Eastern State Penitentiary – Das berüchtigte Gefängnis voller Geister
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich das erste Mal Bilder vom Eastern State Penitentiary gesehen habe. Lange, dunkle Gänge. Zellen wie Gruften. Und dieses Gefühl, dass dort etwas zurückgeblieben ist.
Das Eastern State Penitentiary in Philadelphia war einst ein revolutionäres Gefängnis – gedacht als Ort der moralischen Besserung. Doch was als humanes Experiment begann, entwickelte sich schnell zu einem Albtraum aus Isolation, psychischer Folter und absoluter Kontrolle.
Heute gilt das Gefängnis als einer der meistgespukten Orte der USA. Besucher berichten von flüsternden Stimmen, Schattenfiguren und plötzlichen Kältezonen. Zufall? Einbildung? Oder tragen Mauern tatsächlich Erinnerungen in sich?
In diesem Artikel nehme ich dich mit an einen Ort, an dem Geschichte, menschliches Leid und paranormale Phänomene auf beklemmende Weise verschmelzen.
Die Entstehung des Eastern State Penitentiary – ein radikales Gefängnisexperiment

Das Eastern State Penitentiary wurde Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut, genauer gesagt 1829 in Philadelphia. Und schon damals war klar: Das hier sollte kein normales Gefängnis werden. Es war ein Prestigeprojekt. Ein Symbol für Fortschritt, Moral und moderne Strafvollzugsideen. Klingt erstmal fast human, oder? Tja. Die Realität sah ziemlich anders aus.
Die treibende Kraft hinter dem Eastern State Penitentiary war die Quäker-Ideologie. Die Quäker glaubten fest daran, dass Menschen durch Isolation, Stille und Selbstreflexion zur Reue finden würden. Kein Geschrei, keine Gewalt, keine öffentlichen Strafen mehr. Stattdessen: Einsamkeit. Absolute Ruhe. Zeit, um über die eigenen Sünden nachzudenken. In der Theorie klang das fast spirituell. In der Praxis war es brutal.
Jeder Häftling saß allein in einer Zelle. Wirklich allein. Kein Kontakt zu anderen Gefangenen, kein gemeinsames Arbeiten, kein Sprechen. Selbst beim kurzen Hofgang trugen die Insassen oft Kapuzen, damit sie sich nicht sehen konnten. Die Zellen hatten zwar Licht und sogar eine kleine Toilette, was damals modern war, aber die Stille war erdrückend. Viele Gefangene hörten monatelang keine menschliche Stimme. Das macht was mit einem. Definitiv.
Das Eastern State Penitentiary war architektonisch ebenfalls revolutionär. Der sternförmige Grundriss mit einem zentralen Wachpunkt erlaubte maximale Kontrolle. Von einem Punkt aus konnten die Wächter mehrere Zellblöcke überwachen. Heute würde man das Panoptikum nennen. Damals war es ein echtes Vorbild. Gefängnisdelegationen aus Europa reisten an, um sich dieses System anzusehen. Frankreich, England, sogar Russland ließen sich inspirieren. Das Modell wurde kopiert, weltweit. Und ja, eine Zeit lang galt es als der „richtige“ Weg.
Doch ziemlich schnell zeigten sich die Schattenseiten. Ärzte, Wärter und Besucher bemerkten, dass viele Insassen psychisch abbauten. Manche begannen zu halluzinieren. Andere wurden apathisch, depressiv oder aggressiv. Es wurde gemunkelt, dass mehr Menschen im Eastern State Penitentiary ihren Verstand verloren als ihre Reue fanden. Selbst Charles Dickens besuchte das Gefängnis und war entsetzt. Er beschrieb die Isolation als schlimmer als körperliche Gewalt. Das sitzt.
Was als moralisches Experiment gedacht war, wurde zunehmend als psychische Folter erkannt. Die Idee, dass Stille automatisch zur Läuterung führt, erwies sich als naiv. Menschen brauchen soziale Kontakte. Punkt. Das System des Eastern State Penitentiary wurde deshalb ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer stärker kritisiert. Nach und nach lockerte man die Regeln, ließ Arbeit in Gemeinschaft zu. Der ursprüngliche Gedanke war da aber längst gescheitert.
Rückblickend ist das Eastern State Penitentiary ein faszinierendes, aber auch verstörendes Kapitel der Strafvollzugsgeschichte. Es zeigt, wie gut gemeinte Ideen in der Umsetzung komplett kippen können. Und vielleicht ist genau dieses gesammelte Leid der Grund, warum dieser Ort bis heute so eine dunkle Aura hat. Mauern vergessen nicht. Und das Eastern State Penitentiary schon gar nicht.
Leben in völliger Isolation – psychische Folgen und menschliches Leid

Im Eastern State Penitentiary zeigte sich sehr schnell, was passiert, wenn man Menschen konsequent voneinander trennt. Die Insassen verbrachten bis zu 23 Stunden am Tag allein in ihrer Zelle, oft über Jahre hinweg. Kein Smalltalk, kein Blickkontakt, keine Stimmen. Nur Stein, Stille und Zeit. Viel zu viel Zeit. Anfangs wurde das als notwendig verkauft, als Teil eines moralischen Heilungsprozesses. In Wahrheit war es ein radikales Experiment am menschlichen Geist.
Die Zellen im Eastern State Penitentiary waren für ihre Zeit modern, ja. Es gab Licht, fließendes Wasser, sogar eine Art Toilette. Aber all das hilft nichts, wenn die Einsamkeit frisst. Viele Gefangene beschrieben später, dass sie irgendwann begannen, mit sich selbst zu sprechen. Andere hörten Geräusche, die nicht da waren. Manche starrten stundenlang auf dieselbe Wand. Und das war dann der Alltag. Tag für Tag.
Besonders perfide war der Umgang bei Transporten. Die Gefangenen trugen Kapuzen über dem Kopf, jedes einzelne Mal. Damit sie niemanden sahen. Damit sie niemanden kannten. Damit sie nicht einmal wussten, wo sie sich im Gebäude befanden. Dieses System sollte Individualität brechen. Und genau das tat es auch. Im Eastern State Penitentiary wurde Kontrolle perfektioniert, fast schon obsessiv.
Es existieren dokumentierte Berichte von Häftlingen, die nach wenigen Monaten psychisch zusammenbrachen. Depressionen, Panikattacken, schwere Angstzustände. Einige begannen sich selbst zu verletzen. Andere wurden vollkommen apathisch, wie abgeschaltet. Ärzte jener Zeit notierten Fälle von Halluzinationen und Wahnvorstellungen, auch wenn man das damals gern herunterspielte. War halt unbequem, passte nicht ins Idealbild.
Was besonders bitter ist: Diese Folgen waren bekannt. Wärter, Mediziner und Besucher sahen, was geschah. Trotzdem hielt man am System fest. Warum? Weil es ideologisch aufgeladen war. Weil man unbedingt beweisen wollte, dass das Eastern State Penitentiary der richtige Weg sei. Fortschritt um jeden Preis. Und ja, der Preis war hoch. Sehr hoch.
Historiker bezeichnen das System heute klar als psychologische Folter. Nicht rückblickend mit moderner Brille, sondern auf Basis damaliger Berichte. Isolation über so lange Zeiträume zerstört Menschen. Punkt. Das ist kein Geheimnis mehr. Das Eastern State Penitentiary lieferte dafür eines der frühesten, drastischsten Beispiele. Ironischerweise war genau diese Radikalität der Grund, warum das Modell irgendwann scheiterte.
Es gab Momente, in denen das System gelockert wurde. Gemeinschaftsarbeit wurde eingeführt, Gespräche erlaubt. Das war ein Eingeständnis. Ein stilles, aber deutliches. Man hatte sich verrannt. Zu spät für viele Insassen, die das Gefängnis zwar körperlich verließen, mental aber nie wieder ganz draußen ankamen. Triumph sieht anders aus.
Wenn man heute durch die leeren Gänge des Eastern State Penitentiary geht, spürt man dieses Leid fast körperlich. Die Stille ist noch da. Und sie fühlt sich schwer an. Vielleicht ist es genau diese Geschichte der Isolation, die den Ort bis heute so unheimlich macht. Menschen wurden hier nicht gebrochen, sie wurden langsam ausgelöscht. Und das vergisst kein Ort einfach so.
Berüchtigte Insassen und dunkle Geschichten hinter den Mauern

Im Eastern State Penitentiary waren es nicht nur die Mauern oder das System, die Angst machten. Es waren die Menschen. Die, die einsaßen. Und die, die das Sagen hatten. Hinter diesen dicken Steinwänden sammelten sich Geschichten, die bis heute nachhallen. Manche sind gut dokumentiert, andere wurden lange nur geflüstert. Und genau diese Mischung macht den Mythos so verdammt stark.
Der bekannteste Name ist ohne Frage Al Capone. Ja, genau der. Der berüchtigte Gangsterboss aus Chicago saß Ende der 1920er Jahre im Eastern State Penitentiary ein. Und sein Aufenthalt war… sagen wir mal ungewöhnlich komfortabel. Während andere Gefangene in Isolation und Stille zerbrachen, hatte Capone eine Zelle mit Teppichen, Möbeln, einem Radio. Es wurde gemunkelt, dass er regelmäßig Besuch bekam und Sonderrechte genoss. Offiziell war alles korrekt, inoffiziell roch das Ganze ziemlich nach Macht und Einfluss. Für viele Insassen muss das wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.
Doch Capone war die Ausnahme. Für die meisten anderen bedeutete das Eastern State Penitentiary Härte. Gewalt war allgegenwärtig, oft subtil, manchmal offen brutal. Wärter hatten enorme Macht, und diese wurde nicht immer verantwortungsvoll genutzt. Disziplinarstrafen waren gefürchtet. Wer Regeln brach, wurde nicht einfach ermahnt. Es wurde bestraft. Hart. Und oft im Verborgenen.
Eine der grausamsten Methoden war der sogenannte „Iron Gag“. Ein Metallstück, das auf die Zunge gelegt und mit Ketten an den Armen fixiert wurde. Jede Bewegung konnte die Zunge zerreißen. Sprechen war unmöglich. Schreien sowieso. Diese Strafe wurde offiziell kaum erwähnt, aber sie existierte. Und sie wurde angewendet. Historiker fanden später Hinweise in internen Aufzeichnungen, die lange unter Verschluss gehalten wurden. Das war kein Ausrutscher. Das war System.
Solche Maßnahmen verstärkten das Klima der Angst massiv. Viele Insassen lebten ständig in Sorge, das nächste Ziel zu sein. Ein falscher Blick, ein leises Wort, eine kleine Regelverletzung. Zack. Konsequenzen. Psychisch hat das einiges kaputt gemacht. Manche Gefangene zogen sich völlig zurück, andere wurden aggressiv oder verzweifelt. Es entstanden persönliche Tragödien, die nie Schlagzeilen machten, aber den Ruf des Eastern State Penitentiary leise weiter verdunkelten.
Genau diese individuellen Schicksale sind es, die den Mythos des Gefängnisses bis heute nähren. Nicht nur die großen Namen wie Al Capone, sondern die unzähligen anonymen Insassen, die hier zerbrochen sind. Ihre Geschichten wurden weitergegeben, ausgeschmückt, manchmal übertrieben. Aber sie hatten immer einen realen Kern. Leid. Ungerechtigkeit. Machtmissbrauch.
Wenn man heute über das Eastern State Penitentiary spricht, spricht man über mehr als nur ein Gefängnis. Man spricht über Menschen, die in einem System gefangen waren, das größer war als sie selbst. Über Wärter, die zu Richtern wurden. Und über Geschichten, die sich festgesetzt haben wie Schatten an den Wänden. Kein Wunder, dass dieser Ort bis heute als düster, belastet und irgendwie… unruhig gilt. Manche Mauern erzählen eben mehr, als man hören möchte.
Paranormale Phänomene – warum das Eastern State Penitentiary als Spukort gilt

Das Eastern State Penitentiary hat einen Ruf, der weit über Geschichte hinausgeht. Schon in den ersten Minuten, in denen man sich mit diesem Ort beschäftigt, stolpert man über Berichte, die nicht mehr rational klingen. Stimmen. Schritte. Geräusche, die keinen Ursprung haben. Und nein, das sind nicht nur sensationsgeile Urban Legends. Viele dieser Erzählungen tauchen unabhängig voneinander auf. Und genau das macht die Sache so unangenehm spannend.
Besucher berichten immer wieder von flüsternden Stimmen, besonders in den alten Zellblöcken. Manche sagen, sie hätten ihren Namen gehört. Andere beschreiben leises Weinen, manchmal direkt hinter ihnen, obwohl der Gang leer war. Das Krasse: Diese Geräusche sollen oft in Bereichen auftreten, die offiziell als ruhig gelten. Keine Gruppen, keine Führungen. Einfach Stille. Und dann das. Gänsehaut-Moment garantiert.
Noch häufiger werden Schritte gemeldet. Langsam. Bedacht. Als würde jemand hinter einem herlaufen. Dreht man sich um, ist da natürlich niemand. Wärter, die nachts allein im Gebäude waren, erzählten später, dass sie diese Schritte so real wahrgenommen haben, dass sie andere Kollegen gerufen haben. Und dann standen sie da. Zu zweit. Und hörten dasselbe. Das ist der Punkt, wo selbst Skeptiker kurz schlucken.
Ein weiteres wiederkehrendes Phänomen im Eastern State Penitentiary sind Schattenfiguren. Keine klaren Erscheinungen, sondern dunkle Umrisse, die sich in Zellen oder Fluren bewegen. Besonders häufig genannt wird Zelle Block 12. Dort sollen Schatten aus dem Augenwinkel auftauchen und sofort verschwinden, wenn man hinsieht. Klassisch, ja. Aber auch hier wieder: zu viele ähnliche Berichte, um es einfach abzutun.
Dann gibt es noch die Sache mit der Temperatur. Besucher und paranormale Ermittler sprechen von plötzlichen Kältezonen, teilweise mitten im Sommer. Ein Schritt vor, normal. Ein Schritt zurück, eiskalt. Technische Geräte spielen dort ebenfalls gern verrückt. Batterien entladen sich angeblich schneller, Kameras fallen aus, Tonaufnahmen rauschen plötzlich. Wurde alles schon dokumentiert. Nicht immer reproduzierbar, aber auffällig oft am selben Ort.
Was das Eastern State Penitentiary besonders macht, sind die Aussagen der Menschen, die dort regelmäßig waren. Nicht nur Touristen auf Ghost Tours, sondern ehemaliges Wachpersonal. Leute, die keinen Grund hatten, sich was auszudenken. Einige gaben an, sie hätten absichtlich nicht über ihre Erlebnisse gesprochen, aus Angst, für verrückt gehalten zu werden. Erst Jahre später kamen diese Geschichten raus. Und sie ähneln sich erschreckend.
Paranormale Ermittler nutzten das Gefängnis mehrfach für Untersuchungen. EVP-Aufnahmen, Temperaturmessungen, Bewegungssensoren. Die Ergebnisse sind umstritten, klar. Aber es gab Momente, die selbst erfahrene Teams sprachlos gemacht haben. Unerklärliche Stimmen auf Aufnahmen. Antworten auf direkte Fragen. Frustrierend für die Wissenschaft. Ein kleiner Triumph für die Mystery-Fraktion.
Warum gilt das Eastern State Penitentiary also als Spukort? Vielleicht, weil hier über Jahrzehnte extremes Leid, Isolation und Angst konzentriert waren. Vielleicht, weil Orte Emotionen speichern, irgendwie. Oder vielleicht ist es einfach unser Kopf, der in der Stille anfängt, Dinge zu sehen und zu hören. Sicher ist nur eins: Kaum ein anderer Ort liefert so viele konsistente Berichte. Und das lässt selbst nüchterne Menschen kurz innehalten. Manchmal reicht das schon.
Tourismus, Ghost Tours und Popkultur – der Mythos lebt weiter

Das Eastern State Penitentiary ist heute längst kein aktives Gefängnis mehr, aber tot ist dieser Ort ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Seit der Stilllegung in den 1970er-Jahren hat sich das ehemalige Gefängnis zu einer der bekanntesten Touristenattraktionen in Philadelphia entwickelt. Und ja, das wirkt erstmal widersprüchlich. Ein Ort voller Leid, Isolation und Gewalt wird plötzlich zum Museum. Aber genau darin liegt der Reiz.
Als Museum wird das Eastern State Penitentiary bewusst roh präsentiert. Keine glatt polierten Zellen, keine romantisierte Geschichte. Abblätternde Farbe, bröckelnde Wände, kalte Flure. Besucher sollen sehen, wie es wirklich war. Audioguides führen durch die Geschichte des Strafvollzugs, erzählen von Isolation, psychischer Folter und gescheiterten Reformideen. Das ist Aufklärung, ganz klar. Und die funktioniert erstaunlich gut. Viele gehen raus und sind erstmal still. Kennen wir alle.
Doch dann gibt es die andere Seite. Ghost Tours. Paranormale Führungen, oft abends oder nachts, wenn die Geräuschkulisse eine ganz andere ist. Hier stehen nicht mehr nur historische Fakten im Vordergrund, sondern Geisterberichte, Schattenfiguren und unerklärliche Ereignisse. Manche Besucher sind skeptisch, andere voll drin. Und genau diese Mischung macht es erfolgreich. Das Eastern State Penitentiary wird so zu einem Erlebnis, nicht nur zu einem Lernort.
Besonders beliebt sind die Halloween-Events. Dann verwandelt sich das Gelände teilweise in eine Art Spuk-Attraktion. Schauspieler, Soundeffekte, dunkle Inszenierungen. Für manche geht das zu weit. Verständlich. Andere sehen darin eine Möglichkeit, jüngere Menschen überhaupt erst für die Geschichte des Ortes zu interessieren. Das ist der ständige Balanceakt. Wo hört Bildung auf und wo beginnt reine Sensationslust? Eine einfache Antwort gibt’s nicht.
Auch in der Popkultur ist das Eastern State Penitentiary allgegenwärtig. Es taucht in unzähligen Dokumentationen, True-Crime-Formaten und Paranormal-Shows auf. Serien wie „Ghost Adventures“ oder „Most Haunted“ haben dem Gefängnis internationale Aufmerksamkeit verschafft. Dabei wurde nicht immer sauber gearbeitet, das muss man sagen. Dramatische Musik, schnelle Schnitte, große Behauptungen. Das frustriert manchmal, vor allem, wenn Fakten untergehen. Aber gleichzeitig hält genau das den Mythos am Leben.
Und dieser Mythos ist mächtig. Durch Social Media verbreiten sich Bilder, Videos und Erfahrungsberichte rasend schnell. Ein Schatten hier, ein Geräusch dort. Zack, viral. Das Eastern State Penitentiary wird so ständig neu interpretiert. Für manche ist es ein Mahnmal der Strafvollzugsgeschichte. Für andere ein echter Spukort. Für viele beides gleichzeitig. Und das ist irgendwie okay.
Die Verantwortlichen stehen dabei ständig unter Druck. Sie müssen entscheiden, wie viel Unterhaltung erlaubt ist, ohne den Ort zu entwürdigen. Zu trocken, und niemand kommt. Zu reißerisch, und die Geschichte wird verzerrt. Diese Gratwanderung ist schwierig, keine Frage. Aber bisher gelingt sie besser als bei vielen anderen sogenannten Dark-Tourism-Orten.
Am Ende zeigt das Eastern State Penitentiary, wie Geschichte im 21. Jahrhundert funktioniert. Sie muss erzählt werden. Erlebbar sein. Manchmal auch unbequem. Ob als Museum, Ghost Tour oder Popkultur-Ikone – der Ort lebt weiter, weil Menschen sich mit ihm auseinandersetzen. Und vielleicht ist genau das der beste Beweis dafür, dass selbst die dunkelsten Orte nicht vergessen werden wollen.
Psychologie, Erinnerung und der Reiz des Unheimlichen

Beim Eastern State Penitentiary reicht es oft schon, den Namen zu hören, und irgendwas zieht sich zusammen. Das ist kein Zufall. Orte, an denen über lange Zeit Leid, Angst und Isolation geherrscht haben, wirken anders auf uns. Nicht magisch im ersten Schritt, sondern psychologisch. Unser Gehirn ist extrem gut darin, Bedeutungen aufzuladen. Und Gefängnisse wie dieses liefern dafür mehr als genug Material.
Warum sind Orte des Leids so anfällig für Geistergeschichten? Ganz simpel: Weil sie emotional vorbelastet sind. Im Eastern State Penitentiary wissen wir, was passiert ist. Einzelhaft. Wahnsinn. Machtmissbrauch. Diese Informationen setzen sich fest, noch bevor man einen Fuß in den Zellenblock setzt. Der Kopf ist vorbereitet. Geräusche werden anders wahrgenommen, Schatten schneller interpretiert. Das ist kein Zeichen von Dummheit, sondern von menschlicher Wahrnehmung. So ticken wir nun mal.
Dazu kommt die kollektive Erinnerung. Geschichten werden erzählt, weitergegeben, ausgeschmückt. Besucher hören von Stimmen, also hören sie genauer hin. Und manchmal hören sie dann tatsächlich etwas. Ein Knacken, ein Luftzug, ein entferntes Geräusch. In einem normalen Gebäude würde man drüber hinweggehen. Im Eastern State Penitentiary bekommt es sofort Bedeutung. Räume speichern keine Geister, aber sie speichern Geschichten. Und Geschichten verändern Wahrnehmung. Das ist ziemlich mächtig.
Psychologen sprechen hier von emotionaler Aufladung von Räumen. Ein Ort wird zum Symbol. Zum Trigger. Das Eastern State Penitentiary ist nicht einfach ein altes Gebäude, es steht für Isolation, Kontrolle und menschliches Scheitern. Diese Symbolik wirkt unterschwellig. Man fühlt sich beobachtet, selbst wenn niemand da ist. Puls geht hoch, Aufmerksamkeit schärft sich. Und genau dann passieren diese typischen „unheimlichen“ Momente.
Die Wissenschaft hat dafür einige Erklärungsansätze. In alten Gebäuden entstehen oft Infraschall-Frequenzen, also extrem tiefe Töne, die wir nicht bewusst hören, die aber Unruhe, Angst oder Gänsehaut auslösen können. Auch schwankende Temperaturen, schlechte Beleuchtung und akustische Täuschungen spielen eine Rolle. Das Eastern State Penitentiary ist voll davon. Lange Gänge, harte Oberflächen, Zugluft. Geräusche wandern. Schritte klingen plötzlich nah. Dann wieder weg. Nervig, ehrlich gesagt.
Aber hier wird es spannend: Diese Erklärungen schließen persönliche Erfahrungen nicht aus. Nur weil es eine rationale Erklärung geben könnte, heißt das nicht, dass das Erlebte „nichts“ war. Gefühle sind real. Gänsehaut ist real. Angst auch. Viele Besucher berichten, dass sie rational skeptisch waren und trotzdem etwas erlebt haben, das sie nicht abschütteln konnten. Frustrierend für den Verstand. Faszinierend fürs Bauchgefühl.
Genau hier treffen sich Skepsis und Faszination. Man kann wissen, wie Wahrnehmung funktioniert, und trotzdem betroffen sein. Das ist kein Widerspruch. Das Eastern State Penitentiary zeigt das ziemlich gut. Es zwingt einen nicht, an Geister zu glauben. Es zwingt einen eher, über sich selbst nachzudenken. Über Angst. Erinnerung. Und darüber, wie stark Orte auf uns wirken können.
Vielleicht liegt der Reiz des Unheimlichen genau darin. Nicht darin, dass dort wirklich etwas Übernatürliches lauert, sondern dass wir an solchen Orten unsere eigenen Grenzen spüren. Das Eastern State Penitentiary ist ein Spiegel. Und was man darin sieht, hängt stark davon ab, was man mitbringt. Skepsis im Kopf schließt Gänsehaut nicht aus. Im Gegenteil. Manchmal macht sie sie sogar stärker.
Mauern, die nicht vergessen – was glaubst du, ist dort zurückgeblieben?
Das Eastern State Penitentiary ist mehr als ein verlassenes Gefängnis. Es ist ein Mahnmal für gescheiterte Ideale, menschliches Leid und die dunklen Seiten von Ordnung und Kontrolle. Ob man an Geister glaubt oder nicht – die Geschichten, die sich hier verdichten, sind real genug, um unter die Haut zu gehen.
Mich fasziniert vor allem diese eine Frage:
Bleibt von extremem Leid etwas zurück? In Mauern, in Räumen, vielleicht sogar in der Luft selbst?
Was denkst du?
Reiner Mythos, psychologische Projektion – oder ein Ort, an dem wirklich etwas nicht zur Ruhe gekommen ist? Schreib deine Meinung unbedingt in die Kommentare.
