschäft betrat, war zunächst niemand zu sehen. Er begann also sofort damit, nach seiner Beute zu suchen. Kurz darauf kam die Ladeninhaberin, Karola Hannwacker, aber aus den Hinterräumen. Sie war 58 Jahre alt.

Als sie sah, was im Geschäft vor sich ging, rief sie sofort ihren 30-jährigen Sohn, Helmut. Helmut kam seiner Mutter natürlich sofort zur Hilfe, so dass es schließlich zu einem Handgemenge zwischen Helmut und Klaus kam. Es gelang Klaus dabei aber, seine Waffe in die Hand zu bekommen. So erschoss dann zunächst Karola und anschließend Helmut.

Er stahl anschließend noch schnell einen kleineren Geldbetrag und flüchtete.

 

Mord 5

 

Am 1. Juni 1965 kam es dann zur letzten Tag des Mittagsmörders.

Er befand sich in einem Nürnberger Bekleidungsgeschäft und wollte dort einer Kundin die Handtasche klauen. Der Hausmeister, Hermann Thieme, kam der Frau jedoch zur Hilfe und wollte sie beschützen.

Klaus G. flüchtete daraufhin aus dem Geschäft und Hermann Thieme lief ihm hinterher. In der Fußgängerzone Breite Gasse kam es daraufhin zu einer Schießerei, bei der Hermann getötet wurde. Zwei weitere Personen wurden dazu noch schwer verletzt.

Die Polizei war aber so schnell vor Ort, dass Klaus G. dort endlich verhaftet werden konnte.

 

Weiterer Mord

 

Klaus G. gestand außerdem noch einen Doppelmord an der 46-jährigen Werkstattgehilfin Valeska Eder sowie ihren Verlobten, den 54-jährigen Versicherungsvertreter Enrique Hering. Die beiden sollen gerade beim Kartenspielen gewesen sein, als ihrem Leben ein unnötiges Ende gebracht wurde.

Dieses Geständnis hat Klaus später aber widerrufen.

 

Das Verfahren

 

Nachdem der Mittagsmörder am 1. Juni 1965 von der Polizei geschnappt werden konnte, kam er direkt in Haft. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade einmal 24 Jahre alt. Bei sich hatte er drei Pistolen, einen Totschläger sowie Feuerwerkskörper.

Zunächst leugnete er seine Verbrechen.

Die Pistolen, die man bei ihm fand konnten jedoch als Tatwaffen identifiziert werden. Außerdem fand man heraus, dass er seine Waffen bei Diebstählen in den Jahren 1959, 1960 und 1962 erbeutete. Hinzu kam auch noch, dass ein Zeuge des Überfalls in Ochenbruck ihn bei einer Gegenüberstellung erkannte.

Als er mit diesen Beweisen konfrontiert wurde, gestand er schließlich.

Während seines Verfahrens wurde immer wieder deutlich, wie kalt ihn seine Taten doch ließen. In Bezug auf den ersten Mord sagte er: „Er kam wie ein Wilder auf mich zugestürtzt. […] Da ich diesen Angriff unbedingt abwehren wollte, habe ich deshalb noch ein drittes Mal auf den Mann abgefeuert.“ Zu den beiden Sparkassenmorden sagte er: „Wenn ich in die Sparkasse kam und die Pistole zückte, dann hatten sie alle die Pfoten hochzunehmen. Wenn sie das nicht taten, waren sie doch selbst Schuld, wenn ich sie erschießen musste.“ Und zu seinem fünften Mord sagte er: „Ich hatte Angst, dass man mich festhalten würde, und musste doch in Notwehr schießen.“

Dass er all seine Taten stets zur Mittagszeit verübte, begründete er damit, dass er kein Frühaufsteher war. Nachdem er dann mal ausgeschlafen hatte, musste er zunächst auch noch seine Taten vorbereiten.

Am 27. Juli 1967 wurde der Mittagsmörder schließlich zu lebenslangen Zuchthaus wegen fünffachen Mordes und drei besonders schweren Raubüberfällen verurteilt. Sein erster Doppelmord kam nicht zur Verhandlung, weil er damals zur Tatzeit nicht einmal 21 Jahre alt war.

 

Die Haft

 

Anfang 2010 wurden durch das Landgericht Regensburg Hafterleichterungen angeordnet. Klaus G. sollte dadurch langfristig auf eine Entlassung mit Bewährung vorbereitet werden. Durch das Oberlandesgericht Nürnberg wurde diese Entscheidung aber wieder aufgehoben. Das OLG sah Gefahr, dass er erneut schwerer Verbrechen begehen würde.

Gegen die Entscheidung des OLG wurde Verfassungsbeschwerde eingelegt. Das Bundesverfassungsgericht entschied dann schließlich im Jahr 2011, dass doch Hafterleichterungen angeordnet werden. Klaus sollte also auf ein Leben außerhalb der JVA vorbereitet werden. Bei dieser Entscheidung spielte aber auch sein Alter eine Rolle, war er zu diesem Zeitpunkt bereits 70 Jahre alt.

Am 26. Februar 2015 wurde er dann nach fast 50 Jahren Haft auf Bewährung entlassen. Er war mittlerweile 74 Jahre alt. Er war der erste Mensch, der nach so einem langen Haftaufenthalt, tatsächlich freikam. Die meisten Menschen, die über einen so langen Zeitraum, inhaftiert waren, starben in der Regel in der JVA.

 

Heutiger Stand

 

Mittlerweile ist Klaus 81 Jahre alt. Er hat seinen Namen und seinen Wohnsitz gewechselt, um die letzten Jahre seines Lebens in Ruhe zu verbringen.

Er sagte in einem Interview, dass er seit seiner Entlassung die Ordnung, die im Gefängnis herrschte, vermisst. In diesem Interview war aber deutlich, dass er sich selbst doch eher als Opfer und nicht als Täter sieht. Dies wurde beispielsweise durch Aussagen wie: „Ich wollte nicht gerne Verbrecher sein. Das hat sich einfach so ergeben. Auf normale Weise komme ich nicht an viel Geld dran. Ja? Also, da müssen Sie es schon so machen, Einbrüche oder Überfälle.“

Er sagte auch selbst, er habe nur in geringem Umfang Mitleid mit den Opfern. Generell zeigte er sehr wenig Einsicht. Behauptete aber dennoch, er hatte nach ca. 25 Jahren Haft das Gefühl, Gott hätte ihm vergeben, Er selbst glaubt daran, dass er einmal in den Himmel kommt.

Mit seinem Bruder hat er seit mehr als 50 Jahren nicht mehr gesprochen, da dieser keinen Kontakt mehr zu ihm will. So richtig verstehen, kann der Mittagsmörder dies scheinbar nicht.

Insgesamt war das Interview mit ihm sehr interessant, wen es interessiert, der kann es gerne hier nachlesen.

 

Buch

 

Die ganze Geschichte, die hinter all diesen Taten liegt, wurde in 2017 durch den Stern Redakteur Felix Hutt in dem Buch „7 Morde 50 Jahre Haft 1 Leben danach“ festgehalten. Darin werden die Verbrechen rekonstruiert. Mit gewirkt bei diesem Buch hat Klaus G. auch selbst durch verfasste Erinnerungen.

Auf 224 Seiten erhält der Leser einen einmaligen Einblick in die Geschehnisse sowie in das Leben des Mittagsmörders.


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